Basketball:Ab ins Eisbad

Lesezeit: 3 min

Basketball: "Gute Energie": Ognjen Jaramaz war Topscorer des Spiels mit 16 Punkten.

"Gute Energie": Ognjen Jaramaz war Topscorer des Spiels mit 16 Punkten.

(Foto: Philippe Ruiz/imago)

Ognjen Jaramaz besticht beim Euroleague-Sieg der Bayern-Basketballer über Zalgiris Kaunas mit seinen offensiven und defensiven Fähigkeiten - und bekommt ein Extralob von Trainer Andrea Trinchieri.

Von Sebastian Winter

Per Mertesacker war es, der der Eistonne am 30. Juni 2014 zu einigem Ruhm verhalf. "Ich lege mich jetzt erstmal drei Tage in die Eistonne", sagte der Abwehrspieler nach dem Einzug ins Viertelfinale der Fußball-WM in Brasilien - genervt von kritischen Fragen des ZDF-Reporters zum mühsam erkämpften Achtelfinal-Erfolg gegen Algerien. Eistonne? Der Weltöffentlichkeit war dieses Phänomen damals noch gar nicht so geläufig.

Man weiß nicht, ob Ognjen Jaramaz sich dieses lustige Interview schon einmal angesehen hat, es müsste für den serbischen Basketballspieler wohl übersetzt werden, ganz so mächtig ist er der deutschen Sprache nach nicht einmal einem halben Jahr in München noch nicht. Aber eines weiß Jaramaz ganz sicher: Drei Tage in der Eistonne - das würden weder Mertesacker noch er überleben. Am Dienstagabend nahm Jaramaz eines dieser aus dem Profisport kaum mehr wegzudenkenden Eisbäder in den Katakomben des Audi Domes, sein Klub, der FC Bayern München, hatte gerade das Euroleague-Spiel gegen Zalgiris Kaunas 74:65 (34:33) gewonnen. Und der abkühlende Jaramaz hatte keine Scheu, während des Bades noch ein paar SZ-Fragen am Handy zu beantworten.

Trinchieri coachte den 1,93-Meter-Mann bereits in der Saison 2019/20 bei Partizan Belgrad

"Ich brauche dieses Eisbad jetzt", sagte Jaramaz also, er hatte sich ja auch aufgeopfert in diesem intensiven Spiel, in dem die Bayern sich ihrer Führung nie wirklich sicher sein konnten. Der 26-Jährige war quasi überall auf dem Court, auch dort, wo es weh tat. Und dann sagte er einen entscheidenden Satz: "Das war mein bestes Euroleague-Spiel bei den Bayern." Auch die Statistiken belegten diesen Satz, Jaramaz war Topscorer des Spiels mit 16 Punkten, drei seiner fünf Dreier fanden ihren Weg ins Ziel und fünf seiner sechs Freiwürfe. Jaramaz, und das ist das Wichtige auch für seinen Trainer Andrea Trinchieri, dessen Spiel auf einer sicheren Defensive aufbaut, war gegen Kaunas aber auch ein Abwehrpfeiler. Drei Rebounds gelangen ihm unter dem eigenen Korb, zwei Steals, er stand seinen Gegenspielern mit seinem bulligen Körper oft auf den Füßen. "Es sind nicht nur die 16 Punkte, auch meine Leistung in der Defense macht mich glücklich", sagte Jaramaz, der Shooting Guard.

Mit seinen Dreiern war er neben den ebenfalls treffsicheren Vladimir Lucic und Andreas Obst außerdem dafür verantwortlich, dass die Münchner ihre schlimme Quote aus der Ferne beim Spiel gegen Chemnitz vergessen machten. "Sein Spiel spricht für sich. Er hat großartig in Offense und Defense gespielt. Er war extrem hilfreich, ein Guard mit einer kompletten Stat-Line", sagte Bayern-Trainer Andrea Trinchieri über Jaramaz und dessen ausgezeichnete statistische Werte. Trinchieri weiß schon, was er an dem 1,93-Meter-Mann hat, den er in der Saison 2019/20 bereits bei Partizan Belgrad coachte.

46 Stunden später kommt der AS Monaco, ein Tabellennachbar im Kampf um die Playoff-Teilnahme

Die Bayern begannen gut gegen Litauens Serienmeister Kaunas, ließen sich aber von der harten Spielweise des Gegners beeindrucken und lagen plötzlich mit 21:29 zurück. Danach befreiten sie sich und trafen endlich auch die einfachen Punkte am Korb, von denen sie einige verschenkt hatten in diesem Spiel. "Der Schlüssel war heute die gute Energie von mir und dem ganzen Team", sagte Jaramaz. Diese Energie war auch nötig, um den aktuellen Tabellenletzten der Euroleague zu zähmen. An diesem Donnerstag (20.30 Uhr) dürfte wohl eine noch konzentriertere Vorstellung vonnöten sein, um auch den AS Monaco im heimischen Audi Dome zu schlagen, einen direkten Nachbarn im Tabellenmittelfeld, der wie die Münchner um die Playoff-Teilnahme kämpft. "Wir verbessern uns in der Verteidigung, jetzt müssen wir uns auch im Angriff weiter steigern, das ist auch eine psychologische Sache", sagte Trinchieri.

Am Ende des Telefonats war Ognjen Jaramaz dann dem kühlen Bad entstiegen, "zehn Minuten, das ist genug", sagte er. So lautet auch der Rat von Experten, was die Dauer der Kaltwasserimmersion, wie das Eisbad in Fachkreisen heißt, betrifft. Die Durchblutung wird verstärkt, der Abtransport von Stoffwechselprodukten dadurch gefördert. Man erholt sich schneller - und hat im Idealfall weniger Muskelkater. Keine schlechte Sache also, wenn das nächste Spiel schon 46 Stunden später beginnt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB