Viele Deutsche an US-CollegesExodus der besten Basketball-Talente

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Münchens U18-Europameister Ivan Kharchenkov (li.) geht in der Playoff-Finalserie gegen Ulms Justinian Jessup ins Duell. Künftig wird Kharchenkov für die University of Arizona spielen.
Münchens U18-Europameister Ivan Kharchenkov (li.) geht in der Playoff-Finalserie gegen Ulms Justinian Jessup ins Duell. Künftig wird Kharchenkov für die University of Arizona spielen. (Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa)
  • Die Basketball-Bundesliga (BBL) verliert zunehmend junge Talente an US-Colleges, da diese seit einem Gerichtsurteil 2021 Millioneneinnahmen durch Selbstvermarktung erzielen können.
  • Der Exodus der besten deutschen Nachwuchsspieler gefährdet die Attraktivität der BBL und erhöht die Abhängigkeit von ausländischen Spielern.
  • Verband und Liga suchen nach Lösungen, haben aber wenig Handhabe gegen die Abwanderung, da Spieler unter 18 Jahren ihre Verträge einseitig kündigen können.
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Der Basketball-Bundesliga laufen die einheimischen Jungprofis davon, weil sie an den US-Colleges viel Geld verdienen und hoffen, von dort aus leichter in die NBA wechseln zu können – ein großes Problem für den hiesigen Betrieb.

Von Christoph Leischwitz

In der US-Late-Night-Sendung Jimmy Kimmel hatte der deutsche Nationalspieler Isaiah Hartenstein darüber geschwärmt, dass er Anfang August den NBA-Pokal nach Deutschland bringen werde. Der zweite deutsche NBA-Champion nach Dirk Nowitzki ist zusammen mit seinem Vater als Investor bei Ratiopharm Ulm eingestiegen und kommt Anfang August zum Besuch nach Schwaben. Das sei schon kompliziert, erzählte der 27-Jährige von den Oklahoma City Thunder, die Larry-O’Brien-Trophy müsse auf der Reise permanent bewacht werden. Es kommt also bisweilen auch etwas zurück aus dem Heimatland des Basketballs, ein bisschen Glamour, ein bisschen Kapital. Doch das kann freilich nicht aufwiegen, was seit einiger Zeit in die andere Richtung strömt.

Die deutsche Basketball-Bundesliga (BBL) sprach bereits von einem „Exodus“, der zurzeit stattfindet. Allein aus Bayern verlassen heuer zwei namhafte 18-Jährige ihre Vereine: der als absolutes Top-Talent gehandelte Hannes Steinbach wechselt von den Würzburg Baskets an die University of Washington, der U18-Europameister Ivan Kharchenkov vom FC Bayern zur University of Arizona. Fast alle guten Spieler im College-Alter wechseln jetzt in die USA, weil seit vier Jahren gewissermaßen garantiert ist, dass sie dort vom Fleck weg ordentlich Geld verdienen können. 2021 urteilte das US-Bundesgericht, dass sich College-Spieler selbst vermarkten können, auch wenn sie formal keine Profis sind.

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Für die Besten bedeutet das Millioneneinnahmen – für die deutsche Bundesliga ist es eine Zäsur. „Es verändert die gesamte Nachwuchsarbeit“, sagt Würzburgs Geschäftsführer Steffen Liebler, „wir werden uns in Zukunft schon bei der Gestaltung unserer Verträge mit jungen Spielern Gedanken machen müssen, denn wir investieren viel Geld in unsere Nachwuchsarbeit.“ Die Attraktivität der Liga wird weiter leiden, gleichzeitig wird ausgerechnet die Abhängigkeit von ausländischen, oftmals in der NBA ausrangierten Spieler immer höher. Marko Pesic, scheidender Geschäftsführer des FC Bayern München,  nimmt den Weltverband in die Pflicht: „Die Fiba ist die einzige Instanz, die in Europa die Freigabe von Spielern regulieren kann. Dafür gibt es bis jetzt keine richtige Regelung. Die Fiba spricht über die sehr vagen Pläne der NBA Europe, aber alle jungen Spieler hauen ab aus Europa. Es ist sehr schwer, hier eine Strategie zu erkennen.“

BBL-Chef Stefan Holz stellte auch schon öffentlich die Frage, ob die 6+6-Regel weiter Sinn ergeben wird, wonach in einem Zwölf-Mann-Spieltagskader sechs deutsche Spieler stehen müssen. Das dürfte bei den meisten Vereinen die Kaderqualität deutlich drücken, wenn es sowieso nicht schon geschieht. Eine Verpflichtung wie jene von Nationalspieler und Center Leon Kratzer zum FC Bayern ist in diesen Tagen also noch mehr wert. Und zeigt zugleich: Mittelfristig könnte die Entwicklung innerhalb der Liga zu einem starken Gefälle führen.

„Ein finanzielles Umlagesystem wäre im Basketball auch nicht verkehrt“, sagt Bayern-Spieler Oscar da Silva

Anfang Juni, ein regnerischer Abend im Seehaus im Englischen Garten in München. Eine Menge Prominenz ist da. Buchautorin Beate Wagner spricht über den Werdegang ihrer beiden Söhne Franz und Moritz, Oliver Bierhoff über das richtige Maß beim Motivieren jugendlicher Sportler, und Oscar da Silva darüber, was ihm das Leben am College alles gebracht hat. Der Bayern-Spieler und gebürtige Münchner, gegen Ende der vorigen Saison lange verletzt, war auch für vier Jahre in die USA gegangen, nach Stanford. Der 26-Jährige sieht das Problem der enormen Talent-Abwanderung: „Im Fußball ist es so, dass Vereine, die Spieler ausgebildet haben, dann Geld dafür bekommen. Ein solches finanzielles Umlagesystem wäre im Basketball auch nicht verkehrt“, findet er, zumal der Basketball auch schon große Mengen Geld generiere. Deutschland müsse auch von seinem WM-Titel profitieren, „so ein Momentum muss genutzt werden“, da sei auch der deutsche Verband gefragt.

Top-Talent Hannes Steinbach verlässt die Würzburg Baskets in Richtung University of Washington
Top-Talent Hannes Steinbach verlässt die Würzburg Baskets in Richtung University of Washington (Foto: Julien Becker/HMB-Media/Imago)

Der hiesige Verband und die BBL suchen nach Lösungen, sie können aber nicht viel ausrichten, weil ihnen schlicht die Handhabe fehlt. Bestenfalls der Weltverband könnte auf den US-Collegesport-Dachverband NCAA einwirken, Einreisen von Spielern zu begrenzen oder zumindest den abgebenden Verein zu kompensieren. Die NCAA hat aber keinerlei Anreiz für ein Entgegenkommen, sie kann locken, wen sie will. Ein deutscher Spieler unter 18 Jahren kann einen weiterlaufenden Vertrag einfach kündigen.

Es ist ausgerechnet der Deutsch-Amerikaner Isaiah Hartenstein, der deutschen Talenten dazu rät, sich den Schritt in die USA genau zu überlegen: „In Europa kommt man schneller in die NBA“, sagt er, es gehe um die Frage, ob man schnelles Geld verdienen wolle, oder langfristig mehr. Zurzeit beantwortet die schiere Zahl an Weggängen von Talenten aus der BBL diese Frage ganz eindeutig.

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