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Basketball-Bundesliga:Verschnaufpausen verboten

rechts Christian Sengfelder (Brose Bamberg, 43) links Perry Jones (s.oliver Würzburg, 01) s.oliver Würzburg / Wuerzburg

Der Blick geht nach oben: Christian Sengfelder (re., bei der Niederlage in Würzburg gegen Perry Jones) will in den Playoffs weit kommen. Die haben die Würzburger verpasst, aber immerhin die Klasse gehalten.

(Foto: Daniel Löb /Imago / HMB-Media)

Bamberg trifft als Tabellenachter in den Playoffs um die deutsche Meisterschaft auf Primus Ludwigsburg. Würzburg hat den Klassenerhalt vorzeitig sicher - und arbeitet bereits am neuen Kader.

Von Mathias von Lieben

Es ist ja nicht so, als ob die Pandemie spurlos an Profisportlern vorbeizieht, nur weil sie weiterhin das Privileg genießen, ihren Beruf ausüben zu dürfen. Die Spielpläne in den Ligen sind enger getaktet, Regenerationszeiten kürzer, die mentale Belastung ist höher als sonst. "So eine gewisse Corona-Müdigkeit ist schon da", gesteht auch Christian Sengfelder am Telefon, der Power Forward von Basketball-Bundesligist Brose Bamberg. "Die Belastung ist in diesem Jahr so krass, dass nicht nur der Körper müde ist. Und jetzt geht's ja erst richtig los."

Kein Wunder also, dass Sengfelder seine Kaffeemaschine am frühen Freitagmorgen bereits zum zweiten Mal für sich arbeiten lässt. Denn seit Dienstagabend steht ja durch den 99:90-Sieg gegen Gießen endlich fest, dass seine Mannschaft als sicherer Achtplatzierter zum 20. Mal in Serie an den Playoffs teilnehmen wird. "Abschalten ist jetzt nicht drin", sagt der 26-Jährige: "In den Playoffs wollen wir die Lorbeeren für diese kräftezehrende Saison ernten." Und dafür braucht es Wachsamkeit - notfalls auch durch Koffein.

Bamberg hat Tabellenführer Ludwigsbug kürzlich geschlagen, in den Playoffs muss sich die Mannschaft trotzdem steigern

Die späte Playoff-Qualifikation steht sinnbildlich für die schwierige Spielzeit der Oberfranken. Zwar ist der Etat vor der Saison um rund sechs Millionen Euro geschrumpft, trotzdem ist er mit neun Millionen Euro immer noch der vierthöchste der Liga. Das Saisonziel, ein Platz unter den ersten vier, wurde klar verfehlt. Und obwohl im Viertelfinale jetzt auch noch Spitzenreiter Ludwigsburg wartet, ist Geschäftsführer Philipp Galewski optimistisch: "Die Mannschaft ist noch nicht am Limit", glaubt er: "Wenn alle ihr Maximum abrufen, ist uns auch alles zuzutrauen."

Und das haben die Bamberger beim knappen 94:93-Sieg gegen Ludwigsburg Ende April ja schon bewiesen - ein Vorgeschmack auf das, was möglich sein könnte in der voraussichtlich ab 17. Mai beginnenden Best-of-Five-Serie. "Voraussetzung ist, dass wir uns in der Defensive stabilisieren und gut auf den Ball aufpassen", prophezeit Christian Sengfelder. Sich allein auf die fast 50-prozentige Trefferquote in der Offensive zu verlassen, dürfte diesmal nicht ausreichen. Und Verschnaufpausen, wie sie sich die Bamberger im Saisonverlauf häufig genommen haben, dürften von Ludwigsburg umgehend bestraft werden. In den letzten zwei bedeutungslosen Hauptrunden-Partien gegen Göttingen am Freitag (bei Redaktionsschluss nicht beendet) und Crailsheim (Sonntag) geht es für Bamberg-Trainer Johann Roijakkers nun darum, nicht zu viel Risiko zu gehen und zugleich einen Spannungsabfall seiner Stammkräfte um Christian Sengfelder und Topscorer Devon Hall zu verhindern.

Corona, ein Umbruch und viele Verletzte: Würzburg hat mit dem Klassenerhalt sein großes Ziel erreicht

Einen gewissen Spannungsabfall konnte man beim fränkischen Rivalen aus Würzburg hingegen schon ausmachen. Denn die Bamberger hatten durch ihren Sieg gegen Gießen den Würzburgern zugleich den Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga gesichert. "Dass Bamberg da den Deckel draufgemacht hat, da ist uns schon eine schwere Last von der Schulter gefallen", sagt Würzburgs Geschäftsführer Steffen Liebler, dessen Mannschaft wegen des direkten Vergleichs nun nicht mehr vom Vorletzten Gießen eingeholt werden kann. "Wir sind aber zufrieden, so wie es gelaufen ist. In dieser Seuchensaison war der Klassenerhalt wirklich unsere einzige Mission."

Corona-bedingt stand bei den Würzburgern vor der Saison mal wieder ein Umbruch an. Die besten Spieler hatten den Verein verlassen, der Etat wurde im Vergleich zur Vorsaison halbiert. Trainer Dennis Wucherer hatte in seinem dritten Jahr in Würzburg eine runderneuerte Mannschaft zusammengestellt, die jedoch nicht immer ihre Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen konnte - was sicher zum Teil auch den großen Verletzungsproblemen geschuldet war. Und trotzdem will Geschäftsführer Liebler nach vorne schauen: "Mittelfristig ist das Ziel weiterhin, zu einem natürlichen Playoff-Anwärter zu werden."

Die Lizenz für die kommende Spielzeit haben die Würzburger - wie auch Bamberg - jedenfalls schon erhalten. Der Vertrag von Trainer Dennis Wucherer läuft sowieso noch eine Spielzeit, die Kader-Planungen laufen hingegen langsam an. Ein bisschen mehr Tempo wollen die Würzburger nach der knappen Niederlage am Mittwochabend gegen Chemnitz (83:84) in den letzten beiden Heimspielen an den Tag legen. Mit einem Siegen gegen den Tabellenletzten und zweiten Absteiger Rasta Vechta würde sich Geschäftsführer Liebler gerne in die Sommerpause verabschieden. Eine Tasse Kaffee trinken, ganz ohne Stress, das ist für ihn ab Montag wieder möglich.

© SZ/toe/pps
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