Basketball:Der Kunstturner ist wieder da

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Basketball: Kein Spaß: Wer den Atem von Leon Radosevic (links) im Nacken spürt, wie hier Tai Webstervon Zalgiris Kaunas, hat ein Problem.

Kein Spaß: Wer den Atem von Leon Radosevic (links) im Nacken spürt, wie hier Tai Webstervon Zalgiris Kaunas, hat ein Problem.

(Foto: Kolbert-Press/imago)

Mit dem Auswärtssieg bei Asvel Villeurbanne unterstreicht der FC Bayern seinen Aufwärtstrend. Auch dank des genesenen Centers Leon Radosevic, der Stabilität zurück in das Spiel bringt.

Von Ralf Tögel

Und dann blockte Leon Radosevic auch noch Youssoupha Fall. Nun ist es ja nicht so, als würde der Center des FC Bayern nicht hin und wieder einen generischen Wurf verhindern, aber dieser Spieler ist 2,21 Meter groß, Fall kann den Ball fast im Stehen in den Korb stopfen. Nicht aber, wenn Radosevic im Weg steht. Der ist mit 2,08 Metern der Größte im Team der Münchner Basketballer und bringt ein Gewicht von mehr als 110 Kilogramm auf den Court, im Vergleich zum staksigen Fall ist er aber beweglich wie ein Kunstturner. Das wiederum bekam Elie Okobo zu spüren, ebenfalls bei Asvel Villeurbanne unter Vertrag und vor der Saison von den Brooklyn Nets aus der NBA gewechselt. Ein fintenreicher und flinker Guard, der auf dem Weg zum Korb schwer zu halten ist, am Dienstagabend aber lief sich Okobo mehrmals am kaum weniger flinken Radosevic fest. Egal wie groß oder schwer: Es ist für keinen Angreifer ein Spaß, gegen Radosevic zu spielen. Aber der 31-jährige ist keiner, der mit Spektakel in den Vordergrund drängt, der Deutsch-Kroate verrichtet seine Arbeit indes zuverlässig und effektiv - und hatte so beim 77:68-Auswärtssieg der Bayern in der Euroleague in Lyon maßgeblichen Anteil.

Fünf Punkte und vier Rebounds sammelte Radosevic in knapp 15 Minuten Spielzeit, da gab es auffälligere Zahlen. Wie die von Augustine Rubit, der 17 Punkte und zehn Rebounds schaffte, oder die elf Punkte von Spielmacher Ognjen Jaramaz, die zehn des Distanzschützen Andreas Obst. Auffallender ist indes, wie die Mannschaft spielt, seit Radosevic wieder in Vollbesitz seiner Kräfte zurück auf dem Feld ist. Die Sicherheit ist zurück, die Abwehr spielt besser, das Umschaltspiel läuft flüssiger, die Sicherheit im Spiel nimmt zu. All die Parameter, die den Münchnern im Jahresendspurt fehlten, passen wieder.

Radosevic ist ein Paradebeispiel für einen Teamplayer, der Erfolg ist ihm wichtiger als die eigenen Meriten

Nicht umsonst rückte Trainer Andrea Trinchieri nach dem Triumph bei Villeurbanne das Kollektiv in den Mittelpunkt: "Die Mannschaft hat wieder als Team performt. Jeder war bereit mitzuhelfen, mitzuwirken und das Spiel zu gewinnen." Radosevic ist ein Paradebeispiel für einen solchen Teamplayer, er ordnet die eigenen Meriten dem Mannschaftserfolg unter. Letztlich sind es Spieler wie er, die auf Dauer den Unterschied machen: Kämpfer und Arbeiter im Dienste des Kollektivs.

Darauf hatte Trinchieri lange verzichten müssen, genau 196 Tage. Anfang Juni, im vierten Playoff-Halbfinale gegen Ludwigsburg, war Radosevic umgeknickt. Erst dachte er, alle Bänder seien hinüber, dann stellte er sich wieder in den Dienst des Teams und quälte sich durch die beiden letzten Finalspiele gegen Berlin. Im letzten Spiel stand er knapp 31 Minuten auf dem Parkett, war mit 16 Punkten sogar bester Werfer - doch dann war das Gelenk endgültig hinüber, eine OP unvermeidbar.

Die war gut verlaufen, Radosevic zum Saisonstart eingeplant. Doch eine Infektion bremste ihn erneut, es gab eine weitere OP und Mitte November zu allem Überfluss eine Corona-Infektion. Jetzt ist er wieder da, als Neuzugang, wie er scherzte, die Teamkollegen müsse er erst noch kennenlernen. Das ist offenbar gut gelungen. Am Freitag kommt Alba Berlin zum Euroleague-Heimspiel in den Audi Dome (20.45 Uhr), Radosevic wird bereit sein. Ob Corey Walden wieder auflaufen kann, ist abzuwarten: Der Guard knickte in Villeurbanne um, blieb aber in der zweiten Halbzeit auf der Bank. Zur Sicherheit - die Münchner haben genügend schlechte Erfahrungen gemacht.

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