Basketball:Der Pianospieler lebt

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Basketball: Dominierender Spieler bei den Bayern: Paul Zipser am Ball.

Dominierender Spieler bei den Bayern: Paul Zipser am Ball.

(Foto: IMAGO/kolbert-press/Ulrich Gamel/IMAGO/kolbert-press)

Trotz anfänglicher Mühen zieht die Basketballer des FC Bayern in die Pokal-Endrunde ein

Von Christoph Leischwitz

Ganz kurz lachte Lars Masell auf - wie, was, seine Mannschaft soll eine Chance gehabt haben, die Bayern zu bezwingen? Es war eben so, dass Medi Bayreuth am Sonntagabend im Schlussviertel des Pokalspiels einmal bis auf neun Punkte herankam. Aber der Trainer der Oberfranken hatte wohl selbst in diesem Moment keine gesteigerte Hoffnung auf eine Überraschung gehegt. In solchen Basketball-Partien, in denen die Rollen klar verteilt sind, geht es immer vor allem darum zu testen, wie sehr der Favorit gerade Lust hat, angesichts seines wie ein Nikolaussack vollgepackten Terminkalenders sein Potenzial abzurufen, und die Bayreuther testeten, so gut sie konnten. Doch Masell war Realist genug, dass es schon allein aus Gründen der physischen Unterlegenheit nichts zu holen gab für den Außenseiter.

Abgesehen davon, dass die Bayern sich sicherlich keine Blöße geben wollten vor Svetislav Pesic - der Cheftrainer von 2012 bis 2016 war am Sonntagabend mal wieder zu Besuch an seiner alten Wirkungsstätte - so hat die Mannschaft von Andrea Trinchieri nach Startschwierigkeiten mittlerweile so etwas wie Rhythmus gefunden. "Mein Job ist es, nicht zufrieden zu sein", sagte Trinchieri nach dem Spiel zwar. Auch diesmal hätte es möglicherweise das eine oder andere zu bemängeln gegeben, "aber ich werde jetzt nicht auf den Pianospieler schießen". Auf seine Mannschaft also, die offenbar ja auch für seinen Geschmack genug Musik macht. Und ja, einen Fortschritt könne man schon sehen, und das, obwohl ihm weiterhin wichtige Spieler verletzt oder erkrankt fehlen, gegen Bayreuth sogar gleich vier auf der selben Position. Doch der Fluss fließe, zurzeit sogar mit klarem, wohlschmeckendem Wasser - Trinchieri spricht gerne in Bildern.

Fachkräfte sind zahlreich: Die Bayern sind auf allen Position stark besetzt

Die nackten Zahlen: Am vergangenen Freitag sind die Bayern dank eines Sieges gegen Tel Aviv in der Euroleague-Tabelle zumindest schon einmal an Alba Berlin vorbeigezogen, und mit dem 80:63 über Bayreuth hat man jetzt auch das Top Four im nationalen Pokal erreicht, sich also noch mehr Arbeit eingebrockt als ohnehin schon. "Das erste Saisonziel ist eingetütet", freute sich Trinchieri. Das Halbfinale wird Mitte Februar ausgetragen - die Bayern treffen dabei zuerst auf Alba. "Das ist höchstes Niveau", kündigt Trinchieri jetzt schon an, denn neben den beiden Euroleague-Teilnehmern treffen noch Oldenburg und Ludwigsburg aufeinander.

Nun hatten am Sonntag in Vladimir Lucic, Elias Harris, Niels Giffey und Augustine Rubit zwar gleich vier Forwards gefehlt, einer der Verbliebenen erlebte dafür aber einen recht erfolgreichen Abend. "Ich glaube, das hat man zwischendurch auch gesehen", sagte Paul Zipser bei Magentasport auf die Frage, ob er sich denn gut gefühlt habe. Auf 14 Punkte kam der 28-Jährige, einmal versenkte er zwei Dreier innerhalb weniger Sekunden und sorgte so für Ovationen. "Es beginnt, Automatismen zu haben", sagt er über das Zusammenspiel. Man verfüge über einen tiefen Kader, der gegen jeden mithalten und gegen jeden gewinnen könne. Noch dazu verfügen die Bayern nun in Isaac Bonga über einen Spieler, der so flexibel einsetzbar ist, dass bei den Bayern auf keiner Position Fachkräftemangel droht. Pesic übrigens sagte im Interview, Bonga sei früher schon sein Lieblingsspieler gewesen.

Bis Weihnachten stehen noch sieben Spiele auf dem Programm, schon heute Abend geht es mit einem Bundesliga Spitzenspiel gegen Oldenburg weiter (20.30 Uhr, Audi Dome). Der durchaus zufriedene Trinchieri, der offiziell gar nicht zufrieden sein möchte, hofft auf die Rückkehr einiger Forwards: "Ich nehme jeden, der kommt", sagt er, in gespielter Verzweiflung.

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