Natürlich sind Alex Mumbru und Armin Andres über den großen Teich gejettet, um Isaiah Hartenstein für die Basketball-Europameisterschaft (27. August bis 14. September in Lettland, Finnland, Zypern und Polen) zu begeistern. Nachdem der Center mit den Oklahoma City Thunder als zweiter Deutscher nach Dirk Nowitzki (2011 mit den Dallas Mavericks) den NBA-Titel gewonnen hat, macht ihn das für das Nationalteam selbstverständlich noch interessanter. Folglich blieben der Basketball-Bundestrainer und der Vizepräsident des Deutschen Basketball Bunds (DBB), der für die Männer-Nationalmannschaft verantwortlich zeichnet, dran: Andres habe mehrmals mit Hartenstein per Whatsapp geschrieben, Mumbru immer wieder mit dem 27-Jährigen telefoniert.
Grundsätzlich habe Hartenstein Bereitschaft signalisiert, zuletzt aber eingeworfen, dass er noch ein paar Medizinchecks absolvieren wolle. Er wolle sichergehen, dass sein Körper nach der fordernden NBA-Saison auch die Strapazen eines EM-Turniers schadlos überstehen kann. Ausgang offen. Eine Entscheidung stehe kurz bevor, schließlich „müssen wir den Kader nominieren“, so Andres. Zuversicht klingt anders.
Auch Hartensteins Ansage, Olympia spielen zu wollen, die EM aber unter Vorbehalt, stieß nicht auf ungeteilte Begeisterung. Der damalige Nationaltrainer Gordon Herbert jedenfalls hatte in Paris auf den Center verzichtet. Das deutsche Team gewann ohne ihn bei der vergangenen Heim-EM in Berlin Bronze, wurde ein Jahr später Weltmeister und dann eben Vierter bei den Spielen in Frankreich.
Sollte Hartenstein absagen, könnte Ariel Hukportie von den New York Knicks eine Alternative sein
Sollte Hartenstein passen, wofür es einige Indizien gibt, gäbe es interessante Alternativen, wie Andres sagt. Ariel Hukportie, 23, von den New York Knicks etwa: „Er ist 2,13 Meter groß und sehr physisch und auch einer, der unter dem Korb aufräumen kann.“
Oder Dylan Osetkowski, der ebenfalls auf den großen Positionen zu Hause ist, zumal Nick Weiler-Babb nach einer langen und harten Saison für den FC Bayern wohl auf die EM verzichten wird. Dem Spielmacher waren in den BBL-Playoffs beim Meisterschaftsgewinn die Strapazen deutlich anzusehen, zudem wurde der 29-Jährige zum zweiten Mal Vater und hat einen Umzug von München nach Istanbul vor sich, wo er sich Anadolu Efes anschließen wird. Osetkowski ist wie Weiler-Babb eingebürgert und könnte dessen Position einnehmen, nur ein „neutralisierter“ Spieler ist zugelassen, wie Andres erklärt.
Ansonsten dürfte die EM eine Art Klassentreffen werden, neben Niels Giffey, der seine Karriere beendet hat, wird nur Moritz Wagner fehlen, für den ein Einsatz nach seinem Kreuzbandriss noch zu früh kommt. Die Anführer Dennis Schröder und Franz Wagner haben fest zugesagt, auch Daniel Theis wird laut Andres nach seinen Knieproblemen rechtzeitig fit. Der Kern der Bundesligaspieler um Johannes Voigtmann, Justus Hollatz und Andreas Obst ist ebenfalls dabei, was auch für Maodo Lo gilt. Der Spielmacher hatte in der abgelaufenen Saison zwar einige Verletzungen auszukurieren, sei nun aber voller Tatendrang, so Andres. Zumal seine Einsatzzeiten bei Olympia unter Trainer Herbert eher überschaubar blieben. Lo wird zudem in der kommenden Saison für ein neues Euroleague-Team auflaufen, er hat seinen Abschied aus Paris bereits verkündet. Als neuer Adressat ist Zalgiris Kaunas im Gespräch. Mumbru aber setzt auf den 32-Jährigen. Wie auch auf Johannes Thiemann, der aus dem japanischen Gunma einfliegen wird, was er schon bei den Qualifikationsspielen praktizierte.
Das Ziel ist ambitioniert und klar kommuniziert: Platz vier bei Olympia wurde als Enttäuschung gewertet; in Riga, wo die Endrunde stattfindet, soll es wieder eine Medaille sein.

