Es könnte der notwendige Impuls für ein lange gehegtes Vorhaben von Alba Berlin sein: Wenn die nordamerikanische Profiliga NBA tatsächlich den geplanten Europa-Ableger in die Tat umsetzt, will der Berliner Traditionsklub die daraus erhofften finanziellen Möglichkeiten als Anschub für den Bau einer neuen Halle nutzen. Noch allerdings steht der Konjunktiv über diesen Vorhaben, denn bisher hat die NBA zwar mehrmals Bekundungen und Absichtserklärungen gegeben, über die Finanzierung allerdings wenig Belastbares geäußert. Am Zeitplan, dass die NBA Europe im Oktober 2027 starten soll, will NBA-Commissioner Adam Silver dennoch festhalten.
Im Januar hatte der starke Mann der amerikanischen Glitzerliga die große Aufmerksamkeit beim Berlin-Gastspiel der NBA mit der Partie der Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies genutzt, um weiter Werbung für das kontinentale Projekt zu machen. Selbiges sehe prominente Standorte wie London, Paris, Madrid, Barcelona, Mailand, Rom, Athen oder Istanbul vor, sowie die deutschen Vertreter München und Berlin.
Kleiner Pferdefuß: Die meisten dieser Städte haben traditionsreiche Profiklubs, die seit Jahrzehnten in der privatwirtschaftlich organisierten Euroleague verdingt sind. Eine zweite prominente Spielserie wäre wohl kaum ohne Kannibalisierungseffekte zu realisieren. Entsprechend deutlich schloss der litauische Euroleague-Geschäftsführer Paulius Motiejunas eine ins Spiel gebrachte Kooperation ursprünglich kategorisch aus.
Was wiederum einigen Klubs offenbar missfiel, jedenfalls wurde die Amtszeit des Litauers Ende Januar vorzeitig beendet und Jesus Bueno zum Nachfolger durch jene 13 Vereine gewählt, die Lizenzen an der Euroleague besitzen. Der 56-jährige Spanier war zwölf Jahre für die NBA als Vizepräsident für die Business-Entwicklung in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika tätig, dementsprechend hat sich zumindest der Ton zwischen den Konkurrenten entspannt. Hatte Motiejunas noch rechtliche Schritte gegen das offensive Werben der NBA um die europäischen Topklubs angekündigt, will Bueno nun zumindest über Gespräche mit der NBA „nachdenken“.
Zur Finanzierung des Ganzen führte Silver bisher nur vage ein Konsortium von US-amerikanischen Banken sowie potenzielle Geldgeber aus dem arabischen Raum an, zudem sollen die umworbenen Klubs eigene Investoren suchen. Für erhellende Details allerdings sei es noch zu früh. Wie weit die Planungen hinter den Kulissen gediehen sind, bleibt folglich nach wie vor offen.
Für Alba Berlin wäre es gleichwohl die willkommene Gelegenheit, das lange schwelende Problem einer eigenen großen Halle zu lösen. Bisher spielen die Basketballer in der Uber Arena am Ostbahnhof, die der Anschutz Entertainment Group gehört. Hohe Mietkosten, Terminprobleme und teilweise geringe Auslastung belasten den Verein seit geraumer Zeit. Die Euroleague hat man vergangene Saison verlassen, um in der unterklassigen Champions League zu spielen und nach einer Alternative zu suchen.
Die in Aussicht gestellte Teilnahme an der NBA Europe könnte Abhilfe schaffen, zumal sie auch eine finanzielle Beteiligung in Aussicht stellt. Wie die Berliner Morgenpost nun berichtet, steht der Bau einer Halle mit bis zu 15 000 Zuschauerplätzen im Berliner Südosten im Raum. Alba-Geschäftsführer Marco Baldi jedenfalls wird am Freitag im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses eine Machbarkeitsstudie präsentieren. Womit er bei der Stadt offene Türen einrennen dürfte, die dem Klub den Wunsch gerne erfüllen würde und für den Bau der Halle nebst einem Trainingszentrum ein Gelände in Landesbesitz zur Verfügung stellen könnte.
An den Kosten, die in dreistelliger Millionenhöhe liegen dürften, will sie sich allerdings nicht beteiligen. Die wohl derzeit einzig belastbare Aussage zur Finanzierung des Projekts.


