Dubais BasketballerNeue Heimat Sarajevo

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In die Münchner Arena war Dubai Basketball nicht etwa aus Dubai angereist.
In die Münchner Arena war Dubai Basketball nicht etwa aus Dubai angereist. Wolfgang Fehrmann/HMB-Media/Imago

Wegen des Krieges im Nahen Osten tragen Dubais Basketballer ihre Euroleague-Heimspiele in der bosnischen Hauptstadt aus – und fühlen sich dort offensichtlich wohl.

Von Samuel Schötz und Sebastian Winter

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Am Ende leuchtete ein 87:74-Sieg auf der Anzeigetafel des SAP Garden. Allerdings nicht für die Heimmannschaft, den FC Bayern München, sondern für den Gegner. Es war also ein vergleichsweise entspannter Euroleague-Abend vor nur 8726 Zuschauern, den Dubais Basketballer in der Fremde erlebt hatten. Ihre realistischen Chancen auf die Playoffs hat er jedenfalls nicht geschmälert. Es war zugleich ihr erster Auftritt in München, nachdem sie per Wildcard im vergangenen Sommer in den höchsten europäischen Klubwettbewerb aufgestiegen waren.

Die Spieler verbrachten die Nacht auf Freitag noch in der Stadt, dann reisten sie zurück in ihre neue Heimat: nach Sarajevo. Ihr Trainer Jurica Golemac sagte: „Wir haben die Möglichkeit, dort zu spielen und zu trainieren, wir haben die Fans im Rücken. Wir sind dankbar dafür und hoffen zugleich, dass das so schnell wie möglich aufhört und wir nach Hause kommen können.“ Nach Hause, nach Dubai.

Der Krieg solle bald aufhören, das meinte Golemac. Der Sport tritt seit drei Wochen auch für seinen Klub in den Hintergrund. Denn der Krieg Israels und der USA in Iran hat längst auf den gesamten Nahen Osten übergegriffen. Immer wieder wurden auch über Dubai Raketen und Drohnen aus Iran abgeschossen, der Flughafen wurde beschädigt, bei der Explosion dort starb Anfang März ein Mensch, es gab mehrere Verletzte. Der Hafen wurde getroffen, die weltberühmte Palmeninsel auch. Zudem beschädigten Trümmerteile einer Drohne das Luxushotel Burj Al Arab. Urlauber saßen tagelang in ihren Hotels fest und konnten nicht ausreisen. Undenkbar, dass in dieser Situation in der Coca-Cola-Arena Basketball gespielt würde, dem 18 000-Zuschauer-Koloss im Herzen der Stadt, nahe der Oper, dem Ritz-Carlton und dem 828 Meter hohen Burj Khalifa.

Zum ersten „Heimspiel“ in Sarajevo kamen mehr als 5000 Zuschauer

Die Euroleague verkündete am 4. März, die in der Krisenregion beheimateten Klubs temporär umzusiedeln für die Heimspiele, so wie sie das in der jüngeren Vergangenheit auch für die israelischen Vereine während des Gaza-Kriegs getan hatte. Maccabi Tel Aviv trägt seine Heimspiele aktuell in Belgrad aus, wie auch Hapoel Jerusalem, Hapoel Tel Aviv spielt in Sofia. Und Dubai ist seither in Sarajevo untergekommen. Keine schlechte Wahl, wenn man bedenkt, dass mehrere bosnische Nationalspieler für Dubai spielen, unter ihnen Dzanan Musa, der gegen die Bayern elf Punkte erzielte, und Kenan Kamenjas. Drei Serben stehen auch noch im Kader, fünf US-Amerikaner und zwei Slowenen, samt Trainer Golemac. „Es ist toll für uns, hier zu sein“, sagte Musa, „Sarajevo fühlt sich so an wie ein zweites Zuhause“. Oder gar nach mehr? Immerhin stammt kein Spieler des Klubs aus Dubai oder der Region.

Zum ersten „Heimspiel“ in der Zetra Arena kamen am 12. März gegen Vitoria-Gasteiz immerhin 5250 Zuschauer, mehr als am 26. April zur letzten regulären Heimpartie in Dubai gegen Villeurbanne zwei Tage vor Kriegsbeginn. Dennoch dürfte der Gründer des Klubs, der in Dubai geborene Geschäftsmann Abdulla Saeed Juma Al Naboodah, ein großes Interesse an einer schnellen Rückkehr ins Emirat haben.

McKinley Wright IV ist einer von fünf Basketballspielern aus den Vereinigten Staaten, die in Dubai unter Vertrag stehen.
McKinley Wright IV ist einer von fünf Basketballspielern aus den Vereinigten Staaten, die in Dubai unter Vertrag stehen. Wolfgang Fehrmann/HMB-Media/Imago

Al Naboodah gründete Dubai Basketball 2023 zusammen mit Dejan Kamenjasevic, im Mai 2024 spielte der Klub bereits in der länderübergreifenden Adriatischen Basketballliga ABA, in die er sich per Teilnahmegebühr einkaufte. Im Juni 2024 wurde Golemac als Coach verpflichtet, ein Jahr später erhielt Dubai von der Euroleague eine Wildcard über den üppigen Zeitraum von fünf Jahren. Es ist eine Win-win-Situation: Dubai will nicht nur Basketball spielen, sondern sieht seine Mannschaft auch als Marketing-Instrument, um sein Land der Welt – und dem Geld – weiter zu öffnen. Und die privatwirtschaftlich organisierte Euroleague mit ihren Klubs als Anteilseignern kann die Petrodollars aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gut gebrauchen. Zumal es weiter Gerüchte gibt, dass die NBA die Euroleague bald mit einem Europa-Ableger ausstechen will.

Das Projekt rief auch viel Kritik hervor, Dubai wird von nicht wenigen als Retorten-Klub gesehen. Andererseits sagte Bayerns Nationalspieler Justus Hollatz nach der Niederlage am Donnerstag: „So viel Kritik auch war: Sie spielen guten Basketball, kämpfen in ihrem ersten Jahr um die Playoffs. Das ist positiv.“

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind jedenfalls auch in die Welt des Basketballs eingestiegen, nachdem sie Tennis, Fußball (Manchester City), Schach oder die Formel 1 für sich entdeckt hatten. 2025 richtete Abu Dhabi das Final-Four-Turnier der Euroleague aus.  Man will auch ein Zeichen an konkurrierende Golfstaaten setzen, wie an Saudi-Arabien, das mit der LIV-Tour im Golfsport Milliarden umsetzt, oder Katar mit seinen Weltmeisterschaften im Fußball und Handball. Nun ruht der Sport in der Region, auch die Rennwagen fahren nicht, die Formel-1-Rennen sind abgesagt.

Wann sich daran etwas ändert, ist schwer absehbar. Aber Hollatz sagte noch ein paar Sätze, die so stehen bleiben können: „An erster Stelle steht, dass es den Jungs gut geht. Ich hatte auch Freunde in Dubai, die festsaßen. Ich hoffe, dass sich die Situation bald beruhigt, dass sie wieder zu Hause spielen können. Denn ich kann mir nicht vorstellen, aus München wegzumüssen, weil Krieg ist. Respekt, dass sie das so ausblenden können.“

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