Es war ja nicht so, als hätte Bayern Münchens scheidender Trainer Svetislav Pesic nicht vor den Stärken des Gegners gewarnt: „Trier forciert den Fastbreak extrem“, sagte der 76-jährige Serbe über die Gladiators Trier, die den deutschen Meister am Sonntag im Münchner SAP-Garden im ersten Playoff-Viertelfinal-Duell forderten. Immerhin hat Trier in dieser Saison durchschnittlich mehr als 35 Punkte pro Spiel in den ersten zehn Sekunden seiner Angriffe erzielt. Überhaupt stellt Trier den erfolgreichsten Angriff der Liga, samt Jordan Roland, dem besten Offensivspieler.
Und tatsächlich: Die Gladiators – der aus dem 2015 insolvent gegangenen TBB Trier hervorgegangene Aufsteiger – führten in München nach 18 Sekunden mit 2:0. Danach zeigte Roland, warum er so erfolgreich in der Offensive ist. Der 29-jährige US-Amerikaner aus Syracus, New York, traf per Dreier, traf mit Korblegern. Trier führte 21:11, 24:14, am Ende des ersten Viertels stand es 26:17 für den Außenseiter. Die Bayern ließen sich mit ihren Ballverlusten ständig in genau jene Fast-Break-Situationen hineindrängen, vor denen ihr Coach sie eindringlich gewarnt hatte. Es deutete nicht viel darauf hin, dass die Münchner nach einem entspannteren zweiten Viertel, in dem sie den Rückstand in eine 48:44-Führung umgewandelt hatten, doch noch einen souveränen 101:80-Auftaktsieg feiern würden.
Obst gegen Roland, dieses Duell galt als eines der spannendsten dieses Playoff-Viertelfinales, und zum Auftakt der Serie darf sich Andreas Obst erst mal als Sieger fühlen. Denn im Gegensatz zu Roland, der nach seinem wuchtigen Start ins Spiel (fünf schnelle Punkte) mehr und mehr abbaute und am Ende auf nur sieben Zähler kam, übernahm der Weltmeister die Initiative bei den Bayern. Am Ende steuerte er als Topscorer des Spiels 24 Punkte zum Sieg bei. Und weil auch Isiaha Mike (16), Oscar da Silva (13), Nenad Dimitrijevic (13), David McCormack (11) und Kapitän Vladimir Lucic (10) zweistellig punkteten, durften sich die Bayern nach ihrem Fehlstart als verdienter Sieger sehen. Was in der ersten Reihe Klub-Präsident Herbert Hainer, Lothar Matthäus und da Silvas Bruder Tristan, NBA-Spieler der kürzlich in den Playoffs gescheiterten Orlando Magic, mit respektvollem Klatschpappen-Applaus quittierten.
Dass die Münchner auf dem Weg ins Playoff-Finale straucheln, wäre ohnehin eine große Überraschung. Dank ihres gut bestückten Kaders gelten sie als Überteam der Bundesliga, alles andere als die nächste Meisterschaft wäre fast schon eine Blamage für sie. Zu sehr stehen sie auch unter Druck, den letzten verbliebenen Titel in dieser Saison zu gewinnen – in der Euroleague waren sie in der Hauptrunde gescheitert, dazu kam das Aus im Pokal-Halbfinale gegen Bamberg. Hinzu kommt, dass ihr Kader immer tiefer wird, weil Verletzte wie Justus Hollatz, der wegen einer Schulterprellung drei Spiele lang pausiert hatte, wieder zurückkehren.
Bereits an diesem Dienstag geht die Best-of-five-Serie weiter, wieder in München, die Gladiators bleiben daher in der Stadt ihres Gegners und bereiten sich dort auf die zweite Partie vor. Und dort dürften die Bayern-Basketballer dann wirklich gewarnt sein vor der schnellen Offense der Trierer. Der Gegner sei gerade deswegen schwer zu bespielen, sagte Münchens Weltmeister Johannes Voigtmann unmittelbar nach dem Spielende, „wir brauchen am Dienstag das gleiche Mindset, defensiv müssen wir noch ein, zwei Sachen verbessern“. Trainer Pesic fand: „Egal, wo wir spielen, in Trier oder hier, wir müssen Defense spielen. Da gibt es keine Ausrede.“


