Deutsche Basketballer vor der EMWeltmeister können nur ein Ziel haben: Europameister werden

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Neuer Coach, zwei Weltmeister, ein Ziel: Franz Wagner, Bundestrainer Alex Mumbru und Johannes Voigtmann (v.l.) peilen eine EM-Medaille an.
Neuer Coach, zwei Weltmeister, ein Ziel: Franz Wagner, Bundestrainer Alex Mumbru und Johannes Voigtmann (v.l.) peilen eine EM-Medaille an. Sven Hoppe/dpa
  • Die deutschen Basketballer starten als Weltmeister in die EM-Vorbereitung mit dem Ziel, auch Europameister zu werden.
  • Der neue spanische Bundestrainer Alex Mumbru übernimmt ein Team mit zehn Weltmeistern im vorläufigen 16er-Kader und will an die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers anknüpfen.
  • Die EM-Vorrunde findet in Tampere statt, wo Deutschland auf Montenegro, Schweden, Litauen, Großbritannien und Finnland trifft. Bei einem Gruppensieg könnte man starken Gegnern wie Serbien aus dem Weg gehen.
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Die deutschen Basketballer starten mit einem Treffen in München in den EM-Sommer, der neue Bundestrainer und NBA-Profi Franz Wagner untermauern die Ambitionen – aber lässt sich der größtmögliche Erfolg überhaupt wiederholen?

Von Jonas Beckenkamp

Das Aufgebot war stattlich im Keller des Leonardo Royal, ein Hotel im Münchner Norden, auch wenn einer fehlte: Dennis Schröder schaffte es „aufgrund einer unverschuldet verspäteten Anreise“ nicht, wie der Deutsche Basketballbund (DBB) zunächst mitteilte. Der wichtigste Mann ein Opfer des Staus am Mittleren Ring? Nicht ganz, wie sich herausstellte: Bei ihm waren just im Moment der Abreise zum DBB-Treffpunkt Dopingkontrolleure aufgetaucht, wie er selbst via Instagram offenbarte. Kann man nichts machen. Aber auch so hatte der Verband eine Delegation auf ein Podium beordert, die schon fast als Startformation für die Europameisterschaft in diesem Spätsommer (27.8. bis 14.9.) gelten konnte. Das Flair aus der US-Profiliga NBA verströmte Franz Wagner, dazu gesellte sich mit Johannes Voigtmann der Co-Kapitän des DBB-Teams – und schließlich fand sich auch 2,02-Meter-Mann Alex Mumbru zu diesem Gesprächstermin ein.

Mumbru? Wer bei diesem Namen erst mal Chat-GPT konsultiert, dürfte nicht allein sein, der 46-Jährige ist ein Fall für Aficionados. So gesehen diente dieser Aufgalopp auch als Realitätscheck: Der Bundestrainer heißt längst nicht mehr Gordon Herbert. Dessen Stelle hat vor knapp einem Jahr der Spanier Mumbru übernommen, er leitet damit jene Mannschaft an, die immer noch Weltmeister ist. Und wenn Weltmeister in die EM-Vorbereitung starten, kann es eigentlich nur ein Ziel geben: den Titel des Europameisters, den Deutschland zuletzt 1993 gewann, bezeichnenderweise in der Münchner Olympiahalle gleich ums Eck. Der damalige Triumph galt im Vorfeld als so wahrscheinlich wie jener von Otto Rehhagels Griechen im Fußball – im Gegensatz zu heute. Da firmieren die langen DBB-Kerle ja zudem als EM-Dritter.

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Spätestens seit den WM-Tagen von Manila von 2023 ist Basketball aus Deutschland bekanntlich eine „mad sexy“ Angelegenheit, wie Moritz Wagner es damals ausdrückte. Eine Fülle an Talent, ein Team mit gesundem Geist und Zusammenhalt und ein paar Fügungen zum richtigen Zeitpunkt – das alles brachte eine Entwicklung zum Höhepunkt, an der neben Schröder, 31 auch Moritz’ Bruder Franz, 23, ballführend beteiligt waren. Und jetzt, knapp zwei Jahre später? Soll beginnend mit einem Trainingslager in Malaga von diesem Mittwoch an ein ähnlicher Ritt gelingen, mit ähnlichen Gesichtern.

Insgesamt zehn Weltmeister bilden den Kern des vorläufigen 16er-Kaders, aus dem in den kommenden Wochen noch vier Namen gestrichen werden.  Spielort der deutschen EM-Vorrundengruppe ist die finnische Saunametropole Tampere, danach stünde eine Finalrunde in der lettischen Hauptstadt Riga an. Der Weg dorthin führt über die Gruppengegner Montenegro, Schweden, Litauen, Großbritannien und Finnland. Alles machbar, bei den deutschen Ansprüchen ist sogar der Gruppensieg anzupeilen, um möglicherweise den starken Serben um NBA-Zirkuskünstler Nikola Jokic aus dem Weg zu gehen. Aber genau das ist der Punkt: Wie umgehen mit den riesigen Erwartungen? Mumbru fand: „Wir arbeiten daran, jetzt unsere Bestform zu erreichen.“

„Es ist ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass der Trainer mal selbst auf höchstem Niveau gespielt hat“, sagt Franz Wagner

Und wie umgehen mit einem immer wiederkehrenden Thema dieses Nationalteams: Commitment, also einem vereinten Nukleus an Spielern über mehrere Jahre? Dieses vom Weltmeister-Coach Herbert initiierte Dogma gilt vielen im Verband als große Errungenschaft – besonders Schröder, zuletzt deutscher Fahnenträger bei Olympia, vertritt es leidenschaftlich. Auch Mumbru scheint ein Interesse daran zu haben, nicht jeden Sommer alle neu kennenlernen zu müssen, seine Arbeit fuße durchaus auf einem gewissen „Respekt vor der Vergangenheit“, wie er offenlegte. Gemeint waren die Erfolge unter Herbert, aber eben auch die von seinem Vorgänger implementierte Kultur: Wer nur alle paar Jahre mal reinschnuppern will, wird es weiterhin schwer haben. Und wer, wie jüngst NBA-Champion Isaiah Hartenstein, verletzt ist, eventuell auch. Es gelte, die „Chemie“ nicht zu zerstören, wie Mumbru meinte. Dann sei „eine Medaille“ bei der EM das „klare Ziel“.

Eine Revolution ist also nicht zu erwarten, aber die braucht es vielleicht auch nicht bei Basketballern, die größtenteils schon gelernt haben, wie man gewinnt. Bei Spielern wie Voigtmann, der froh ist, dass der „Kern des Teams beisammen gehalten wurde“. Anpassungen wird es trotzdem geben. Man wolle in der Offensive mehr ins Laufen kommen, „es braucht mehr Tempo“, und er habe schon Ideen für seinen Stil, sagte Mumbru, der als Spieler selbst Welt- und Europameister war. Dass die Mannschaft bereit ist, seine Vorstellungen umzusetzen, bestätigte Franz Wagner. „Es ist ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass der Trainer mal selbst auf höchstem Niveau gespielt hat.“ Das klang fast ehrfürchtig, obwohl der NBA-Mann aus Orlando einräumte, dass er noch kein einziges Training unter diesem Bundestrainer bestritten hat. Eine Tatsache, die auch auf Schröder zutrifft, den diesmal noch verhinderten Capitano. Aber der EM-Sommer beginnt ja gerade erst.

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