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Basketball:Rein ins Schaufenster, aber ohne Zuschauer

18 11 2018 xlakx Basketball BBL Alba Berlin Brose Bamberg emspor v l Bryce Taylor Brose Bambe

Der Ball fliegt: Die Basketballer dürfen demnächst den Kampf um die Meisterschaft wieder aufnehmen.

(Foto: Jan Huebner/Lakomski/imago)

Die Basketball-Bundesliga darf ihre Saison mit einem Turnier in München fortsetzen. Die Funktionäre ermuntern andere Sportarten, es ihnen nachzumachen.

Die Basketball-Bundesliga (BBL) darf ihre im März wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Saison fortsetzen und im Juni bei einem Turnier in München ihren Meister auf sportlichem Weg ermitteln. Entsprechende Pläne der BBL wurden am Dienstag vom zuständigen bayerischen Kabinett genehmigt. Florian Herrmann, der Leiter der Staatskanzlei, lobte die Liga dabei für "ein sehr überzeugendes Hygienekonzept" und erklärte: "Deshalb konnte man bei der aktuellen positiven Entwicklung mit Überzeugung Ja sagen."

Ein "Nein" wäre auch schwierig zu vermitteln gewesen. Denn das Konzept der BBL basiert auf dem der Deutschen Fußball Liga (DFL), die ihren Betrieb ja bereits wieder anlaufen lassen durfte. Es geht sogar noch darüber hinaus: Geplant ist, die zuvor umfangreich getesteten Mannschaften während des Turniers in einem Münchner Hotel abzuschotten, und da sie in dieser Zeit keinen Kontakt zu Außenstehenden haben sollen, nicht mal zum Hotelpersonal, kann sich theoretisch niemand mit dem Coronavirus anstecken.

Da sind die Kicker bei ihren ständigen Reisen durch die Republik deutlich größeren Risiken ausgesetzt. BBL-Präsident Alexander Reil appellierte in diesem Zusammenhang bereits an Spieler, Trainer und Betreuer: "Diese besondere Situation erfordert jetzt von allen Beteiligten ein hohes Maß an Bereitschaft und Disziplin."

Die Situation sei "sehr weit weg von einem Optimum", sagt Alba-Manager Baldi

In der Basketball-Szene war die Freude über den positiven Bescheid groß. "Wir sind sehr glücklich, dass sich die viele Arbeit gelohnt hat. Alle haben zusammen wochenlang dafür gekämpft, dass der Basketball in Deutschland eine Plattform erhält, um den Fortbestand unseres Sports zu sichern", sagte Marko Pesic, der Geschäftsführer des ausrichtenden FC Bayern München. Sein Bamberger Kollege Arne Dirks sagte: "Wenn es jetzt eine Möglichkeit gibt, die Saison sportlich zu beenden, ist das eine hervorragende Sache." Marco Baldi, der Manager von Pokalsieger Alba Berlin, hatte bereits vor der Entscheidung von einer "filigranen Brücke in die nächste Saison" und einem "wichtigen Schritt in die Zukunft" gesprochen. Er räumte jedoch ein: "Wir wissen, dass die Durchführung eines solchen Turniers, an einem einzigen Ort und ohne Zuschauer in der Halle, sehr weit weg von einem Optimum ist."

Wie bei den Fußballern dürfen auch bei den Begegnungen der Basketballer keine Zuschauer in die Arena. Alle Spiele werden im Internet von Magentasport übertragen, dem TV-Partner der Basketballer; einige ausgewählte sind auch frei empfangbar beim Fernsehsender Sport 1 zu sehen. Im Gegensatz zur DFL strebt die BBL bei ihrer Saisonfortsetzung allerdings nicht danach, noch etliche Millionen Euro an TV-Einnahmen zu sichern, die sind bei den Basketballern dafür viel zu gering. Sie betreiben da eher Schadensbegrenzung, indem sie Regressforderungen ihrer Sponsoren vermeiden. In erster Linie geht es den Basketballern freilich darum, "nicht komplett von der Bildfläche zu verschwinden", wie es Crailsheims Geschäftsführer Martin Romig neulich in einem Podcast von Magentasport formulierte.

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz erklärte unlängst in einer Videokonferenz mit Medienvertretern die Strategie der Liga damit, man wolle nicht um Jahre in der zuletzt erfreulichen Entwicklung zurückgeworfen werden. Angesichts der Omnipräsenz des Fußballs sieht er zudem "eine Möglichkeit, mit unserem Re-Start eine andere Sportart daneben zu stellen". Er wolle "die BBL ein Stück weit ins Schaufenster stellen, auch ohne Zuschauer in der Halle".

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