Basketball-Meister FC BayernDie wichtigste Trophäe der Münchner Basketballgeschichte

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War doch klar? Nicht so ganz! Die Ulmer verlangten dem haushohen Meisterschaftsfavoriten aus München alles ab.
War doch klar? Nicht so ganz! Die Ulmer verlangten dem haushohen Meisterschaftsfavoriten aus München alles ab. (Foto: Mladen Lackovic/Imago)
  • Der FC Bayern München verteidigt seinen Basketball-Meistertitel durch einen 81:77-Sieg gegen Ratiopharm Ulm im fünften Finalspiel der Best-of-five-Serie.
  • Der SAP Garden in München ist in allen 27 Heimspielen der Saison ausverkauft, was laut Präsident Herbert Hainer ein "Basketball-Feuer" in der Stadt entfacht hat.
  • Der Titelgewinn schließt eine bis dahin eher enttäuschende Saison für die Münchner noch versöhnlich ab.
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Die Basketballer des FC Bayern gewinnen eine nervenaufreibende Finalserie gegen Ulm – und retten ihre Saison noch mit einem Titelgewinn. Doch weder die Erwartungen noch die Anforderungen an die Münchner werden künftig sinken.

Von Ralf Tögel

Es war die meistgestellte Frage des Abends: Ob denn nun die Freude oder die Erleichterung überwiege? Andreas Obst zog erst einmal genüsslich an seiner Meisterzigarre und überlegte, dann sagte er: „Tatsächlich die Freude, jetzt, also im Moment.“

Es war der Moment des Triumphs, der Titelverteidiger und große Favorit FC Bayern München hatte Ratiopharm Ulm im ausverkauften heimischen SAP Garden im fünften Finalspiel der Best-of-five-Serie 81:77 niedergerungen und damit seinen deutschen Meistertitel verteidigt. Nach dem 67:53-Sieg in Ulm vom Dienstag, der das Münchner Aus verhinderte, hatte Obst noch konstatiert, dass sein Körper auf Reserve laufe. Nun, da das 83. Saisonspiel gewonnen war, spülten die Endorphine sämtliche Gliederschmerzen weg. Teamkollege Johannes Voigtmann sprach von „einem sehr schönen Gefühl“, und ja, der Druck sei groß gewesen: „Es geht jetzt nicht um Leben und Tod, aber es geht schon um viel hier.“

Da ist das Ding: FC Bayern-Präsident Herbert Hainer (li.) mit Uli Hoeneß, dem Ehrenpräsidenten und Macher des Basketballprojekts, sowie Geschäftsführer Marko Pesic (rechts).
Da ist das Ding: FC Bayern-Präsident Herbert Hainer (li.) mit Uli Hoeneß, dem Ehrenpräsidenten und Macher des Basketballprojekts, sowie Geschäftsführer Marko Pesic (rechts). (Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/Imago)

Das war den Münchner Akteuren in den Schlussminuten des letzten und wichtigsten Saisonspiels anzusehen. Denn der Gegner aus Ulm wollte sich einfach nicht geschlagen geben. Die Bayern begannen entschlossen, führten zwischenzeitlich mit 17 Punkten, aber die Ulmer krochen immer wieder heran – zur Pause auf sieben Punkte (41:48), vor dem letzten Viertel sogar auf deren vier (61:65). Und im finalen Durchgang zogen sie, angeführt von Karim Jallow, der wieder mit Wucht voranging und mit 22 Punkten den Bestwert des Abends erzielte, sogar 66:65 in Führung.

Längst tobte das Duell in den Köpfen der Spieler: Nationalspielern und NBA-erfahrenen Routiniers unterliefen leichte Fehler, die Führung wechselte hin und her – bis Weltmeister Voigtmann mit zwei erfolgreichen Dreiern den 73:75-Rückstand drehte. Das konterten selbst die tapferen Schwaben nicht mehr, denen auch ohne Trophäe großer Respekt gebührt.

Zumal es einigen Wirbel um die beiden letzten Spiele gegeben hatte, weil zeitgleich der NBA-Draft stattfand, zu dem Noa Essengue und Ben Saraf, zwei Ulmer Akteure, gemeldet waren. Die BBL hatte eine Verlegung der Playoff-Partien vier und fünf abgelehnt. Der 18-jährige Franzose Essengue flog nach New York, weil er sich das für ihn einmalige Spektakel der Talentschau nicht entgehen lassen wollte. Der ein Jahr ältere Israeli Saraf blieb in Ulm – und beendet die Saison mit einer großen Enttäuschung. Vielleicht ist es ihm ein Trost, dass er fortan bei den Brooklyn Nets in der weltweit stärksten Basketballliga spielen wird; Essengue wird für die Chicago Bulls auflaufen.

