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Basketball -Bundesliga:Einbauen und Aufbauen

Jalen Reynolds 8 (FC Bayern), dunk, FC Bayern Basketball vs. s.Oliver Wuerzburg, BBL, 28.02.2021 Muenchen Bayern Deutsch; Basketball

Die üblichen Verdächtigen: Die Euroleague-erfahrenen Akteure wie Jalen Reynolds machten letztendlich den Unterschied.

(Foto: Ulrich Gamel/imago)

Der FC Bayern tut sich gegen Würzburg eine Spielhälfte lang schwer, den Rhythmus zu finden. Die Qualität genügt trotz pausierender Stammkräfte zu einem standesgemäßen 97:76-Sieg.

Von Ralf Tögel

Die Basketballer des FC Bayern haben in der Basketball-Bundesliga (BBL) gegen s.Oliver Würzburg einen standesgemäßen 97:76-Pflichtsieg eingefahren und halten als Tabellenfünfter Anschluss zur Tabellenspitze. Zwar taten sich die Münchner eine Spielhälfte lang schwer, sie besannen sich dann aber ihrer enormen individuellen Qualität und blieben souverän. "Das Wichtigste ist, dass die Spieler gesund bleiben", sagte Trinchieri nach getaner Arbeit, was bei Center Leon Radosevic nicht gelang. Der musste zum Bedauern des Trainers mit einer Knöchelverletzung vorzeitig passen.

Nach dem famosen 72:70-Sieg vom Donnerstag in der Euroleague gegen Tel Aviv hatte Trinchieri einen Einblick in seinen Planungsalltag gegeben, der sich reichlich pragmatisch gestaltet: "Heute freuen wir uns und morgen werde ich sehen, welche Spieler fit sind. Dann setze ich mich mit dem Trainerstab zusammen und wir beraten über die Taktik für das nächste Spiel." In der Tat durfte man schon zweifeln, ob alle Spieler diese packende und intensive Partie gegen den israelischen Meister unbeschadet überstanden hatten. Vladimir Lucic hechtete nach jedem Ball, James Gist wurde mehrmals umgerannt und Nick Weiler-Babb knallte mit dem Rücken auf den Hallenboden. Gist und Weiler-Babb waren gegen die Unterfranken dabei, dafür gönnte Trinchieri seinem ersten Spielmacher Wade Baldwin, Lucic und Diego Flaccadori eine Pause. Kapitän Nihad Djedovic bekommt Zeit, um seine Knieverletzung in Ruhe auszuheilen. Dafür sammelte Zugang David Krämer seine ersten BBL-Minuten, Robin Amaize kehrte nach mehrwöchiger Verletzungspause in den Kader zurück und die Talente Sasha Grant und Jason George bekamen eine weitere Chance.

Spiele wie das gegen Würzburg haben für die Münchner oft integrativen Charakter

Solche Spiele gegen vermeintlich leichte Gegner haben für die Bayern integrativen Charakter, für den Trainer gilt es, Spieler einzubauen oder aufzubauen. So sind auch die teils signifikanten Leistungsschwankungen zu erklären: Den Edelkader aus Tel Aviv hatten die Münchner zur Halbzeit bei 37 Punkten gehalten, Würzburg gelangen 40. Entsprechend gestalten sich derlei Spiele: Die Bayern suchten in ungewohnter Besetzung ihren Rhythmus, der Gegner sah genau darin seine Chance. Schnell setzte sich der Favorit auf 21:10 ab, ehe die Würzburger den Respekt ablegten und ihrerseits 34:33 in Führung gingen. Für Teams wie den Tabellen-16. ist das Erreichen der Playoffs das Allerhöchste der Gefühle, dennoch wissen auch die Würzburger bravourös mit dem Ball umzugehen. Das weiß auch Trinchieri: "Das ist ein gutes Team, Spieler wie Robert Lowery haben viel Qualität, ich kenne ihn schon lange." Aber der FCB-Coach hat in solchen Momenten die Möglichkeit, auf Personal von Euroleague-Format zurückzugreifen.

D. Seeley 4 (FC Bayern), FC Bayern Basketball vs. s.Oliver Wuerzburg, BBL, 28.02.2021 Muenchen Bayern Deutschland *** D; Basketball

Von Ermüdung keine Spur: D.J. Seeley (rechts) war in Spiellaune und mit 20 Punkten bester Schütze der Bayern.

(Foto: Ulrich Gamel/imago)

So enteilten die Münchner nach der Pause schnell wieder in den zweistelligen Bereich (50:40), um erneut die Spannung zu verlieren. Denn selbst diesen ausgebufften Profis will es nicht immer gelingen, in jeder Minute den nötigen Eifer an den Tag zu legen. Würzburg kam zurück (52:53), kämpfte um seine Chance und hatte in Tyson Ward (16 Punkte), Lowery (15) und Kraftpaket Murphy Holloway (14) Akteure in seinen Reihen, die sich dabei hervortaten.

"Wir sind der FC Bayern, da zählt jedes Spiel", sagt Trainer Andrea Trinchieri

Letztlich aber richteten es doch die erfahrenen Kräfte auf Seiten der Gastgeber, allen voran Topscorer D.J. Seeley (20), James Gist (14), Jalen Reynolds (13) und Jajuan Johnson (12) - auch Zan Sisko (13) scheint vollständig genesen zu sein. Vor dem letzten Viertel hatte die Führung der Münchner bereits Standardmaß (72:55), was auch für den ungefährdeten 97:76-Sieg gilt. Am Dienstag steht die Euroleague-Partie in Belgrad auf dem Münchner Reiseplan, die Aussicht auf die Playoffs ist groß wie nie. Dass er dem internationalen Geschäft Priorität gebe, verneinte Trinchieri entschieden: "Wir sind der FC Bayern, da zählt jedes Spiel." Der fordernde Spielplan lasse sowieso keinen Raum, sich mit Tabellen, Rechenspielen oder Spekulationen zu beschäftigen: "Dafür verschwende ich keine Zeit".

© SZ/lein
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