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Basketball:Der Weg zurück

06.11.2020 - Basketball - Saison 2020 2021 - 2. Bundesliga Pro-A - 4. Spieltag: Nürnberg Falcons Basketball Club NBC - P

Das Spiel der Ansteckung: Bei dieser Partie der Falcons (im Bild Moritz Sanders, Mi.) war ein Hagener Spieler hochinfektiös. Foto:

(Foto: Oliver Gold / Sportfoto Zink / imago)

Die Nürnberger Basketballer kämpfen nach Corona-Erkrankungen mit den Nachwirkungen.

Von Sebastian Leisgang

Vergangene Woche hat Ralph Junge einen Test gemacht, den man durchaus als Corona-Test durchgehen lassen kann, einen Test aber, der eher im erweiterten Sinne ein Corona-Test war. Junge meldete sich nicht bei einer Behörde, er ließ keinen Abstrich nehmen, und er erhielt später auch keine Nachricht aus einem Labor.

Junge, 51, machte seinen Corona-Test mit einer Zwiebel und einer Zitrone

Jetzt, ein paar Tage später, hustet der Trainer und Geschäftsführer der Nürnberger Zweitliga-Basketballer immer wieder. "Ich kämpfe noch ein bisschen, aber es wird von Tag zu Tag besser", sagt Junge. Sein Arzt habe ihm zwar geraten, zu Hause im Bett zu bleiben; weil er aber mehrere negative Testergebnisse und eine zweiwöchige Quarantäne hinter sich habe, treibe es ihn zurück an den Schreibtisch und in die Trainingshalle. "Auch wenn ich immer noch nichts schmecke", sagt Junge und erzählt dann eine Geschichte, die im Grunde überhaupt nicht lustig ist, Junge beim Erzählen aber amüsiert: Seine Lebensgefährtin habe jeweils eine Zwiebel und eine Zitrone aufgeschnitten und ihn hineinbeißen lassen. "Da habe ich keinen Unterschied geschmeckt", ruft Junge und lacht.

Anfang November, bei einem Heimspiel gegen Hagen, kam das Virus im Nürnberger Mannschaftskreis an, die Chronologie ist inzwischen recht detailliert rekonstruiert worden. Ein Hagener sei hochinfektiös gewesen, sagt Junge, der sich ebenso ansteckte wie elf Spieler und mehrere Funktionäre rund um die Mannschaft. All das ist schon knapp einen Monat her, doch Junge gibt zu: "Wir sind immer noch richtig ausgeknockt. Die Nachwirkungen sind deutlich zu spüren."

"Herzprobleme sind was anderes als Außenbandrisse", sagt Junge

Und doch: Am Montag sind die Nürnberg Falcons mit zehn Spielern in die Trainingshalle zurückgekehrt. Mit deren sechs aus dem angestammten Kader - und, wie Junge sagt, "mit vier Jungen und Veteranen", die die erste Einheit nach rund drei Wochen Pause überhaupt erst ermöglichten. Weil die Infektion die Spieler sehr weit zurückgeworfen hat, sei der Trainingsbetrieb derzeit "eher ambitionierter Breitensport", gesteht Junge. All seine Spieler waren während der Quarantäne nicht in der Lage, sich fitzuhalten, drei sind noch immer positiv, "und die, die wieder trainieren dürfen", sagt Junge, "die haben weder Luft noch Kraft".

Es ist ein äußerst beschwerlicher Weg zurück, den die Nürnberger gerade eingeschlagen haben. Ein Weg, der eine Menge Vorsicht erfordert und auch die Frage aufwirft: Hätte all das nicht verhindert werden können, wenn die zweitklassige Pro A - wie die Bundesliga - regelmäßige Corona-Tests vorschreiben würde?

Junge verneint. Er findet: "Es gibt nie Garantien." Dann skizziert er nochmal den Hergang der Ereignisse. Am Tag vor der ProA-Partie gab es keine Befunde bei den Hagenern, bei Schnelltests waren alle negativ. Dann das Spiel und zwei Tage später, am Sonntag, Symptome bei einem Hagener. "Am Dienstag ist dann auch einer meiner Spieler zu mir gekommen und hat mich informiert, dass er Symptome hat", erzählt Junge.

Aus den Geschehnissen folgert er, dass Tests nur "ein Hilfs-, aber kein Allheilmittel" sind. Der Basketball müsse zwar jedes Hilfsmittel nutzen. Aber: "Tests sind keine Gewähr, dass es keine positiven Fälle mehr gibt. Wir werden nicht ausschließen können, dass ein infizierter Spieler spielt - es geht aber darum, hochinfektiöse Spieler herauszufiltern." Damit das gelingt und der Fall Nürnberg ein Einzelfall bleibt, hat die Pro A inzwischen verpflichtende Schnelltests am Spieltag eingeführt.

Es sind harte Wochen, die hinter den Nürnbergern liegen. Und, auch das ist Junge klar: Es sind harte Wochen, denen sie gerade erst entgegengehen. Junge muss seine Spieler wieder aufbauen und zurück auf ein Niveau führen, auf dem sie konkurrenzfähig sind - er muss dabei aber fürsorglich und höchst behutsam sein, um nicht zu riskieren, dass seine Spieler Spätfolgen davontragen.

"Es ist eine große Herausforderung, das zu steuern", meint Junge. Denn: "Wenn man mit der Lunge Probleme hat, gibt sie Warnsignale ab, man kann dann zum Beispiel nicht mehr richtig atmen. Das Herz gibt keine Warnsignale ab." Eine kurze Pause, ein Husten, dann sagt Junge einen Satz, der im ersten Moment banal klingt, im zweiten aber sehr wohl die potenzielle Tragweite einer Infektion veranschaulicht. Junge sagt: "Herzprobleme sind was anderes als Außenbandrisse."

Ende des Monats, noch vor dem Jahreswechsel, will Nürnberg wieder spielen, das sieht zumindest der derzeitige Plan vor. Im Januar soll Junges Team dann im Drei-Tages-Rhythmus auf dem Parkett stehen. Junge hofft inständig, dass dieser Plan aufgeht, denn das würde bedeuten: Der beschwerliche Weg zurück, er ist geschafft.

© SZ vom 03.12.2020
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