Basketball-EM:Nah am Titel, fern vom Hype

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Basketball-EM: Gute Typen: Die Spieler, hier Johannes Thiemann (links) und Franz Wagner, haben beste Werbung für ihre Sportart gemacht.

Gute Typen: Die Spieler, hier Johannes Thiemann (links) und Franz Wagner, haben beste Werbung für ihre Sportart gemacht.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Deutschlands Basketballer haben begeistert, die Nationalmannschaft hat mit ihrem Erfolg beste Werbung gemacht - trotzdem hat das Fernsehen die Chance verpasst, den Sport vehementer ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Kommentar von Ralf Tögel

Bronze also. Für den Titel hat es nicht ganz gereicht, aber die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat alle Erwartungen übertroffen und war nah dran am Titel. Und sie hat mit dem dritten Platz bewiesen, dass da eine Generation am Werk ist, die das Zeug zu weiteren Großtaten hat. Im kommenden Jahr ist WM, 2024 Olympia, der Trainer hat einen Dreijahresplan, alle Spieler zugesagt.

Nach einer grandiosen Vorrunde mit der proppenvollen Riesenarena in Köln gelang die Fortführung in Berlin, das Team zeigte Spiele wie gegen Topfavorit Griechenland, die in Erinnerung bleiben werden. Was sonst von dieser EM bleiben wird? Zuvorderst die Begeisterung, die von den Spielern entfacht wurde, der Teamspirit, das inspirierende Spiel, die Typen: Der knorrige Trainer Gordon Herbert, dem es in kürzester Vorbereitungszeit gelungen ist, diese wunderbare Einheit zu formen.

Der Anführer Dennis Schröder, der vielen als nicht mannschaftstauglich galt und das Gegenteil bewiesen hat. Die Entdeckung Franz Wagner, der mit seinem Charme die Basketballnation bezauberte. Und all die anderen, die auf und neben dem Spielfeld ihren Teil zum Gelingen beitrugen. Das war die größte Qualität dieser Gruppe: ihr Zusammenhalt und der Wille, sich dem großen Ganzen unterzuordnen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben die Begeisterung, die von der Mannschaft ausgelöst wurde, verschlafen

Alles gut? Dieses Team hat jedenfalls für seinen Sport hierzulande etwas in Gang gesetzt. Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes, sprach von einem Hype. Die Mannschaft hat vorgelegt, in bester Manier, die Vorlage wurde aber keineswegs optimal verwertet. Rechteinhaber Telekom hat mit seinem Pay-TV-Sender Magentasport zwar sehr gute Arbeit geleistet, die Spiele der deutschen Mannschaft kostenfrei gestreamt, was mehr als zehn Millionen Zuschauer sehen wollten, wie Magenta mitteilt. Der Sender fördert und befördert den Basketball in Deutschland seit Jahren, es ist aber ein Streamingdienst, man braucht ein Abo.

Immerhin ist RTL vom Viertelfinale an auf den Zug aufgesprungen und hat in der Spitze 3,8 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme gelockt, eine gute Zahl für diesen Sport. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben diese Entwicklung verschlafen, was der Sache sicherlich einen größeren Schub versetzt hätte. Bis 2017, der letzten EM vor dem aktuellen Turnier, wurde regelmäßig übertragen, aber schwache Quoten und überschaubare Erfolge führten zum Ausstieg. Auch das gehört zur Wahrheit.

Basketballboss Weiss hat das nach den ersten Siegen mit kräftigen Worten kritisiert, was nichts geändert hat. Vielleicht auch deshalb. Es blieb bei Schnipseln in Nachrichtensendungen, Magazinen und der "Sportschau", einzelne Spiele wurden - gestreamt! Auch die Werbung vor und während der EM blieb überschaubar, in Köln wehten auf der Deutzer Brücke ein paar EM-Fahnen, danach: nichts. In Berlin war nicht einmal auf dem Platz vor der Halle zu erahnen, was da in der Arena stattfindet.

Die Chance, den Basketball etwas vehementer ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren, wurde verpasst, sehenswert war es allemal. Wenn die Kräfte nicht gebündelt werden, bleibt der Basketball in seiner Blase, für einen Bobele-Effekt taugt die Sportart ohnehin nicht.

Für Marco Baldi, der als Geschäftsführer des erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Vereins Alba Berlin den Kampf um Aufmerksamkeit seit Jahrzehnten kämpft, ist das nicht überraschend. Er glaube ohnehin nicht an den von diesem Turnier erhofften "Big-Bang-Effekt", man könne noch so viele Fahnen im Wind wehen lassen oder Plakate aufhängen. Die einzigen Mittel, etwas zu ändern, seien Beharrlichkeit und Kontinuität.

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