Basketball:Endlich wieder sexy sein

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Basketball: Würdigung einer Legende: Das Duell zwischen Alba Berlin (blau) und Brose Bamberg war nicht nur ein Klassiker vergangener Tage. Es trafen zugleich der erste und der letzte Profiverein des am Dienstag gestorbenen ehemaligen DBB-Kapitäns Ademola Okulaja aufeinander, dem die Teams hier gedenken.

Würdigung einer Legende: Das Duell zwischen Alba Berlin (blau) und Brose Bamberg war nicht nur ein Klassiker vergangener Tage. Es trafen zugleich der erste und der letzte Profiverein des am Dienstag gestorbenen ehemaligen DBB-Kapitäns Ademola Okulaja aufeinander, dem die Teams hier gedenken.

(Foto: Guener Santemiz/Eibner/Imago)

Brose Bamberg scheitert chancenlos mit 0:3 in der ersten Playoff-Runde an Meister Berlin. Nur Trainer Oren Amiel und zwei Spieler haben Verträge für die kommende Saison. Es steht ein neuer Umbruch bevor.

Von Ralf Tögel

Am Freitagabend war die Vergangenheit zu Gast in Freak City. Schnelle Ballstafetten, sichere Distanzwürfe, krachende Dunks - sehenswerter Basketball. All dies zeigten die Gäste von Alba Berlin und erinnerten damit ein bisschen an die großen Zeiten der Bamberger Basketballer, als diese mit ihrem schnellen und attraktiven Spiel die Gegner in der Bundesliga reihenweise aus der Brose Arena schossen. Fünf Jahre ist das her, dann zerstreute sich die Meistermannschaft in alle Winde, die Spieler verabschiedeten sich zu europäischen Spitzenklubs oder gleich in die NBA. Acht Jahre teils erdrückende Dominanz fanden ein jähes Ende, seither versucht der Klub an alte Erfolge anzuknüpfen. Mit überschaubarem Erfolg.

Auch das aktuelle Team hatte dem Tempo-Basketball des deutschen Meisters nicht viel entgegenzusetzen. Bisweilen wurden die Gastgeber bei der 70:103-Heimniederlage im dritten und letzten Playoff-Viertelfinalspiel zu Statisten degradiert. Nur bei der Schweigeminute für den verstorbenen Ademola Okulaja begegneten sich die Kontrahenten auf Augenhöhe. Bamberg war von 2007 bis 2009 die letzte Station für den Berliner, der mit Alba Meister war und als DBB-Kapitän eine der prägenden Figuren des deutschen Basketballs.

Angeführt von Spielmacher Maodo Lo,, dessen Kunststückchen sogar von den Bamberger Fans mit Applaus bedacht wurden (einmal spielte er bei einem Konter seinem Gegner den Ball durch die Beine), war der Meister bereits zur Pause mit 61:36 Punkten uneinholbar enteilt. Die Gäste bestachen durch große Geschlossenheit auf hohem Niveau, sieben Spieler punkteten zweistellig. Vor allem ihre Treffsicherheit beeindruckte: Knapp 60 Prozent erfolgreiche Dreierwürfe sind ein exorbitant guter Wert.

Trainer Johan Roijakkers hatte den Kader zusammengestellt, dann wurde er entlassen. Nun soll Nachfolger Oren Amiel ein neues Team aufbauen

Bemerkenswert war die Reaktion der Zuschauer. In Berlin hatte Brose 89:114 und 85:97 verloren, nun wurden die Bamberger Spieler nach der Demontage in eigener Halle von 4017 Zuschauern mit Standing Ovations verabschiedet. Das hatte einerseits mit der Erwartbarkeit dieses Ausscheidens zu tun - Bamberg hatte die Playoffs als achtes und letztes Team gerade noch erreicht, Primus Berlin agiert seit Wochen in blendender Verfassung. Andererseits war die positive Reaktion des Bamberger Publikums, das nicht zuletzt wegen der großen Vergangenheit als verwöhnt gilt, ein Ausdruck der jüngsten Entwicklung. Zwar wird die Saison als reichlich verkorkst in die Vereinsgeschichte eingehen, Trainer Johan Roijakkers war Ende November entlassen worden, und auch Nachfolger Oren Amiel benötigte einige Zeit, um den Kader auf seinen Kurs zu bringen. In den vergangenen Wochen gelang das dem Israeli aber mit wachsendem Erfolg. Neun Siege aus den letzten elf Partien und der Einzug in die K.-o.-Runde sprachen für den 50-Jährigen.