Kluges Scouting und eine Talentschmiede: Mit den Ulmern wird auch künftig zu rechnen sein

Während Ulms Geschäftsführer Thomas Stoll vor dem letzten Spiel noch Giftpfeile über die sozialen Medien nach München schoss, wollte Trainer Ty Harrelson die Sache nicht dramatisieren. Sicher, ihm habe ein Schlüsselspieler gefehlt, bekannte der US-Amerikaner, ob das den Verlauf geändert hätte, könne niemand sagen. Natürlich sei er riesig enttäuscht, gab Harrelson zu, aber „ich bin stolz auf meine Spieler, den Charakter dieser Mannschaft, unseren Klub. Nicht nur wegen heute, sondern wegen der ganzen Saison“. Zumal es für den großen Coup fast gereicht hätte: „Wir haben uns zurückgekämpft und hatten die Möglichkeiten, den Sack zuzumachen.“ Auch ohne die beiden in die NBA abwandernden Spieler wird künftig mit den Schwaben zu rechnen sein. Seit Jahren verstehen sie es, Talente zu suchen und diese in ihrer Nachwuchsakademie zu veredeln.

Mit dem neuen und alten Meister ist ohnehin zu rechnen. Denn diesem Münchner Kader konnte kein Bundesligakonkurrent nominell das Wasser reichen: Obst, Voigtmann, Niels Giffey und Justus Hollatz sind Weltmeister, Oskar da Silva und Nick Weiler-Babb Nationalspieler; hinzu kommen international erfahrene Topspieler wie Kapitän Vladimir Lucic und Devin Booker, der am Donnerstag mit 19 Punkten Topscorer war, und die NBA-erfahrenen Carsen Edwards (der die kompletten Playoffs verletzt gefehlt hatte) und Shabazz Napier. Letzterer wurde zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt, er lief abwechselnd mit seinem Töchterchen oder der Trophäe im Arm durch die Halle und kündigte eine lange Nacht an.

Pesic bei den Bayern-Basketballern
:Der Architekt ist müde

Nach 15 Jahren wird Marko Pesic als Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern am Jahresende aufhören. Er hat als Novize begonnen und hinterlässt einen der am besten organisierten Vereine in Europa. Nun arbeitet er seinen eigenen Nachfolger ein.

Von Ralf Tögel

Diese Meisterschaft dürfte nach dem Aus im Pokalhalbfinale sowie dem Verpassen der Euroleague-Playoffs wohl der wichtigste der bisher sieben errungen Titel für die Münchner sein. Daran hatte Präsident Herbert Hainer kaum Zweifel gelassen: „Wenn wir heute verlieren, ist die ganze Saison im Eimer.“

So aber haben es die Basketballer den Fußballern gleichgetan und eine bisher enttäuschende Saison erfolgreich zu Ende geführt. Er sei im Übrigen der erste Präsident, sagte Hainer lächelnd, „der alle drei deutschen Meistertitel gewonnen hat“ – im Fußball der Frauen und Männer sowie im Basketball. Und der Präsident erinnerte an einen weiteren Erfolg, denn inklusive der finalen Partie waren alle 27 Heimspiele in der 11 500 Zuschauer fassenden Heimstätte ausverkauft: „Wir haben hier in München ein Basketballfeuer entfacht.“ Maßgeblichen Anteil daran hatte der zum Jahresende scheidende Geschäftsführer Marko Pesic. Dem war die Anspannung auch nach dem Triumph noch anzusehen. „Das war eine sehr anstrengende Saison, aber daran wird der Verein wachsen. Gott sei Dank haben wir das noch gewuppt.“

Um das Feuer am Lodern zu halten, versprach Hainer auch für die kommende Saison eine spielstarke Mannschaft. Nur wenn die Zuschauer „guten Basketball sehen, kommen sie auch in die Halle“. Zumal weder Erwartungen noch Anforderungen sinken werden, denn die Euroleague wird ihr Feld auf 20 Teams aufstocken, die Bundesliga auf 18. Und dem Vernehmen nach werden die Münchner in Weiler-Babb und Booker zwei Schlüsselspieler an finanziell potentere Euroleague-Kontrahenten verlieren. Edeltalent Ivan Kharchenkov geht zudem an ein US-College. Und die Zukunft von Napier und Edwards ist offen.

Für Trainer Gordon Herbert, der neben dem WM-Titel nun eine weitere deutsche Meisterschaft in seinem Lebenslauf stehen hat (2004 triumphierte er mit Frankfurt), ist das momentan nicht von Belang. „Ich bin einfach nur stolz auf die Spieler. Für mich und die Nationalspieler war es der 365. Tag nacheinander bei der Arbeit. 365 Tage. Es ist schön, dass das Jahr so geendet ist. Und nun? „Erholung, mehr weiß ich jetzt nicht.“

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