Basketball Der letzte Meilenstein

Dirk Nowitzki rückt in der NBA-Punkteliste auf Platz sechs vor. Der Würzburger staunt immer noch, in welche Kreise er da vorgedrungen ist.

Von Joachim Mölter, Dallas/München

Das American Airlines Center in Dallas war auch am Montagabend wieder ausverkauft, so wie bei allen Heimspielen der Mavericks in den vergangenen 17 Jahren. Doch diesmal war keiner der 20 276 Besucher gekommen, um einen Sieg der örtlichen Basketballer zu sehen. Alle wollten nur einen einzigen Korb feiern, nämlich den, mit dem Dirk Nowitzki den berühmten Wilt Chamberlain überholen würde in der ewigen Punkteliste der amerikanischen Profiliga NBA. Schon nach rund dreieinhalb Minuten Spielzeit war es soweit: Mit seinem zweiten Wurf und gleichzeitig seinem zweiten Treffer zog Nowitzki vorbei an Chamberlain auf Platz sechs. Es war "wahrscheinlich der letzte große Meilenstein seiner legendären Karriere", ordnete der US-Sportsender ESPN das Ereignis nachher auf seiner Webseite ein. Dirk Nowitzki sagte in der ihm eigenen Lakonie: "Es war gut, die Sache mit den ersten beiden Würfen hinter sich zu bringen."

Typische Pose: Dirk Nowitzki bei einem seiner Würfe.

(Foto: Jerome Miron/USA TODAY Sports)

Der mittlerweile 40 Jahre alte Würzburger, der seine 21. Saison für die Dallas Mavericks bestreitet, musste dann bei der nächsten Auszeit freilich noch eine generelle Würdigung seines Schaffens über sich ergehen lassen: Unter dem Titel "Der Mann, der Mythos, die Legende" flimmerten einige Höhepunkte seiner Laufbahn wie ein Actionfilm über die Videowände.

Schon bei seinem gefeierten Treffer zum zwischenzeitlichen 12:8 gegen die New Orleans Pelicans hatte alles so wunderbar zusammengepasst, als hätte der Regisseur eines Hollywood-Streifens die Szene choreografiert. Luka Doncic, der designierte Nachfolger der Klub-Ikone Nowitzki, gab die Vorlage; Nowitzki nahm den Ball an seiner Lieblingsstelle entgegen, nahe der Freiwurflinie, mit geradem Blick zum Korb - er ließ seinen Gegenspieler Kenrich Williams einen Augenblick im Ungewissen, ob er wirklich werfen würde, dann hob er den Ball über ihn hinweg, "wie ich es schon eine Million Mal gemacht habe", schilderte er später.

Die besten Punktesammler der NBA-Historie

38 387 Kareem Abdul-Jabbar 1969 - 1989

36 928 Karl Malone 1985 - 2004

33 643 Kobe Bryant 1996 - 2016

32 439 LeBron James 2003 -

32 292 Michael Jordan 1984 - 2003

31 424 Dirk Nowitzki 1998 -

31 419 Wilt Chamberlain 1959 - 1973

28 596 Shaquille O'Neal 1992 - 2011

27 409 Moses Malone 1976 - 1995

27 313 Elvin Hayes 1968 - 1984

Obwohl für ihn der Wurf an sich ganz gewöhnlich war, er bloß zwölf Minuten gespielt und dabei auch bloß acht Punkte erzielt hatte, stand Dirk Nowitzki danach im Mittelpunkt. Dass an diesem Abends dem erst 20 Jahre alten Slowenen Doncic mit 29 Punkten, 13 Rebounds und zehn Vorlagen ein sogenanntes Triple-Double gelungen war - eine seltene Ansammlung von zweistelligen Zahlen in drei statistischen Kategorien -, interessierte die Leute ebenso wenig wie der Umstand, dass die Mavericks durch die 125:129-Niederlage nach Verlängerung bereits zwölf Partien vor Schluss die Playoffs verpasst haben.

Dafür musste Dirk Nowitzki immer wieder erzählen, was es ihm bedeutet, Wilt Chamberlain hinter sich gelassen zu haben, den "Big Dipper", wie er genannt wurde, weil er aufgrund seiner Größe (2,16 Meter) den Ball immer in den Korb tunken konnte. "Es ist immer unglaublich, wenn man eine dieser Legenden einholt", sagte Nowitzki und schwärmte über den vor 20 Jahren verstorbenen Ausnahmespieler: "Wie athletisch er war, wie groß er war. Er hat nur 13, 14 Jahre gespielt und steht immer noch da oben. In seiner Ära war Wilt der dominanteste Spieler, den die Liga jemals gesehen hat." Kein anderer NBA-Profi erzielte jedenfalls 100 Punkte in einem Spiel, wie es Chamberlain anno 1962 gelungen war. "Dass man in einer Liste mit solchen Namen steht, ist surreal", staunt Nowitzki immer noch - dabei gehört er selbst längst zu den Legenden der NBA. Luka Doncic war noch nicht geboren, als Nowitzki zum ersten Mal für die Mavericks auflief. Aber er versteht, warum das Publikum die Lebensleistung seines doppelt so alten Teamkollegen auch am Montag mit Ovationen würdigte: "Er verdient alles Gute, das ihm widerfährt."