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Baseball:Unlogischer Heimvorteil

Schon sieben Homeruns auf dem Konto: Pascal Amon.

(Foto: Claus Schunk)

Im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft trifft Regensburg auf Heidenheim- und will einen psychologischen Aspekt für sich nutzen.

Von Christoph Leischwitz

Die Frage ist jetzt nur, was dieser knappe Sieg im letzten Spiel der Hauptrunde eigentlich wert ist. Da hatten sich die Regensburg Legionäre lange schwergetan gegen das gute Pitching der Mannheim Tornados, und so geriet die Meisterschaft in der Südgruppe der Baseball-Bundesliga noch einmal in Gefahr. Dann endete das Spiel gegen den Außenseiter doch noch mit einem knappen 3:2, und Cheftrainer Tomas Bison war ein wenig überrascht, dass es sich um den ersten Staffelsieg seit 2015 handelte. Insofern ist dieser Erfolg schon einmal bedeutsam für die Oberpfälzer, die lange Zeit als erfolgsverwöhnt gelten durften mit ihren fünf nationalen Titeln.

Allerdings muss man sich fragen, ob der Erfolg auch einen Vorteil mit sich bringt, wenn es um die nun anstehenden Playoffs geht. Diesmal werden sie nicht über Kreuz mit dem Norden, sondern innerhalb einer Staffel ausgespielt. Grund ist die Annahme, dass im Falle steigender Infektionszahlen kürzere Reisen eher angetreten werden können. Regensburg empfängt im Halbfinale den Süd-Zweitplatzierten Heidenheim Heideköpfe zunächst für zwei Partien im eigenen Stadion (Samstag und Sonntag, 14 Uhr) - danach werden in der Best-of-five-Serie die weiteren Partien in Heidenheim ausgetragen. Der Modus war wegen der Pandemie stark verändert worden, zuletzt noch einmal Anfang dieser Woche: Weil nämlich in Nordrhein-Westfalen die Beschränkungen gelockert wurden, kann das Halbfinale im Norden zwischen Bonn und Paderborn nun auch vor Zuschauern stattfinden. Prompt einigten sich die Beteiligten darauf, eine Best-of-five-Serie zu spielen anstatt maximal drei Partien. Bei einem Best-of-three wäre der Heimvorteil beim Meister gelegen, das ist jetzt nicht mehr der Fall. "Also, ein Vorteil ist das nicht", sagt jedenfalls Trainer Bison. Laut eigenem Bekunden hatte er davon auch noch keine Ahnung, als es am Sonntag gegen Mannheim nach fünf Innings noch 2:2 stand. In einem möglichen Spiel fünf in Heidenheim dürfte Regensburg allerdings nachschlagen, hätte also zumindest rein taktisch Heimrecht.

Womöglich hat die ganze Sache zumindest einen psychologischen Vorteil. "Wir haben uns ein Ziel gesetzt, und das haben wir erreicht", sagt der italienische Coach, der im dritten Jahr in Regensburg arbeitet. Immer wieder stellt Bison die geschlossene Mannschaftsleistung heraus, die nötig war, um sich mit nur einer einzigen Niederlage durch die bisherige Saison zu spielen. "Die Jungs aus der zweiten Reihe haben eben auch immer geliefert", sagt er. So haben die Legionäre zum Beispiel fast doppelt so viele Homeruns geschlagen (31) wie Heidenheim (16) - ein Wert, der die Schlagkraft unterstreicht, die die Oberpfälzer mitbringen. Es sticht heraus, dass sieben Homeruns auf das Konto von Pascal Amon gehen - er hat also statistisch gesehen an jedem Doppel-Spieltag einmal den Ball aus dem Stadion geklopft. Doch Bison hat die Offensive insgesamt verbessert. Er spricht von einem "fortwährenden Prozess", will aber nicht verraten, wie dieser Prozess im Detail aussieht - Berufsgeheimnis.

Klarer Favorit ist Regensburg gegen Heidenheim deswegen aber nicht. Das bislang einzige direkte Aufeinandertreffen der Saison endete mit einem Sieg und einer Niederlage. Offensiv sei man zwar stärker, "aber dafür hat Heidenheim mehr erfahrene Spieler, die wissen, wie man Playoffs angeht", sagt Bison. Damit meint er zum Beispiel Pitcher Mike Bolsenbroek oder Infielder Ludwig Glaser, die lange für Regensburg spielten. Es gibt aber noch eine weitere, kurzfristig geänderte Regelung, und diese könnte für die Regensburger von Vorteil sein: Der Kader ist dank Lockerungen im Hygienekonzept ab sofort nicht mehr auf 14 Spieler beschränkt. "Wir haben vielleicht ein kleines bisschen mehr Tiefe", schätzt Bison, sowohl unter den Werfern als auch im Gesamtkader.

Die Sache mit dem Heimvorteil, findet Bison, sei irgendwie unlogisch. Aber dadurch passe sie auch wieder zu diesem verrückten Jahr.

© SZ vom 24.09.2020
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