Basketball-Finale:Die Tanknadel kippt in den roten Bereich

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Basketball-Finale: Wer hat hier die größeren Kraftreserven? Albas Maodo Lo (links) im Duell mit Münchens Nick Weiler-Babb.

Wer hat hier die größeren Kraftreserven? Albas Maodo Lo (links) im Duell mit Münchens Nick Weiler-Babb.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Drei Spiele in 100 Stunden fordern ihren Tribut: Die Bayern-Basketballer sind Alba Berlin im ersten Finalspiel drei Viertel lang ebenbürtig. Dann brechen sie komplett ein.

Von Sebastian Winter

Das Spiel war nicht zu Ende, die Bayern-Basketballer noch nicht geschlagen, da ließ sich an Vladimir Lucics Gesicht ablesen, dass die Reserven aufgebraucht waren. Der Co-Kapitän der Münchner hatte sich nach einem Ballverlust noch einmal zurückgeschleppt zum eigenen Korb, seinem Kollegen Nick Weiler-Babb war dabei ein fast schon heroischer Block geglückt. Aber Lucic fand nicht mal mehr die Kraft, Weiler-Babb zu beglückwünschen. Er atmete einfach nur durch, in gebeugter Haltung, und seine Mimik verriet: Leute, es geht nicht mehr.

Lucic waren nur vier Punkte geglückt an diesem Freitagabend in der Hauptstadt, im ersten Spiel der Playoff-Finalserie gegen Alba Berlin. Sein Offensivgeist fehlte, ebenso jener des Bayern-Kapitäns Nihad Djedovic (fünf Punkte), andererseits waren ja Andreas Obst mit seinen Dreiern oder Weiler-Babb, dem neben zehn Zählern auch sechs Assists gelangen, eingesprungen. Nur: Im letzten Viertel, fünf Minuten vor Schluss, da funktionierte auch bei den besten Gäste-Schützen nicht mehr allzu viel.

Wenn man der Statistik glaubt, dann haben die Münchner die Partie wegen ihrer weitaus schlechteren Zweier-Quote: (41:64 Prozent) und ihrer besorgniserregenden Rebound-Quote (22:31) mit 73:86 gegen Berlin verloren. Aber dies war eher kein Spiel für die Statistiker, sondern eines, in dem beide Mannschaften sehr lange Zeit auf einem Niveau spielten - und den Bayern, die 48 Stunden zuvor Bonn im entscheidenden fünften Halbfinalspiel niedergerungen hatten, am Ende schlicht die Puste ausging. Oder, wie es Bayern-Trainer Andrea Trinchieri formulierte: "Uns ist ganz sicher der Kraftstoff ausgegangen. Wir hatten jetzt drei Spiele in den letzten sechs Tagen und mussten reisen." Das war noch untertrieben, eigentlich sind es drei Spiele binnen nicht mal 100 Stunden gewesen. Die Berliner dagegen: Kamen locker-leicht per 3:0-Sweep gegen Ludwigsburg ins Endspiel und sahen sich die Münchner Mühen gegen Bonn wohl mit einem breiten Grinsen vom Sofa aus an.

"Wir haben jetzt einen Tag frei, um uns wieder aufzuladen", sagt Trinchieri

Und je länger das Spiel in Berlin dauerte, desto mehr spürten die Alba-Akteure, wie bedrohlich die Münchner Tanknadel in den roten Bereich kippte. Nachdem die Bayern vor mehr als 10 000 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof das dritte Viertel noch mit einer 62:61-Führung beendet hatten, wechselte Alba Center Jean-Marc Christ Koumadje ein, der den Münchnern im Schlussabschnitt seinen je nach Quelle 2,21 bis 2,24 Meter langen Körper in der Defense entgegenstellte - und auf der anderen Seite des Feldes zwei Dunkings machte. Bei einem davon wirkte Bayerns auch nicht gerade kleiner Lucic im "Zweikampf" mit Koumadje wie ein Schuljunge, der sich vergeblich nach den im obersten Küchenregal versteckten Zuckerstangen streckt.

Basketball-Finale: Längere Arme, längerer Atem: Berlins Louis Olinde behielt gegen Augustine Rubit den Überblick und hatte zum Schluss wie die gesamte Alba-Mannschaft mehr Energie als die Münchner.

Längere Arme, längerer Atem: Berlins Louis Olinde behielt gegen Augustine Rubit den Überblick und hatte zum Schluss wie die gesamte Alba-Mannschaft mehr Energie als die Münchner.

(Foto: O.Behrendt/Contrast/Imago)

Koumadje brachte Berlin jene frische Brise, die eigentlich die Bayern gebraucht hätten. Doch sie hatten niemanden mehr, der dazu imstande gewesen wäre. Und so beging Augustine Rubit ein Offensivfoul, so verfehlte der eher enttäuschende Zan Mark Sisko mehrmals den Korb, Othello Hunter, Deshaun Thomas, Weiler-Babb, Obst - sie alle trafen nicht mehr. Berlin gelang dagegen ein 11:0-Lauf, 25:11 demütigten sie die Münchner im letzten Viertel.

Für die Bayern war es Pflichtspiel Nummer 81 in dieser Saison, die Berliner haben kaum weniger absolviert. Schon das Auftaktduell deutet an, dass jener Klub Meister wird, der über die größeren Kraftreserven verfügt. Die Bayern, gebeutelt von drei Corona-Schockwellen während der Saison, hatten sie nicht, Berlin hat nun seine fast schon unheimliche Serie auf 18 Siege hintereinander ausgebaut. "Wir haben jetzt einen Tag frei, um uns wieder aufzuladen", sagte Trinchieri, sein Berliner Kollege Israel Gonzalez warnte schon mal: "Sie waren schon oft in sehr schwierigen Situationen und haben die Erfahrung, um sie zu lösen." Es darf ihnen am Dienstag halt nur nicht wieder das Benzin ausgehen.

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