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Basketball:Ungehörte Sorgen der Spieler

Sportler und ihre Verantwortung in der Corona-Krise - #stayathome

Playoff-Kasernierung? Niels Giffey ist skeptisch.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Die Bundesliga-Basketballer sind längst nicht so begeistert über die mögliche Fortsetzung der Saison, wie es die Klubs suggerieren: Unter den Profis wächst der Frust darüber, dass die Liga nicht mit ihnen spricht.

Von Joachim Mölter

Bevor die große Politik am Mittwoch über die Wiederaufnahme des Bundesliga-Betriebs der Fußballer entschied, hat der kleine Verein "Athleten Deutschland" schnell noch ein Positionspapier verschickt zur "Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs in Zeiten der Corona-Pandemie". Darin fordert die 2017 gegründete Interessensvertretung hiesiger Kaderathleten unter anderem, die betroffenen Sportler mitreden zu lassen bei den entsprechenden Konzepten. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist offenbar eine dringend notwendige Mahnung, wie Johannes Herber anklingen lässt, der Geschäftsführer der "Athleten Deutschland".

Der 37-Jährige war früher mal Basketball-Profi, sogar Nationalspieler, und er hat noch gute Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen. Die sollen nach dem am Montag verkündeten Willen der Funktionäre die im März unterbrochene Saison demnächst wieder aufnehmen - sofern die Behörden das am Donnerstag vorgelegte Hygiene- und Sicherheitskonzept genehmigen. Tun sie das bis zum 18. Mai, will die Basketball-Bundesliga (BBL) in einer Turnierform mit zehn Teams im Juni in München noch einen deutschen Meister 2020 ermitteln; innerhalb von drei Wochen müssen die Profis dafür zehn Partien absolvieren. "Die Basketballer sind schon bereit zu spielen, aber sie wollen informiert sein", formuliert Herber vorsichtig: "Es gibt bei den Spielern viele Fragen, die offen sind."

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Wenn man Vereinsvertreter in den vergangenen Tagen gehört hat, haben alle versichert, ihre Spieler könnten es kaum noch erwarten, dass sie wieder spielen dürfen. Hat man Spieler gefragt, war das freilich ganz und gar nicht so.

"Ich sehe das sehr kritisch", sagte Niels Giffey, der Kapitän von Pokalsieger Alba Berlin, der SZ. "Ich bin auch hin- und hergerissen", sagte Danilo Barthel, der Kapitän des deutschen Meisters Bayern München, im Podcast des Fernsehrechte-Inhabers Magentasport. Frankfurts Nationalspieler Akeem Vargas sagte im Interview der FAZ, er sei gespannt, "wie das Sicherheitskonzept ausschauen soll". Jedenfalls findet nicht nur Barthel: "Ich hätte mir gewünscht, dass man auch die Stimmen der Spieler hört, was die vielleicht für Sorgen haben in dem ganzen Prozedere." Eine der Sorgen formuliert Niels Giffey so: "Es gibt ein ganz großes Verletzungspotenzial."

Derzeit trainieren die Basketballer nur individuell, "als Profisportler erachte ich es als schwierig, sich nach der Wettkampfpause in dieser kurzen Zeit auf ein Level zu bringen, mit dem man spielfähig ist", erklärt Akeem Vargas. Danilo Barthel beschreibt seinen aktuellen Fitnesszustand so: "Wenn jetzt ein Spiel wäre, müsste ich wahrscheinlich nach fünf Minuten einen Wechsel anzeigen und wüsste nicht, wie schnell ich mich erholen kann." Angesichts der knappen Vorbereitung sei das geplante Turnier "von der Belastung her ein Ausnahmezustand für alle Spieler".

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