bedeckt München
vgwortpixel

Baseball in Washington:Wenn die Superhelden werfen, macht es "fupp"

Wer seine Würfe kontrolliert mit dem Schläger trifft, der kann auch Fliegen mit Essstäbchen fangen: Nationals-Pitcher Max Scherzer.

(Foto: AP)
  • Die Nationals aus der US-Hauptstadt ziehen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in die Baseball-World-Series ein.
  • Der Hauptgrund: Ihre Werfer sind derzeit überragend.
  • 50 Jahre hat noch kein Baseballklub auf eine Finalteilnahme warten müssen.

Dock! Es ist dieses dumpfe, hölzerne Knacken, das die Leute an der Sportart Baseball so fasziniert. Sie wissen, ohne hinzusehen, dass der Ball dann mehr als 100 Meter weit fliegen wird, über den Zaun auf die Tribüne. Wer es einmal im Stadion gehört hat, dieses Geräusch, der vergisst es nie, und wenn er es dann wieder hört, gerne daheim auf der Couch vor dem Fernseher, dann glaubt er, frisch gemähtes Gras, billiges Bier und fettige Bratwurst zu riechen.

Die Anhänger der Washington Nationals haben dieses "Dock" zuletzt ein paar Mal gehört, in dramaturgisch bedeutsamen Momenten der Playoffs in der nordamerikanischen Profiliga MLB. Am Ende des entscheidenden Viertelfinalspiels gegen die Los Angeles Dodgers etwa, als Howie Kendrick den Ball über die Absperrung knüppelte. Homerun! Oder während der Halbfinalserie gegen die St. Louis Cardinals, als Michael Taylor seine Mannschaft in der dritten Partie mit so einem Schlag samt Homerun in Führung brachte.

Eitting Mit Baseball auf der Überholspur
Red Lions Schwaig

Mit Baseball auf der Überholspur

Simon Weinsteiger ist erst 14 Jahre alt und schon zweimaliger Baseball-Europameister. Nach seinem Schulabschluss will er den Sport auch weiterhin professionell verfolgen - "bis in die Bundesliga"   Von Christoph Seeger

"Wir haben nicht aufgehört, ein Team zu bauen, das den Titel holen kann"

Baseball ist ein Sport für hoffnungslose Romantiker, es geht niemals nur ums reine Ergebnis oder um Titel, es geht stets auch um Folklore, um das Erdulden mehr als 100 Jahre währender Durststrecken, um das Anflehen der Sportgötter und das gemeinsame Singen des Liedes "Take Me Out to the Ballgame" im siebten Spielabschnitt. Es gibt Gedichte und Lieder über unvergessliche Momente, und es kann sein, dass der Kanon in diesem Jahr erweitert wird: Zum ersten Mal seit 1933 steht mal wieder ein Verein aus Washington im Baseball-Finale.

Die Nationals, vor 50 Jahren als Montreal Expos gegründet und vor 15 Jahren nach Washington gekommen, stehen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der World Series - so lange, 50 Jahre, hat noch kein Baseballklub warten müssen. Die Seattle Mariners, das einzige Team ohne Finalteilnahme, sind erst vor 43 Jahren gegründet worden.

Das passende Gedicht müsste jetzt diesen Titel haben: "Fupp, fupp, fupp, fupp - dock!" Das liegt einerseits daran, dass die Nationals in den letzten acht Jahren fünf Mal die Ausscheidungsrunde erreicht haben, nun aber zum ersten Mal über die erste Runde hinausgekommen sind. "Wir haben in den vergangenen acht Jahren insgesamt die zweitmeisten Partien gewonnen", sagt Manager Mike Rizzo, der freilich weiß, dass die Anzahl der Siege in dieser Sportart irrelevant ist, wenn man das letzte Spiel der Saison verliert: "Wir haben nicht aufgehört, ein Team zu bauen, das den Titel holen kann - und nun ist es endlich so weit."