Basketball: Bamberger Stütze: Um Kapitän Christian Sengfelder (re., gegen Berlins Jaleen Smith), dessen Vertrag bis 2025 verlängert wurde, soll eine neue Mannschaft aufgebaut werden.

Bamberger Stütze: Um Kapitän Christian Sengfelder (re., gegen Berlins Jaleen Smith), dessen Vertrag bis 2025 verlängert wurde, soll eine neue Mannschaft aufgebaut werden.

(Foto: Daniel Löb/HMB-Media/Imago)

Amiels Vertrag wurde bis 2024 verlängert. Er darf nun um Kapitän Christian Sengfelder, der bis 2025 unterschrieben hat, einen Kader nach seinen Vorstellungen aufbauen. Allerdings nicht mit den umfassenden Kompetenzen seines Vorgängers Roijakkers, wie Geschäftsführer Philipp Galewski betont. Brose hatte dem Niederländer weitgehend freie Hand gegeben, ein Modell, mit dem sich Roijakkers bei der BG Göttingen einen Namen gemacht hatte - das am Traditionsstandort Bamberg aber nicht funktionierte. Ein Fehler, wie Galewski einräumt. So wird Amiel ein neuer, der Geschäftsführung naher Assistent zur Seite gestellt, der zusammen mit Stefan Weissenböck, der für die Spielerentwicklung zuständig und bestens vernetzt ist, bei der Kaderplanung mitwirken soll. Das sportliche Konzept wird dann mit den Vereinsverantwortlichen "in wirtschaftlichen Einklang gebracht", erklärt Galewski, der Kader werde also zukünftig in Teamwork erdacht - "nicht mehr von einer einzelnen Person".

Freilich wird Amiel die Richtung vorgeben. Priorität haben laut Galewski zunächst die deutschen Spieler. Neben Sengfelder hat einzig Marvin Omuvwie ein gültiges Arbeitspapier. Brose wird aber bestrebt sein, mit Identifikationsfiguren wie dem zuletzt lange verletzten Patrick Heckmann oder Kenneth Ogbe, beides Nationalspieler, zu verlängern. Auch der nachverpflichtete Tscheche Tomas Kyzlink hat gute Chancen, wenngleich vor allem auf den Ausländerpositionen umfassende Änderungen zu erwarten sind. Galewski will so kurz nach Saisonende keine Details preisgeben, die Hälfte des Kaders aber werde wohl ausgetauscht. Ob Spieler wie Regisseur Justin Robinson, Center Akil Mitchell oder Flügelspieler Omar Prewitt bleiben, ist fraglich.

"Das Wichtigste ist jetzt, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen und eine eigene Identität zu schaffen", sagt Galewski - Letztere fehlte ihm gerade im Vergleich zu früher. "Brose steht nur noch für seine tollen Fans, sonst für nichts mehr." Helfen soll die stets angestrebte und zuletzt nie erreichte Kontinuität. Berlin gebe da ein Beispiel: "Das ist eine richtig starke und über Jahre eingespielte Mannschaft, ich glaube, die werden Meister."

Bliebe noch das Ziel für kommende Saison. Das habe Kapitän Sengfelder kürzlich treffend formuliert, als er sagte, in Zukunft um das Heimrecht in den Playoffs spielen zu wollen, also unter die besten Vier zu kommen. Dem stimmt Galewski zu, denn: "Nichts ist so sexy wie Erfolg."

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