Los Angeles Dodgers gewinnen World Series30 Minuten, die in die Baseball-Geschichte eingehen

Lesezeit: 3 Min.

Als erstes Team seit 25 Jahren verteidigen die Los Angeles Dodgers ihren Titel in der Major League Baseball. Clayton Kershaw reckt nach dem Erfolg die Trophäe in den Himmel.
Als erstes Team seit 25 Jahren verteidigen die Los Angeles Dodgers ihren Titel in der Major League Baseball. Clayton Kershaw reckt nach dem Erfolg die Trophäe in den Himmel. (Foto: Kevin Sousa/Imagn/Reuters)
  • Die Los Angeles Dodgers gewinnen das entscheidende siebte Spiel der World Series gegen die Toronto Blue Jays und verteidigen ihren MLB-Titel.
  • Miguel Rojas beendet seine Baseball-Karriere spektakulär mit dem Ausgleichstreffer zum 4:4 und einer entscheidenden Defensivaktion in der Verlängerung.
  • Die Dodgers haben mit 396 Millionen Dollar offiziell das höchste Gesamtgehalt der Liga und bezahlen sogar Spieler wie Max Scherzer, die gegen sie spielen.
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Die Los Angeles Dodgers stehen im entscheidenden siebten Spiel der MLB-Finalserie mehrfach vor der Niederlage gegen die Toronto Blue Jays – bis zu einer entscheidenden Reihe von Aktionen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Erst einmal die Fakten: Die Los Angeles Dodgers gewinnen das entscheidende siebte Spiel der World Series gegen die Toronto Blue Jays und verteidigen damit ihren Titel in der Baseballliga MLB.

Das ist die reine Meldung, die trockene Zusammenfassung. Dahinter allerdings steckt alles, was die Sportart Baseball so faszinierend und wunderbar macht. Zunächst hat das zweifelsfrei beste Team der Liga gewonnen. Baseball ist, bei allen physischen Leistungen, der Sport der Statistiktüftler – und die stellen am Ende fest, dass sich die Dodgers mit unanständig viel Geld einen Kader gebastelt haben, der zu 99,9 Prozent von keinem Team in einer Sieben-Spiele-Serie besiegt werden kann. Das offizielle Gesamtgehalt beträgt 396 Millionen Dollar. Insgesamt dürfte es sogar in etwa eine halbe Milliarde sein – etwa weil die Dodgers Spielern wie dem japanischen Superstar Shohei Ohtani den Großteil des 700-Millionen-Vertrags erst später auszahlen und weil sie sogar Leute bezahlen, die mittlerweile gegen sie spielen.

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Beispielsweise Max Scherzer, der in dieser siebten Partie für Toronto begann. Er war 2021 für die Dodgers tätig, und die Kalifornier schulden ihm für dieses eine Jahr noch immer zwölf Millionen Dollar. Das legt nahe, dass nicht alles, was das Dodgers-Management tut, klug oder gar clever ist – und damit wären wir beim romantisch-wundersamen Teil dieser Sportart. Es hatte in der Serie (Toronto lag 3:2 vorn und hatte noch zwei Heimspiele) und auch im entscheidenden Spiel lange so ausgesehen, als würden die 0,1 Prozent wahr werden und Außenseiter Blue Jays tatsächlich gewinnen: 4:3 führten die Kanadier im letzten Abschnitt, und ausgerechnet Scherzer, der bei L.A. auf der Payroll steht, machte sich für seine Rolle als offizieller „Winning Pitcher“ bereit.

Miguel Rojas beendet seine Karriere mit zwei spektakulären Aktionen

Doch dann trat ausgerechnet jener Dodgers-Profi auf den Plan, der nach der Partie seine Karriere beenden würde: Miguel Rojas schlug den Ball zum Ausgleich auf die Tribüne und schaffte kurz darauf in der Defensive auch noch ein Hand-Augen-Koordination-Kunststück, verhinderte damit um Millimeter den Blue-Jays-Triumph und erzwang die Verlängerung. Man kann eine Laufbahn nicht besser beenden als Rojas in diesen 30 Minuten. Dazu kam, dass ein Dodgers-Spieler einen 100-Meter-Ball fing, obwohl er gleichzeitig von einem Kollegen gerempelt wurde: Wäre diese Aktion misslungen, wäre es der Titel für die Blue Jays gewesen.

Schließlich prügelte Will Smith – nicht zu verwechseln mit dem Entertainer – für L.A. den Ball auf die Tribüne. Und Yoshinobu Yamamoto sicherte den Sieg, nachdem er am Tag davor mit 96 Würfen das Entscheidungsspiel erzwungen hatte; für derart viel beschäftigte Werfer eigentlich unerhört, an zwei Tagen nacheinander eingesetzt zu werden. Ausnahmespieler Yamamoto hatte bereits im zweiten Spiel überragt und wurde schließlich zum MVP der Finalserie gewählt.

Baseball wird aufgrund seiner Langsamkeit – Spieldauer im Schnitt heuer: 156 Minuten; tatsächliche Spielzeit davon: 18 Minuten – oft als Relikt einer längst vergangenen Zeit gesehen. Und dann gelang es der Sportart wie so oft, das Ende einer Saison mit 2477 Partien auf ein 5:4 im letzten Abschnitt des allerletzten Spiels der Finalserie zuzuspitzen. Prompt bewirkte Rojas’ Homerun eine 30-minütige Verlängerung, in deren Verlauf viele Amerikaner am Halloween-Samstagabend erst live einschalteten.

Am Tag danach hatten die Baseball-Fans viele Geschichten zu erzählen: über Dodgers-Legende Clayton Kershaw, der in der World Series kurz auf dem Hügel stand und seine Karriere nach 18 Jahren bei nur einem Verein am Samstag beendete. Über den zerbrochenen Schläger beim letzten Schlag der Blue Jays (zerbrochene Schläger haben eine reiche Tradition in der Mythologie dieser Sportart). Und darüber, wo sie, die Anhänger, während dieser 30 magischen Minuten gewesen sind. Zumindest sportlich nahm das Jahr für Los Angeles ein vorläufig versöhnliches Ende nach den Waldbränden, Razzien der Einwanderungsbehörde oder dem Entsenden der Nationalgarde.

Dabei klingt die Nachricht so unspektakulär: Die Los Angeles Dodgers gewinnen das entscheidende siebte Spiel der World Series gegen die Toronto Blue Jays und verteidigen ihren Titel in der MLB.

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