bedeckt München

Basketball:Im Wartezimmer der Behörden

Audi Dome, Heimspielstätte des FC Bayern München

Herausgeputzt: Viel voller dürfte es im Münchner Dome beim geplanten Finalturnier der Basketball-Bundesliga auch nicht werden.

(Foto: imago)

Die Basketball-Bundesliga hat die Details des Konzepts vorgestellt, mit dem sie ihren Spielbetrieb fortsetzen will. Darin geht es um zwei Phasen, zwei Personengruppen, ein Hotel, aber auch ein Spaß-Programm.

Von Joachim Mölter

In der Türkei ist am Montag die Basketball-Saison endgültig beendet worden wegen der Corona-Krise, in Spanien hingegen fangen die ersten Klubs in dieser Woche wieder mit dem Training an, um die Spielzeit doch noch zu Ende zu bringen. Und in Deutschland? Da befinden sich die Basketballer irgendwo in einem Zwischenstadium, quasi im Wartezimmer der Behörden. Dort harren sie der Erlaubnis, weiterspielen zu dürfen.

Die Vertreter der Basketball-Bundesliga (BBL) haben ja bereits beschlossen, nach Möglichkeit auf sportliche Weise einen Meister zu küren. Das soll in Turnierform mit zehn Teams im Juni in München geschehen; sieben Erstligisten verzichteten auf die Teilnahme. Am vorigen Donnerstag haben die BBL-Funktionäre ein 45 Seiten langes Hygiene- und Sicherheitskonzept zur Genehmigung des Spielbetriebs vorgelegt - den Innenministerien des Bundes und des Landes Bayern, außerdem der Berufsgenossenschaft VBG, die prüfen soll, ob die Sicherheit am Arbeitsplatz der Spieler gewährleistet ist. Der Öffentlichkeit teilte die BBL am Montag Details mit.

Demnach basiert das Konzept auf zwei jeweils drei Wochen langen Phasen und zwei unterschiedlichen Personengruppen. In der ersten Phase, so der Plan, trainieren die Klubs dezentral an ihren jeweiligen Heimatorten; in der zweiten treffen sie sich, um an einem zentralen Ort den Meister zu ermitteln. Während des Trainings werden die Spieler regelmäßig auf das Coronavirus getestet, dürfen aber zu Hause bleiben. Während des schätzungsweise rund eine Million Euro teuren Turniers hingegen werden alle Profis, Trainer und Betreuer in Quarantäne versetzt, dabei auch weiterhin getestet, freilich in größeren Abständen. Bei positiven Tests entscheiden wie im Fußball die lokalen Gesundheitsämter über das weitere Vorgehen.

Insgesamt sollen rund 250 Menschen in einem Münchner Hotel untergebracht und isoliert werden, maximal 22 Personen pro Mannschaft, dazu Schiedsrichter und BBL-Mitarbeiter. Diese Personengruppe firmiert unter dem Begriff der "aktiv Spielbeteiligten" und wird strikt getrennt von den "passiv Spielbeteiligten" in der Halle: Kampfrichter, Zeitnehmer, Medienmitarbeiter und Ordner beispielsweise. Auch mit dem Hotelpersonal sollen die aktiv Beteiligten nicht in Berührung kommen.

Die Kritikpunkte der Profis am Konzept

Einige Spieler empfanden die Aussicht auf eine Quarantäne im Hotel bereits als "Einkasernierung"; nebst gesundheitlichen Bedenken wegen des Coronavirus und der befürchteten Verletzungsgefahr wegen der knappen Vorbereitungszeit ist die Angst vor einem Lagerkoller der größte Kritikpunkt der Profis am Konzept. Über das Wochenende hatte die Liga zunächst die Klubs über das Vorhaben informiert, seit Montag wird nun auch den Spielern erklärt, was auf sie zukäme, wenn die BBL den Spielbetrieb fortsetzen dürfte.

Angesichts des Umstands, dass die Liga die Saison 2019/20 bis zum 30. Juni beenden will (dem Termin, an dem viele Spieler- und Sponsorenverträge auslaufen), müsste sie spätestens am Wochenende des 6./7. Juni mit dem Turnier anfangen, um das Endspiel am 28. Juni über die Bühne des Audi Dome zu bringen, der vorgesehenen Spielhalle am Münchner Westpark. Dort sollen täglich zwei Partien ausgetragen werden, wobei jedes Team mindestens einen Tag Pause zwischen seinen Spielen hat, wie bei Welt- oder Europameisterschaften. Grundsätzlich, so ist zu hören, soll das Konzept auch ein "psycho-soziales Programm" enthalten, um die Profis zu bespaßen und zu unterhalten. Auch die Möglichkeit, das Hotel zu verlassen, wird in Betracht gezogen, zumindest unter bestimmten Bedingungen. In erster Linie ist das: kein Kontakt zu Außenstehenden.

Es gibt etliche Profis, die trotzdem nicht mitmachen wollen; erst am Montag gaben die Merlins Crailsheim bekannt, dass ihre Spieler Jan Span und Quincy Ford nicht mehr für den Klub antreten wollen. Crailsheim verpflichtete kurzerhand Ersatz von zwei der sieben Ligarivalen, welche die Saison bereits beendet haben: David Brembly kommt aus Weißenfels, Marvin Ogunsipe aus Hamburg.

Arbeitsrechtlich ist die Lage recht klar. Der Sport- und Arbeitsrechtler Martin Schimke, 61, sagte im Deutschlandfunk jedenfalls, dass Athleten kaum eine Wahl haben, wenn ihre Arbeitgeber bei vorhandenem Hygienekonzept die Rückkehr zur Arbeit forderten. Bei dem geplanten Neustart liege "zumindest aus arbeitsrechtlicher Sicht eine relativ normale Situation vor", erklärte Schimke, ehemals selbst Bundesliga-Basketballer in Hagen und später Richter am Internationalen Sportgerichtshof Cas. Auch eine mehrwöchige Quarantäne sieht er nicht grundsätzlich als Verletzung der Arbeitnehmerrechte. Ein Spieler müsse im Einzelfall "darlegen, dass für ihn seine Arbeitsleistung in dieser Notsituation nicht zumutbar ist", so Schimke. Er riet freilich, die Spieler einzubeziehen, "weil man ja auch motivierte Mitarbeiter haben will".

Wie motiviert die Profis ans Werk gehen, ist freilich die ganz große Frage. Am Montag gesellte sich der Ulmer Nationalspieler Andreas Obst zu den Skeptikern. Der Mitteldeutschen Zeitung sagte er, dass er die Fortsetzung der Bundesliga-Saison prinzipiell zwar gut finde, doch in "Spielerkreisen kursieren Titel wie Corona-Cup-Gewinner oder das Turnier um das Goldene Toilettenpapier". Er glaube, "dass die deutsche Meisterschaft mit diesem Modus und den Voraussetzungen nicht den gleichen Stellenwert wie sonst hat".

© SZ vom 12.05.2020/chge
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