Süddeutsche Zeitung

Basketball-EM:Tatsächlich im Halbfinale

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Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft zeigt beim 107:96 gegen den Favoriten Griechenland eine überragende Leistung - und trifft nun auf Spanien. Giannis Antetokounmpo fliegt vom Feld.

Von Ralf Tögel, Berlin

Ein bisschen ungläubig blickte Gordon Herbert dann doch drein, nachdem die Schlusssirene das Viertelfinale zwischen Deutschland und Griechenland beendet hatte: Die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds (DBB) schlug den hohen Favoriten mit 107:96 und steht am Freitag tatsächlich im Halbfinale gegen Weltmeister Spanien.

Die wichtigste Frage war ja, ob das Sprunggelenk von Franz Wagner so schnell wieder hergestellt werden kann, dass er nach seiner Verletzung aus dem Achtelfinale würde mitwirken können. Die gute Nachricht: Der Knöchel der Basketball-Nation hielt. Auch Abwehrspezialist Nick Weiler-Babb, der sich gegen Ungarn an der Schulter verletzt hatte, sowie Co-Kapitän Johannes Voigtmann, den zuletzt eine Erkältung plagte, waren dabei - Wagner und Voigtmann standen sogar in der Startformation.

Und es gab noch eine wichtige Frage: Wie kann man Giannis Antetokounmpo stoppen, seines Zeichens zweimal bester Spieler der NBA? Die so einfache Antwort: gar nicht. Gordon Herbert hatte als erste Devise ausgegeben, ihn wenigstens "vom Korb wegzuhalten". Nicht so leicht, der 2,11 Meter große Flügelspieler ist nicht nur extrem athletisch, er ist auch noch beweglich und flink - und zudem ein furchteinflößender Verteidiger.

Trotz aller Bemühungen hatte Antetokounmpo schon zur Halbzeit 19 seiner letztlich 31 Zähler gesammelt. Noch beeindruckender war indes die Vorstellung der deutschen Mannschaft: Dennis Schröder fand genau zum richtigen Zeitpunkt Sicherheit in seinem Distanzwurf, war in seinem Zug zum Korb kaum zu bremsen und mit 26 Punkten auch Topscorer. Dreier-Spezialist Andreas Obst traf mit enormer Präzision (19 Punkte), und Wagner bestätigte, Knöchel hin, Knöchel her, seine große Klasse (19). Zudem trafen Daniel Theis (13) und Johannes Thiemann (10) zweistellig.

Giannis Antetokounmpo stemmt sich derart ungestüm gegen die Niederlage, dass er vom Feld fliegt

Es entwickelte sich eine mitreißende Partie, dieses Viertelfinale war das beste Spiel bei dieser hochkarätig wie nie besetzten EM. Es war fürs Publikum in Berlin schlichtweg begeisternd, wie NBA-Profis und europäische Topspieler die Bälle mit Wucht in die Körbe stopften, Zauberpässe spielten, Distanzwürfe präzise abfeuerten oder mit enormer Energie verteidigten. Die Gastgeber waren dabei von Beginn an stets einen Tick besser, bis - natürlich - Antetokounmpo mit zwei Freiwürfen Hellas erstmals in Führung brachte (17. Minute, 46:44). Aber die deutsche Auswahl blieb dran, führte wieder (57:54), ehe Euroleague-Veteran Kostas Sloukas einen Dreier von der Mittellinie mit der Sirene zur 61:57-Halbzeitführung für die Griechen versenkte.

Was das deutsche Team zu reizen schien: Nach der Pause legte die Mannschaft von Herbert richtig los und holte sich nicht nur das Momentum zurück, sondern rollte mit 26:10 Punkten über das in diesem Turnier bis dato einzige ungeschlagene Team hinweg: Vor dem letzten Viertel führte Deutschland zweistellig (83:71). Das Spiel blieb auch in den letzten zehn Minuten vor 14073 begeisterten Zuschauern in der erstmals ausverkauften Berliner Arena hochklassig und nervenaufreibend.

Die Griechen stemmten sich mit aller Macht gegen das Turnier-Aus, Antetokounmpo derart ungestüm, dass er für sein zweites unsportliches Foul fünf Minuten vor dem Ende vom Feld flog. Die DBB-Auswahl hatte sich da schon längst in einen Rausch gespielt, und Schröder stellte Chancengleichheit her, als er wegen seines zweiten technischen Fouls ebenfalls vorzeitig in die Kabine musste. Am auch in dieser Höhe verdienten Sieg änderte das nichts mehr.

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