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Basketball-EM:"Wir können jeden schlagen"

Dennis Schröder im Spiel gegen Frankreich.

(Foto: AP)
  • Die deutschen Basketballer schlagen Frankreich 84:81 und stehen im Viertelfinale der Europameisterschaft.
  • Topscorer Daniel Theis und Dennis Schröders Sicherheit an der Freiwurflinie helfen den Deutschen nach einem miserablen Start.
  • Gegner im Viertelfinale ist nun Spanien oder Gastgeber Türkei.

Von Maximilian Länge

20 Spielminuten benötigte die deutsche Basketball-Auswahl am Samstag, um zu begreifen, dass Dennis Schröder auch nur ein Mensch ist. Dass es so lange dauerte, ist sogar verständlich, denn gemessen an den überragenden Leistungen des NBA-Profis in den bisherigen Spielen der Europameisterschaft konnte man anderes über Schröder denken. Auf dem Weg in die K.-o.-Runde hatte der Point Guard im Schnitt 23,6 Zählern pro Partie erzielt und seine Mannschaft oft brillant angeführt.

Im EM-Achtelfinale gegen Frankreich, das die Deutschen am Ende 84:81 gewannen, dauerte es bis zwei Minuten vor der Halbzeitsirene, ehe sich Schröder nach sieben Fehlversuchen aus dem Feld erstmals mit Punkten auf dem Spielberichtsbogen verewigte - per Freiwurf. Bis dahin waren die Franzosen den deutschen Topspieler oft mit mehreren Verteidigern angegangen. Schröder erzielte von der Linie die Punkte 27 und 28 für Deutschland, die leicht favorisierten, aber längst nicht mehr unschlagbaren Franzosen der Post-Tony-Parker-Ära hatten zu diesem Zeitpunkt 34 Zähler auf dem Scoreboard.

Dass es bis zur Pause beim Rückstand von nur sechs Punkten blieb (34:40), war kaum zu glauben. Zu schwach hatte die deutsche Mannschaft in der ersten Halbzeit vor allem beim Rebound unter dem gegnerischen Korb agiert, zu oft hatten sie einfache Korbleger verpasst, zu selten hatten die Distanzwürfe ins Ziel getroffen. Ein Dreipunktewurf Schröders segelte ohne Berührung an Ring und Brett vorbei. Es schien, als lähmte die Flaute des Spielmachers das gesamte Team. 4:14 stand es nach sechs Minuten, mit 10:19 ging es in die Viertelpause.

Die Distanzschützen leiten die Wende ein

Es war von vielen schwachen Starts bei diesem Turnier der wohl schwächste - und erinnerte stark an die ersten Minuten des Testspiels vor zwei Wochen in Berlin, als die Franzosen früh einen Vorsprung herausspielten. Die NBA-Routiniers Boris Diaw und Evan Fournier brachten ihr Team in eine gute Ausgangslage. Weil Frankreich aber selbst nicht mehr die Klasse früherer Jahre hat und durch die aggressive Verteidigung Deutschlands immer wieder unter Zeitdruck geriet, wuchs der Vorsprung in der Folge nicht weiter an.

Im Gegenteil: Die Tatsache, dass die deutschen Basketballer früh deutlich zurücklagen, kaschierte, dass sie im zweiten, dritten und vierten Viertel mehr Punkte als ihr Gegner erzielten und sich Stück für Stück zurück ins Spiel kämpften. Es waren die Distanzschützen, die nach nur zwei verwandelten Dreiern in der ersten Halbzeit (Lucca Staiger traf in Serie) die Wende einleiteten. "Gestern Abend habe ich gebetet, dass wir ein paar Dreier treffen", sagte Bundestrainer Chris Fleming, "und das habe ich ein paar meiner Jungs auch so gesagt." Die Gebete wurden mit Verspätung erhört.

Mitte des dritten Viertels erzielte Daniel Theis von den Boston Celtics per Freiwurf das 51:51, der erste Gleichstand seit dem 0:0. Weil unter dem Korb weiter kaum etwas ging, übernahmen erneut der starke Staiger sowie Maodo Lo und Danilo Barthel per Dreier die Verantwortung. Draußen auf der Bank jubelte Dennis Schröder, der wenig später weitere Distanztreffer von Theis und Robin Benzing vorbereitete. Dafür gab's anschließend Lob von Theis, der mit 22 Punkten (acht von neun verwandelte Würfe aus dem Spiel) DBB-Topscorer war: "Dennis hat heute die perfekte Mischung zwischen Selbst-die-Verantwortung-übernehmen und passen gefunden. Ich hatte heute das Glück, dass er mich gefunden hat."

An der Freiwurflinie ist Schröder unfehlbar

Schröders Sicherheit an der Freiwurflinie (11/11) war es am Ende, die Deutschland vor der Verlängerung bewahrte. Als Fournier elf Sekunden vor Schluss von einem Fehlpass Los profitierte und sein Team bis auf zwei Punkte heranbrachte, wurde es trotzdem noch einmal spannend. Bei drei Punkten Rückstand kam Frankreichs Spielmacher Nando de Colo mit der Schlusssirene frei von draußen zum Wurf, schaffte aber nicht den Ausgleich. "Zum Glück hat's gereicht", sagte Schröder, der ob des Leichtsinns seines Mitspielers Lo nur kurz verärgert war. "Ich habe ihm das erzählt, damit er etwas lernt."

Deutschlands Basketballer haben die DBB-Karriere von Trainer Chris Fleming um ein Spiel verlängert. Er wird sich nach der EM auf seinen Job als Assistenztrainer beim NBA-Club Brooklyn Nets konzentrieren. Vorher steht das erste EM-Viertelfinale seit zehn Jahren an für sein Team. In Istanbul, jenem Ort, an dem Deutschland 2001 im Viertelfinale die Franzosen mit 81:77 schlug, damals noch mit Dirk Nowitzki. Diesmal dürfte die Hürde höher werden: Gegner am Dienstag wird entweder Titelverteidiger Spanien oder Gastgeber Türkei sein.

Trotzdem kein Grund für übertriebene Zurückhaltung. "Wir können jeden schlagen, wenn wir alles richtig machen", sagte Schröder, der am Ende trotz mäßiger Wurfquote (nur 33 Prozent) auf 21 Punkte kam. Da die Deutschen - inklusive Schröder - aber bei weitem nicht alles richtig machten an diesem Tag und trotzdem als Sieger vom Parkett gingen, könnte auch die Aufgabe im Viertelfinale lösbar sein.

© SZ vom 10.09.2017/schm
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