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Basketball:Entscheidende Dreier

rechts Chase Fieler (Brose Bamberg, 20) links 15 Matthew Tiby (medi Bayreuth) medi Bayreuth - Brose Bamberg, easyCredit

Durchgesetzt in der Nachbarstadt: Die Bamberger um Chase Fieler (rechts) besiegten Bayreuth (im Bild Matthew Tiby).

(Foto: Daniel Löb/HMB-Media/imago)

Nach dem Sieg im Oberfrankenderby ist Bamberg die Playoff-Teilnahme wohl kaum noch zu nehmen, die Bayreuther müssen ihre Hoffnungen darauf hingegen aufgeben.

Von Mathias von Lieben

Es war zumindest paradox. Wenn nicht sogar - wie Bayreuths Trainer Raoul Korner es später nannte - "komplett außerirdisch". Gleich die erste Bamberger Offensiv-Aktion des Spiels endete mit einem Ballverlust und zwei Punkten für Bayreuth. Und genauso ging es in der Anfangsphase des 81. Oberfranken-Derbys in der Basketball-Bundesliga ja erstmal auch weiter. Gastgeber Medi Bayreuth war am Samstagabend aggressiver, kam immer wieder zu einfachen, sehr schnellen Punkten am Korb - und war im Gegensatz zum passiven Gegner Brose Bamberg gleich voll im Derbymodus. Und trotzdem stand es am Ende des ersten Viertels nach Punkten 27:27. Wie das?

"Bamberg hatte Ostern und Weihnachten an einem Tag", versuchte sich Medi-Kapitän Bastian Doreth an einem Erklärungsversuch. "Die haben jeden scheiß Wurf getroffen." Und das war bis auf das Adjektiv noch nicht mal übertrieben. Denn im ersten Viertel verwandelte Bamberg tatsächlich fünf von fünf Versuchen von jenseits der Dreipunkt-Linie. Im zweiten Viertel immerhin noch fünf von neun. Am Ende war die gute Dreier-Quote nicht nur der Schlüssel zur geglückten Revanche (97:88) für das Team von Trainer Johan Roijakkers. Auch die Qualifikation für die Playoffs ist seinen Bambergern damit wohl kaum mehr zu nehmen, während Bayreuth mit der Niederlage die letzte Playoff-Chance verspielt haben dürfte.

Bambergs Trainer Roijakkers ist froh über den gewonnenen Direktvergleich

"Wir sind sehr froh über den Sieg", sagte Roijakkers daher nach der Partie. "Auch darüber, dass wir den direkten Vergleich gewonnen haben. Das war wichtig zur Verteidigung des Playoff-Platzes." Und das sagt eigentlich auch schon alles über die Saison des früheren Serienmeister Brose Bamberg, bei dem man sich ja eigentlich einen Platz unter den ersten vier zum Ziel gesetzt hatte. Glücksgefühle kommen beim Trainer schon auf, wenn seine Mannschaft den letzten Playoff-Qualifikations-Platz acht verteidigen kann. Und Roijakkers wusste ja: Auch im nur knapp 60 Kilometer entfernten Bayreuth war die Leistung seiner Spieler alles andere als außerirdisch.

Angeführt von ihrem hochmotivierten und treffsicheren Kapitän Bastian Doreth (mit 22 Punkten Topscorer der Partie) witterten die quirligen Bayreuther in Halbzeit eins noch einmal ihre Minimalchance auf die Playoffs. Vier Punkte trennten sie ja nur von Bamberg bei noch sieben ausstehenden Spielen. Theoretisch war also noch alles möglich. Bayreuth variierte zunächst sehr erfolgreich zwischen Innen- und Außenspiel und führte zur Halbzeit auch verdient mit 55:52 Punkten. Die Bamberger um Topscorer David Kravish (18 Punkte) hingegen brauchten ein wenig, um ins Spiel zu finden und offenbarten Defensiv-Lücken. Was von Anfang an jedoch gut funktionierte: die Dreier, die der Garant dafür waren, dass Bayreuth zur Halbzeit nicht schon deutlich höher in Führung lag. Und das, obwohl in Michele Vitali der beste Bamberger Dreier-Werfer mit Oberschenkelproblemen angeschlagen auf der Bank saß.

Bayreuths Kapitän Doreth kommt in der zweiten Hälfte nur noch zu sieben Punkten

Zufrieden mit dem Auftritt war Bamberg-Coach Roijakkers aber nicht: "In der ersten Halbzeit haben wir überhaupt nicht gut verteidigt. Erst in Halbzeit zwei waren wir physischer und bissiger." Und tatsächlich: Während die Gastgeber nun besonders in der Offensive unkonzentrierter agierten und nur noch einen Dreier erzielten, kamen die Bamberger immer besser in die Partie. Auch weil sie, wie Bambergs Shooting-Guard Kenneth Ogbe nach dem Spiel preisgab, in der Kabine die Devise ausgegeben hatten, besonders einen Spieler zu stoppen: "Wir haben uns gesagt: Wir müssen den Bastian Doreth halten, der war richtig gut drauf."

Gesagt, getan: Bayreuths Kapitän kam in der zweiten Hälfte nur noch zu sieben Punkten. Die Bamberger hingegen konnten über Kenneth Ogbe und David Kravish immer mehr Lücken in die Bayreuther Defensive reißen, so dass sie vermehrt auch zu freien Korblegern kamen. An die Dreier-Quote aus Halbzeit eins konnten sie zwar nicht mehr anknüpfen. Am Ende hatten sie trotzdem 16 von 32 Distanz-Versuchen verwandelt. "So gesehen geht der Sieg letztlich auch in Ordnung", sagte Bayreuths Trainer Raoul Korner nach der Partie noch. Und ihm war zugleich klar: Die Playoffs sind für sein Team selbst bei komplett außerirdischen Leistungen nun in unerreichbare Ferne gerückt.

© SZ/lein/and
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