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Basketball:Befreiungsschlag von der Bank

Maodo Lo (rot) (FC Bayern), Andrew Albicy (Zenit) / Basketball / Euroleague / FC Bayern Basketball - Zenit St. Petersbu

Durchblick im Getümmel: Spielmacher Maodo Lo (am Ball, hier gegen Andrew Albicy) hielt seinen FC Bayern im ersten Viertel gegen Sankt Petersburg fast alleine in der Spur.

(Foto: Lackovic/imago)

Der in der Euroleague zuletzt schwer gebeutelte FC Bayern besiegt den Tabellenletzten Zenit St. Petersburg 77:69 - und hofft auf die baldige Rückkehr diverser langzeitverletzter Profis.

Man konnte schon an der Startformation erkennen, welche Strategie der Basketball-Trainer Dejan Radonjic am Freitagabend in der Euroleague-Partie seines FC Bayern gegen Zenit St. Petersburg verfolgte. Unter den ersten Fünf, die Radonjic aufs Parkett beorderte, fehlte nämlich diesmal Greg Monroe, der Center, den die Münchner aus der amerikanischen Profiliga NBA gelockt hatten und der für gewöhnlich erste Wahl ist bei der Aufstellung. Aber St. Petersburg verfügt in dem 2,08-Meter-Mann Gustavo Ayon über einen ähnlichen Könner unter den Körben; der Mexikaner ist für gewöhnlich bester Werfer und bester Rebounder seines Klubs - und er kommt für gewöhnlich von der Bank. Um Ayon seinen besten Mann entgegenstellen zu können, musste der FC-Bayern-Coach also auch Monroe von der Bank bringen.

Radonjics Plan ging jedenfalls auf, Monroe rang Ayon im direkten Vergleich nieder, mit zwölf Punkten und fünf Rebounds gegenüber sieben und fünf. Das führte dazu, dass auch die Basketballer des FC Bayern München das Team von Zenit Sankt Petersburg niederrangen, 77:69 (37:35). Für die zuletzt in der europäischen Königsklasse schwer gebeutelten Münchner war es ein Befreiungsschlag aus einer sich anbahnenden Krise. Mit nun 5:8 Siegen halten sie fürs Erste zumindest Anschluss an das Mittelfeld.

Seit dem 95:86-Triumph über Real Madrid Ende Oktober hatten die Münchner in der Euroleague ja nur noch einmal gewonnen, und das auch nur mit Mühe und einem starken Endspurt beim 85:82 über Olympiakos Piräus. Dieser Erfolg war freilich eingerahmt von jeweils drei Niederlagen vor- und nachher. 75:87, 75:105 und 55:77 lauteten die jüngsten Ergebnisse, daheim gegen Panathinaikos Athen sowie auswärts beim Tabellenführer Anadolu Efes Istanbul und bei Maccabi Tel Aviv. Eine bessere Gelegenheit zur Kurskorrektur als an diesem Freitagabend gab es im Grunde nicht: ein Heimspiel gegen den Tabellenletzten, gegen Zenit eben.

Nun war der FC Bayern selbst aber auch bloß Drittletzter gewesen, der Tabellensituation entsprechend entwickelte sich eine Partie auf sparsamem Niveau. Sie war zäh und zerfahren, es gab zunächst auf beiden Seiten mehr Schrittfehler als Körbe, Pässe landeten im freien Raum oder gleich im Aus. Zur Halbzeit hatten sich die Münchner neun Ballverluste geleistet und ihren Gästen acht Offensiv-Rebounds gestattet. Die wussten freilich nur wenig mit ihren zweiten Chancen anzufangen, so dass es knapp blieb. Erst nach der Pause gingen die Münchner beherzter ans Werk, prompt dehnten sie ihre Führung aus, beim 49:38 (24.) war sie erstmals zweistellig. In der verbleibenden Zeit kam St. Petersburg nicht mehr gefährlich nahe.

Für das Euroleague-Duell gegen Berlin sind zwei weitere Leistungsträger wohl wieder fit

Für Entspannung bei den Münchnern sollte in naher Zukunft auch die allmähliche Rückkehr der teils langzeitverletzten Profis sorgen. Der amerikanische Flügelspieler Josh Huestis stand bereits am Freitagabend erstmals seit der Saisonvorbereitung wieder im Kader. Zu Beginn des zweiten Viertels gab er dann auch sein Pflichtspieldebüt für die Münchner: Dabei gelang ihm gleich ein spektakulärer Block, der zu einem Konter und einem Korb durch Vladimir Lucic führte, den am Freitagabend mit 17 Zählern besten Münchner. Danach wurde Huestis freilich wieder vom Parkett geholt - man muss es ja nicht übertreiben beim ersten Mal.

Für das prestigeträchtige deutsch-deutsche Euroleague-Duell bei Alba Berlin am kommenden Mittwoch seien dann auch Nihad Djedovic (Knie) und Leon Radosevic (Sprunggelenk) wieder fit, hatte der FC Bayern außerdem vor der Partie mitgeteilt. Und Spielmacher T.J. Bray soll auch noch in diesem Monat seine Premiere im Münchner Trikot geben. Vor allem Djedovic wird schmerzlich vermisst, er fehlt seit dem Sieg über Real, vor allem in der Abwehr als Bewacher des stärksten gegnerischen Guards.

Auch am Freitagabend hätte man ihn dafür dringend gebraucht, denn der Sankt Petersburger Spielmacher Alex Renfroe war über weite Strecken der Partie kaum zu halten. Der Amerikaner brachte sich dem Münchner Publikum nachdrücklich in Erinnerung, er hat ja bis Anfang 2017 anderthalb Jahre für den FC Bayern gespielt. Nun sorgte Renfroe vor allem mit seinen Dreiern immer wieder dafür, dass der Vorsprung der Münchner nicht zu sehr anschwoll und seine neue Mannschaft halbwegs in Reichweite blieb. Insgesamt kam Renfroe auf 18 Punkte. Maodo Lo, der beim FC Bayern inzwischen Renfroes Platz eingenommen hat, brachte es zwar nur auf elf Zähler, aber er hatte seine Mannschaft gerade im ersten Viertel fast alleine in der Spur gehalten.