Süddeutsche Zeitung

Basketball-EM:Wieder ein Hüne

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Bei Achtelfinalgegner Montenegro steht ein Trio im Fokus. Kopfzerbrechen sollte dieser Gegner dem deutschen Team aber nicht bereiten.

Von Ralf Tögel, Köln

"Ganz ehrlich? Ich habe gerade erst erfahren, dass wir gegen Montenegro spielen." Franz Wagner grinste sein Spitzbubengrinsen, der Schweiß tropfte ihm von der Stirn, gerade hatte sich die deutsche Mannschaft ein gutes Gefühl für die Reise nach Berlin zum Achtelfinale verschafft, mit diesem famosen 106:71-Sieg gegen Ungarn. Nun also Montenegro.

Andreas Obst immerhin kennt "ein paar Spieler von ihnen", schließlich habe man schon gegeneinander gespielt. Die bisher einzigen Vergleiche wurden verloren (74:80 und 75:82), beide fanden im Rahmen der EM-Qualifikation statt. Dem sollte aber nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden, denn die aktuelle Mannschaft hat mit der von damals wenig gemein. Lediglich Obst und Christian Sengfelder sind im Kader verblieben, auch der damalige Trainer Henrik Rödl musste seinen Stuhl räumen. Zudem war die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds als Co-Ausrichter für die EM bereits qualifiziert.

Die Montenegriner hingegen rückten erst als bestes nicht qualifiziertes Team für die ausgeschlossenen Russen nach - und treffen nun auf ein ungleich stärkeres DBB-Team. "Wir werden schnellstens unsere Hausaufgaben machen", erklärte Wagner, "wir werden uns ansehen, welche Plays sie laufen, wie wir sie am besten attackieren", erklärte der 21-Jährige.

Gegen Spanien und die Türkei hat Montenegro verloren, beides Teams im Bereich des aktuellen deutschen Teams

Dabei dürften drei gegnerische Spieler besonders in den Fokus rücken: Bojan Dubljevic, der für den spanischen Erstligisten Valencia in der Euroleague spielt, in Montenegro Heldenstatus genießt und mit knapp 14 Punkten pro Spiel Topscorer seines Teams bei dieser EM ist. Spielmacher ist der eingebürgerte US-Guard Kendrick Perry, der für Malaga ebenfalls in der spanischen Eliteliga zu Werke geht und im Schnitt zweistellig punktet (13,2). Der 29-Jährige ist ein umsichtiger Lenker und hat im bisherigen Turnierverlauf die zweitmeisten Assists verbucht. Zudem bekommt es die deutsche Defense wieder mit einem Hünen aus der nordamerikanischen Profiliga NBA zu tun: Center Marko Simonovic ist 2,14 Meter groß und verdient sein Geld bei den Chicago Bulls. Bislang ist er nicht sonderlich in Erscheinung getreten, und angesichts der Brocken, die Johannes Voigtmann und Kollegen bisher erfolgreich unter den Körben bearbeiteten, sollte dies dem deutschen Team wenig Kopfzerbrechen bereiten.

Angesichts der bisher gezeigten Leistungen geht der Gastgeber in Berlin als klarer Favorit in sein erstes K.-o.-Spiel. Die Montenegriner rutschten nach Siegen gegen Bulgarien und Belgien erst dank eines 81:73 gegen Georgien auf den dritten und letzten Gruppenplatz, der sie in die Endrunde hievte. Gegen die Türkei und Spanien - Gegner mit der Güteklasse der derzeitigen DBB-Auswahl - gab es Niederlagen. Oder in den Worten von Franz Wagner: "Wir haben schon vor, noch ein bisschen im Turnier zu bleiben."

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