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Baseball:Zurück zum Angriff

Lange Zeit stand er für andere Vereine an der ersten Base, im Winter wechselte er wie viele andere nach Regensburg: Michael Stephan.

(Foto: Stephan Rumpf)

Am Wochenende startet die Baseball-Bundesliga in die neue Saison. Regensburg hofft, nach einem Umbruch wieder die Playoffs zu erreichen und zum sechsten Mal deutscher Meister zu werden.

Von Christoph Leischwitz

Wenn das gallische Dorf erfolgreicher ist als die Legionäre, macht das ganze Spiel natürlich umso mehr Spaß. Doch Michael Stephan ist im vergangenen Herbst dann trotzdem der Spaß vergangen. Der 29-Jährige hatte sowohl als Spieler wie auch als Manager der München-Haar Disciples viel dazu beigetragen, dass die Mannschaft zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erreichte - und dort auch nur denkbar knapp scheiterte. Dann aber war plötzlich und überraschend Schluss, sein hauptamtlicher Vertrag wurde nicht verlängert. Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass sich der langjährige Disciple "Mitch" und andere Entscheider im Verein schon lange auseinandergelebt hatten. Im Winter wechselte Stephan dann zum Ligakonkurrenten aus der Oberpfalz, den Legionären.

Am Wochenende startet die Bundesliga in die neue Saison, Regensburg spielt am Samstag gegen Stuttgart, und der Mann an der ersten Base wird mit seinem Wechsel dazu beitragen, die alte Baseball-Ordnung in Bayern wiederherzustellen: Die Disciples werden sich schwertun, heuer wieder die Playoffs zu erreichen. Die Legionäre hingegen hatten eben diese 2017 zum ersten Mal seit 16 Jahren verpasst. Es war eine Schmach, die das Team aus dem Stadtteil Schwabelweis offensichtlich nur einmal braucht, um wieder voll anzugreifen. Alles spricht dafür, dass der fünffache Deutsche Meister die Saison wieder deutlich besser abschließen wird. "Back to attack" steht nun auf den Legionäre-Publikationen geschrieben, zurück zum Angriff.

Michael Stephan ist nur einer von neun neuen Spielern und Rückkehrern. Abgesehen von Stephan, der mehrere Bundesliga-Angebote hatte, seien viele von sich aus gekommen: Darunter der 36-jährige Routinier Michael Weigl genauso wie der 24-jährige, ehemalige Regensburger Internatsspieler Eric Harms, der nach vier Jahren in den USA zurückkehrt. Jetzt besteht der Kader aus 24 Spielern. Weil im Baseball nur neun gleichzeitig auf dem Feld stehen können, hat sich der Konkurrenzkampf quasi von selbst ausgerufen. "Wenn die Jungs wissen, was auf sie zukommt, ist das alles nicht so schlimm", sagt Cheftrainer Kai Gronauer, der aber auch davon spricht, einige Spieler "bei Laune halten" zu müssen. Doch die Motivation scheint hoch zu sein, das zeigte auch das Trainingslager in Barcelona vergangene Woche. Die Spieler zahlten einen Teil der Reise selbst, manche fuhren 16 Stunden mit dem Auto.

"Die Spieler waren ja selbst nicht zufrieden", sagt Gronauer über die vergangene Saison. Also wurde intensiver und öfter trainiert, seit Oktober fünf Mal pro Woche. Die ersten Eindrücke von den Testspielen gegen den Aufsteiger Berlin Flamingos (10:0, 11:2) sind vielversprechend. "Wenn die Pitcher gesund bleiben, können wir weit kommen", sagt auch Stephan. Auf dieser Position spielt auch der einzige US-amerikanische Zugang: Billy Greenfield.

Wie weit sie dann tatsächlich kommen, scheint den Legionären erst einmal gar nicht so wichtig zu sein, Hauptsache Playoffs. Der Modus hat sich jedoch geändert. Die so genannten Interleague-Spiele nach der Punkterunde mit den Besten aus dem Norden wurden nach einem Jahr schon wieder abgeschafft, dafür stehen ab August sechs Spieltage an, bei denen sich die vier Besten der Tabelle noch einmal untereinander messen. Das Viertelfinale wird abgeschafft. Ob Regensburg wieder stark genug ist, den Sprung ins Halbfinale zu schaffen, vermag niemand zu sagen. Aber das einzige Problem, das Gronauer im Moment noch zu haben scheint, sind die vielen neuen Namen. "Mic, äh, Mitch", sagt er, als er aus Versehen auf Michael Weigl zu sprechen kommt, wo er doch Michael Stephan meinte - mit den Spitznamen müsse er sich noch etwas einfallen lassen. Sein Kader ist eben ganz schön groß.

© SZ vom 28.03.2018
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