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NBA:Dennis Schröder - Kleiner Schlaks mit großer Klappe

Detroit Pistons at Atlanta Hawks

Auf jeden Fall gut genug für die NBA: Dennis Schröder.

(Foto: dpa)

Die Atlanta Hawks stehen vor dem Playoff-Aus in der NBA - trotz, aber auch wegen der Leistung des jungen Deutschen.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Es lief die Schlussphase im ersten Spiel der Playoff-Serie zwischen den Cleveland Cavaliers und den Atlanta Hawks, als Dennis Schröder feststellen musste, welch enge Verwandte Glanz und Elend doch häufig sind. Gerade noch war der junge Heißsporn mit dem blonden Tupfer im dunklen Haar energisch an LeBron James vorbeigezogen und hatte den Basketball zum 86:86-Ausgleich in den Korb gelegt. Es waren die Punkte 26 und 27 für ihn, keiner der anderen 22 Mitwirkenden konnte eine solche Ausbeute vorweisen, nicht einmal James, der wohl beste Basketballer des Planeten. Noch nie hatte Schröder in einem Playoff-Match so viel gepunktet.

Und doch war kurz darauf alles vorbei. Binnen 67 Sekunden verlor der deutsche Nachwuchsstar den Ball gleich zweimal an James, die Cavaliers zogen auf und davon, Minuten später war Atlanta mit 104:93 besiegt - trotz, ein bisschen aber auch wegen Schröders Leistung.

27-Punkte-Show

Das ständige Auf und Ab, es kennzeichnet auch das dritte Jahr dieses so frechen und talentierten wie unverschämten, mit 22 Jahren immer noch so jungen Braunschweigers in der US-Profi-Liga NBA. 0:3 liegen seine Hawks im Ostküsten-Halbfinale mittlerweile hinten, ob ihre Reise wie schon im Vorjahr abrupt endet, wird sich womöglich schon im vierten Aufeinandertreffen mit Cleveland an diesem Sonntagabend entscheiden. Und auch Schröders persönliche Playoff-Bilanz ist noch nicht geschrieben, denn auf die 27-Punkte-Show am Dienstag folgten in den Spielen zwei und drei am Donnerstag und Samstag ein eher mäßiger und ein höchstens ordentlicher Auftritt.

Und doch, betrachtet man die gesamte Saison und lässt den Ausgang der Ausscheidungsrunde einmal außen vor, dann steht trotz aller Leistungsschwankungen fest: Dennis Schröder ist in der NBA angekommen. Die Grundsatzfrage, ob der kleine Schlaks mit der großen Klappe gut genug ist für diese Liga - er hat sie beantwortet.

Sein arrogantes Image ist ein Schutzpanzer

Dass es so kommen musste, war keineswegs ausgemacht, denn der Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters lungerte als Jugendlicher lieber mit Freunden und seinem Skateboard im Park herum als in der Basketballhalle und im Kraftraum zu trainieren. Erst mit 16, als sein Vater überraschend starb, schwor er sich, es in die NBA zu schaffen. "Ich habe es ihm versprochen", hat Schröder später oft erzählt.

Aus dem lässigen Skateboarder wurde beinahe über Nacht ein Besessener, den man auch heute noch nach Mitternacht und vor Sonnenaufgang in der Halle antreffen kann. Dass er das Image des arroganten Schnösels noch immer nicht ganz loswird, ist manch unklugen Äußerungen geschuldet, die sein großes Selbstbewusstsein als pfauenhaftes Stolzieren erscheinen lassen. Doch vielleicht ist die vermeintliche Arroganz auch ein Schutzpanzer, den er sich seit seiner Kindheit angelegt hat. "Alle Menschen um mich herum waren weiß. Wenn ich rein kam, sagte niemand meinen Namen, alle tuschelten nur: ,Er ist schwarz'", hat sich Schröder jüngst in der Slam, dem wichtigsten Basketballmagazin der USA, erinnert. "Es war schrecklich."

Wie ein Außenseiter sieht Schröder heute nicht mehr aus, eher wie der Prototyp des US-Basketballers: großflächige Tattoos auf den muskulösen Oberarmen, Brillies am und Minilautsprecher im Ohr. Nur der blonde Haartupfer sticht heraus - ein Kompromiss zwischen seinen eigenen Vorstellungen und denen seiner Mutter, die sich gewünscht hatte, dass er die Haare komplett hell färbt.

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