Es war nicht zu übersehen, dass Álex Mumbrú zur alten Erscheinung noch ein paar Kilogramm fehlen. Im vergangenen September war der Basketball-Bundestrainer während der Europameisterschaft wegen einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung ins Krankenhaus gebracht worden. Im finnischen Tampere lag er auf der Intensivstation, verließ die Klinik nach fünf Nächten auf eigene Verantwortung. Den EM-Triumph in Riga erlebte er arg geschwächt und 20 Kilogramm leichter auf der Bank mit, das Coaching hatte er in die Hände seines Assistenten Alan Ibrahimagic gelegt, der den Triumph uneitel vollendete. Mit der schnellen Rückkehr war Mumbrú ein großes Risiko eingegangen, das habe ihm ein Arzt nach seiner Rückkehr in Barcelona gesagt, wo er sich einer Operation unterziehen musste.
All das ist längst in die Annalen des deutschen Basketballs eingegangen, nun tigerte Mumbrú in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm wie zu besten Zeiten am Spielfeldrand auf und ab. Er gestikulierte, breitete flehend die Arme aus, diskutierte mit den Spielern auf der Bank – kein Zweifel, er war wieder ganz der Alte. Aber es wurde kein allzu aufregender Freitagabend für den 46-Jährigen, zu überlegen trat sein Team im ersten Spiel der WM-Qualifikation gegen Israel auf. Und feierte mit dem souveränen 89:69-Sieg den erhofften Start in die erste Zulassungsrunde für die WM in Katar, die 2027 stattfindet.

Basketball:Mit dem B-Team zum Hochsicherheitsspiel nach Neu-Ulm
Wenn Deutschland im WM-Qualifikationsspiel Israel empfängt, werden einmal mehr die besten Spieler fehlen. Nicht der einzige besondere Umstand der Partie in Neu-Ulm.
Es hatte ein paar begründete Zweifel gegeben ob des Fehlens der meisten Welt- und Europameister. Vor einem Jahr noch verlor Mumbrú sein erstes Spiel für den Deutschen Basketball Bund (DBB) in Schweden in der EM-Qualifikation. Nach diesem Auftritt jetzt dürfte dagegen jede Skepsis in Bezug auf die Qualifikation verflogen sein. Nur im ersten Viertel, das mit 26:22 an den Gastgeber ging, konnte Israel mithalten. Dabei hatte Trainer Ariel Beit-Halahmy eine namhafte Auswahl nach Bayerisch-Schwaben geführt.
Die Partie fand unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen statt, die Polizei war mit einem massiven Aufgebot zugegen. Eine überschaubare propalästinensische Demonstration vor der Arena mit etwa 20 Personen blieb aber friedlich, wie auch die Stimmung in der Halle, wo ein paar israelische Fahnen zu sehen waren.

Israel bot fünf Spieler der Euroleague-Vertreter Maccabi (unter ihnen Topscorer Roman Sorkin, 18 Punkte) und Hapoel Tel Aviv auf, dazu Akteure vom Eurocup-Topteam Hapoel Jerusalem, wie der eingebürgerte US-Spielmacher Khadeen Carrington, der 17 Zähler sammelte. Álex Mumbrú musste auf den Großteil seiner Euroleague-Spieler verzichten, was nicht weiter ins Gewicht fiel. In Justus Hollatz und Oscar da Silva vom FC Bayern sowie Isaac Bonga, den Partizan Belgrad freigegeben hatte, standen nur drei Europameister in der Startformation. Real Madrids David Krämer und der Berliner Malte Delow komplettierten die Startformation. Der Auftritt geriet hervorragend – zumal angesichts der Tatsache, dass Mumbrú nur einen Trainingstag mit dem kompletten Team hatte. Von Beginn an agierte Deutschland aus einer aggressiven Abwehr, kontrollierte die Rebounds und bot sehenswerten Tempobasketball – mit einem starken Bonga als Antreiber.
Bis zur Pause war die DBB-Auswahl vorentscheidend auf 50:31 enteilt, obwohl Mumbrú früh rotierte und allen Akteuren Einsatzzeit gab. Egal, wen er auf das Parkett schickte, es gab keinerlei Bruch im Spiel. Bestnoten verdienten sich der 19-jährige Spielmacher Jack Kayil (8 Punkte), Braunschweigs Joshua Obiesie (11) und der Ulmer Lokalmatador Christian Sengfelder (8). Das Team offenbarte eine erstaunliche Entwicklung. Die Zeiten, in denen sich B- oder C-Auswahlen durch die Qualifikationen – siehe Schweden vor einem Jahr – kämpfen mussten, scheinen vorbei zu sein.
Dem Gerücht, dass Bundestrainer Mumbrú von Maccabi Tel Aviv umworben wird, trat DBB-Präsident Weiss entgegen: „Blödsinn“
Der Bundestrainer kann mittlerweile aus einem Pool an international erfahrenen Akteuren wählen, die hohen Ansprüchen genügen. Das ist auch der steten Entwicklung der Bundesliga geschuldet. Viele Klubs spielen international und setzen auf deutsche Talente. Natürlich werden zur WM die NBA-Kräfte um Dennis Schröder und Franz Wagner sowie die erfahrenen Euroleague-Spieler wie Maodo Lo oder Daniel Theis zurückkehren. Aber für die Zeit nach dieser goldenen Generation sind die Weichen gestellt: Aus der U19, die im Sommer WM-Silber gewann, hat Mumbrú bereits Akteure wie Kayil integriert. Toptalente wie Hannes Steinbach oder Ivan Kharchenkov stehen bereit, fehlten aber wegen ihrer Verpflichtungen an US-Colleges. Mumbrú hat die Arbeit von Vorgänger Gordon Herbert nicht nur fortgesetzt, er hat sie auf das nächste Level gehoben. Mumbrú hat dem deutschen Team einen Tempobasketball verordnet, der nicht nur attraktiv, sondern auch erfolgreich ist.
„Es ist wichtig, dass Alex wieder da ist“, erklärte Spielgestalter Hollatz, Kollege David Krämer, mit 13 Punkten nach Topscorer da Silva (19) bester Punktesammler, erinnerte an die teils anstrengenden Anfänge unter Mumbrú: „Vom ersten Tag an mussten wir laufen, laufen, laufen. Er hat uns einen schnellen und aggressiven Stil beigebracht“, der Ballgewinne in der Abwehr vorsieht, die blitzschnell in Konter und leichte Punkte umgesetzt werden.

In Neu-Ulm geriet Mumbrú lediglich das letzte Viertel etwas zu lässig, sonst wollte der Rückkehrer nicht viel kritisieren. Aber auch den Erfolg wollte er nicht überbewerten: „Es war ein Sieg.“ Er freue sich zuvorderst, dass er wieder zurück sei, im Vollbesitz seiner Kräfte: „Ich bin bei 100 Prozent und einfach froh, Coach zu sein.“ Am Montag schon wird der Bundestrainer auf Zypern wieder an der Seitenlinie stehen, dem Gerücht, dass er von Maccabi Tel Aviv umworben werde, trat der DBB-Präsident höchstselbst entgegen: „Das ist kompletter Blödsinn“, erklärte Ingo Weiss, „es gab weder eine Anfrage noch ein Gespräch.“
Auf Zypern werden da Silva, Hollatz und Bonga fehlen, die nicht in den Flieger zur Ferieninsel stiegen, sondern zu ihren Klubs reisten – die am Donnerstag schon aufeinandertreffen. Kein Problem, befand Mumbrú, er habe genügend Qualität im Kader.

