Im EM-Spiel des Gastgebers Finnland am Freitagabend gegen Großbritannien sind Lauri Markkanen 43 Punkte gelungen, und es wurde darauf verwiesen, dass Dirk Nowitzki bei einer Basketball-EM einmal genauso oft getroffen hatte. Es handelt sich dabei um Momentaufnahmen von Einzelspielern, die besonders viel Verantwortung übernehmen, weil sie nicht selten eine Klasse besser spielen als der Rest der Mannschaft. Die deutsche Nationalmannschaft hingegen hat diese Nowitzki-Ära längst hinter sich gelassen: Sie ist jetzt ein Team, in dem jeder seine Rolle gefunden hat, und keine davon ist unbedeutend.
Das stellte der Weltmeister am Samstag gegen Litauen unter Beweis. Zwar erzielten Dennis Schröder und Franz Wagner, die üblichen Verdächtigen, beim 107:88 gegen Litauen die meisten Punkte (26 der eine, 24 der andere). Doch dahinter folgte schon Center Daniel Theis mit 23 Punkten bei deutlich weniger Einsatzminuten. „Wir wissen, dass die beiden ihr Ding sowieso machen“, sagte Theis im Sender Magentasport über die beiden Kollegen, zu zweit auf dem Court seien sie gar nicht richtig zu verteidigen. Aber: „Wir haben so eine Tiefe im Kader, wir haben so viel Vertrauen“ ineinander, sagte er, dass die Chefs bedingungslos unterstützt würden. An diesem Tag eben besonders von dem 33-jährigen Theis, der seinen großen Moment mit einem Monster-Block in der 31. Spielminute hatte. Danach klopfte er sich selbstbewusst auf die Brust.

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Führungsspieler Schröder, der gemeinsam mit Theis in Braunschweig groß geworden war, freute sich über dessen Leistung: „Er hat uns heute gerettet“, sagte er; auch wenn das angesichts des gesamten Teamauftritts vielleicht ein wenig übertrieben war. „Jeder kennt seine Rolle, es ist einfach geil, mit denen zu spielen“, fügte Schröder an. Und bei diesem klaren Sieg über Litauen, den wohl stärksten Gegner in der Vorrunde, war er auch von der Atmosphäre in der Halle in Tampere angetan.
Der Rassismus-Vorfall beschäftigt auch Litauens Verband
Er sprach aber auch ein Thema an, das er nicht verschweigen wollte. Die litauischen Fans hätten Affengeräusche gemacht, als die Mannschaft zur Pause in die Kabine ging, sagte Schröder. Der Sender Magentasport berichtete, dass einige litauische Fans der Halle verwiesen worden seien. „Das ist eine Sache, die ich nicht akzeptieren kann: Rassismus auf dieser Welt. Das sollte nicht hierhin gehören. Ich kriege das zum ersten Mal mit bei den Litauern. Das macht mich traurig“, erklärte Schröder.
Seine Familie saß, wie so oft, in der ersten Reihe, Schröders Kinder dürften die rassistischen Äußerungen mitbekommen haben. „Wenn es mal hitzig wird, ist es okay“, erklärte Schröder mit ruhiger Stimme: „Ich komme auch mit Beleidigungen aller Art klar. Aber Affengeräusche kann ich nicht akzeptieren.“
Litauens Spieler hätten sich später bei Schröder entschuldigt, meldeten die Agenturen. Der Verband Litauens bedauerte die Vorfälle. „Wir möchten eine klare Botschaft senden: Dies ist für uns völlig inakzeptabel und verstößt sowohl gegen die Werte des Basketballs als auch gegen die Werte in unserer Gesellschaft“, hieß es.
Während der Partie hatte sich Schröder nichts anmerken lassen, auch Interims-Chefcoach Alan Ibrahimagic erwähnte die Vorfälle unmittelbar nach dem Spielende nicht, er nahm nur zum Spiel Stellung: „Das war auf jeden Fall eine sehr, sehr gute Leistung“ sagte er und hob die wenigen Ballverluste hervor (sieben gegenüber 18 der Litauer). Jedoch sei „der Job nicht vorbei“. Das deutsche Team will Gruppenerster werden. Die Finnen mit 43-Punkte-Werfer Markkanen sind noch ein ernst zu nehmender Gegner. Im nächsten Spiel gegen Großbritannien am Montag dürften allerdings einige Stammspieler weniger Einsatzzeit bekommen als bisher.
Drittes Spiel, zum dritten Mal mehr als 100 Punkte
Wenn die bisherigen Gegner versucht hatten, Tempo aus dem Spiel zu nehmen, so traf das deutsche Team diesmal auf eine Mannschaft, die im höchsten Tempo mitspielen wollte – phasenweise auch recht erfolgreich. Das erste Viertel geriet geradezu spektakulär. Allerdings fehlte den Litauern die Kadertiefe, und als Center Jonas Valanciunas in der 13. Spielminute schon sein drittes Foul verbuchte (nach dem fünften erfolgt ein Spielausschluss), konnten sie den Rückstand nur noch selten einstellig halten. Gleichzeitig dürfte der FC Bayern erfreut zur Kenntnis genommen haben, wie viel Verantwortung der litauische Aufbauspieler Rokas Jokubaitis übernahm; er wird in vier Wochen im Dress der Münchner spielen. Gegen Deutschland kam Jokubaitis auf 20 Punkte und sieben Assists.
Die Tatsache, dass die DBB-Auswahl des erkrankten Cheftrainers Alex Mumbru im dritten Spiel zum dritten Mal mehr als 100 Punkte erzielte, ist angesichts ihrer offensiven Wucht kaum noch überraschend. Interessant war, dass das Team diese Partie mit konzentrierter Verteidigung und in unerbittlichem Tempo zu Ende spielte, obwohl mehrere Profis wie Theis körperliche Probleme plagen. Deutschland spielt sich gerade in eine Favoritenrolle hinein und kann gut damit leben.

