Süddeutsche Zeitung

Basketball:Brose steigt aus

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Unternehmenschef Michael Stoschek gibt den Verkauf der Anteile am Bamberger Bundesligisten und seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat bekannt. Hauptsponsor will er mit Brose bleiben - er fordert aber mehr Unterstützung.

Von Christoph Leischwitz und Ralf Tögel

Natürlich, angekündigt war dieser Schritt schon länger, das hatte Michael Stoschek am Dienstag betont. Dass seine Mitteilung dennoch Aufsehen erregen würde, dürfte dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Bamberger Basketballer dennoch klar gewesen sein. Denn Stoschek ließ nun wissen, dass der Bundesligist Brose Bamberg sehr bald auf seinen Namenssponsor verzichten muss. Stoschek ist Verwaltungsratschef des namengebenden Autozulieferers und hatte bereits vor zwei Jahren angesichts der Corona-Krise geplant, Geschäftsanteile der Basketball-GmbH abzugeben. Es gab zwar Verkaufsverhandlungen, aber letztlich keinen Abschluss, weshalb Brose als Mehrheitsgesellschafter weitermachte.

Gleichwohl wurde der Verkauf weiter verfolgt. Mit drei Interessenten sind die Verhandlungen nach SZ-Informationen bereits sehr weit gediehen, zwei weitere werden noch gesucht. Wofür Stoschek nun bei einem Pressetermin höchstselbst Werbung machte. Dem Vernehmen nach werden Anteile zu jeweils 50 000 Euro vergeben, was die von der Basketball-Bundesliga (BBL) geforderte Eigenkapitalsumme von 250 000 Euro abdecken würde.

Die Namensänderung soll nach der Saison erfolgen, dann werde Stoschek wie sein Sohn Maximilian aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. Wie der neue Klub dann heißen wird, ist offen, Stoschek gab aber gleich eine Empfehlung ab: Er würde Bamberg Baskets präferieren. Bei den folgenden Überlegungen diesbezüglich sollen dem Vernehmen nach auch die Fans mit einbezogen werden.

Stoschek hat nach eigenen Ausführungen "in den letzten Jahren rund 85 Millionen Euro" in den Verein gesteckt

Es ist Stoschek, der nach eigenen Ausführungen "in den letzten Jahren rund 85 Millionen Euro" in den Verein gesteckt habe, wichtig, diesen nicht im Regen stehen zu lassen. Zumal er maßgeblichen Anteil daran hatte, die Bamberger Basketballer zu jener internationalen Marke zu entwickeln, die den Standort und auch sein Unternehmen mit neun deutschen Meistertiteln und sechs Pokalsiegen zierte. Daher veräußere er sämtliche Anteile an der Bamberg Basketball GmbH für den symbolischen Preis von einem Euro: "Wie ich meine, eine sehr großzügige Geste." Diese ist mit der Hoffnung verbunden, so schneller weitere Interessenten zu finden. Den erhofften Neuanfang werde sein Unternehmen tatkräftig begleiten, so Stoschek: "Wenn die Fortführung der Basketballgesellschaft mit neuen Gesellschaftern zum Saisonende gelingt, steht Brose auch für die nächsten Jahre als Hauptsponsor zur Verfügung." Was sich nach SZ-Informationen pro Saison im unteren Drittel eines siebenstelligen Bereichs niederschlagen wird.

Als offiziellen Grund für den Ausstieg nennt der 75-Jährige, dass die Satzung des Unternehmens kein weiteres Namenssponsoring erlaube, zumal der Begriff Brose Bamberg "für Verwirrung" sorge. Zugleich erinnerte Stoschek an fehlende Unterstützung. Er erwarte sich in Zukunft "ein deutlich größeres Engagement von der Bamberger Wirtschaft, vom Bamberger Stadtrat und von der Bamberger Stadtverwaltung". Denn es könne nicht sein, "dass unser oberfränkischer Liga-Kollege in Bayreuth eine stärkere regionale wirtschaftliche und öffentliche Unterstützung erhält als der Bamberger Basketball". Es gelte schließlich, den Begriff der "Freak City", wie der oberfränkische Basketball-Standort genannt wird, nicht allein den tollen Fans zu überlassen, sondern selbst Begeisterung zu zeigen.

Rein sportlich ging es für die Mannschaft zuletzt wieder aufwärts. Nach drei Bundesliga-Siegen in Serie, insbesondere dem Erfolg am Sonntag gegen den Tabellenvierten Oldenburg, steht das Team von Oren Amiel zumindest auf dem Playoff-Platz acht. Mittelfristig scheint sich der Bundeslist allerdings keine größeren Sorgen um seine Zukunft machen zu müssen: Mit seiner Erklärung wendet Stoschek dem Bamberger Basketball nicht den Rücken zu, es handelt sich eher um einen Appell, die damit entstehende große Lücke so gut wie möglich aufzufüllen.

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