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Baseball:Legionäre ohne Legionäre

Baseball Kai Gronauer

"Damit hatten wir alle nicht gerechnet." - Trainer Kai Gronauer muss feststellen, dass seine junge Mannschaft sich derzeit noch schwer tut, in der Bundesliga mitzuhalten.

(Foto: Imago)

Dauer-Titelanwärter im Umbruch: Regensburgs Baseballer starten mit vier deutlichen Niederlagen in die Saison.

Von Christoph Leischwitz

Die positive Überraschung zuerst: Die Anhänger finden es offenbar gar nicht so schlimm, was gerade bei den Regensburg Legionären passiert. "Die Mannschaft hat am Samstag nach dem Spiel Applaus bekommen. Ich hätte eher gedacht, dass die Fans sauer sind", sagt Legionäre-Vorstand Armin Zimmermann. Stattdessen habe es Bestätigung gegeben für den fünffachen deutschen Baseball-Meister: Weiter so, auf dem eingeschlagenen Weg müsse man jetzt durchhalten.

Die Mannschaft hatte gerade vor 900 Zuschauern 0:6 gegen Heidenheim verloren. Es war das vierte Spiel der Saison - und bislang noch das beste.

Ein paar Schulterklopfer kann die Mannschaft zurzeit gut vertragen. "Ungewohnt" sei das natürlich schon, sagt Zimmermann, was da gerade passiert. Man könnte es auch historisch nennen. Denn der Dauer-Titelanwärter der vergangenen Jahre ist an den ersten beiden Spieltagen vorgeführt worden. Im Baseball kommt es durchaus vor, dass auch gute Teams mal ein paar Spiele in Serie verlieren. Es ist vermutlich auch nicht einmal psychologisch bedeutsam, dass man nach zwei Spieltagen am Tabellenende der Bundesliga-Südstaffel steht. Bedenklich ist allerdings, wie deutlich man bislang verloren hat, wie klar das aktuelle Team den Favoriten unterlegen ist.

Im deutschen Baseball gibt es eine so genannte mercy rule, die Gnadenregel, wonach gar nicht alle neun Innings absolviert werden müssen, wenn eine Mannschaft mit mehr als zehn Punkten führt und diesen Vorsprung für einen weiteren Durchgang halten kann. Früher waren es meist Regensburger Gegner, denen Gnade gewährt wurde. Doch nun verloren die Legionäre ihre ersten drei Saisonspiele vorzeitig: 5:15 und 1:11 in Mannheim zum Auftakt, dann zu Hause 3:18 und eben 0:6 gegen Heidenheim. Klarer kann man nicht mitgeteilt bekommen, dass der geplante Umbruch im Team sehr viel tief greifender sein wird als gedacht. Mit Blick darauf, wie deutlich die Niederlagen waren, sagte Trainer Kai Gronauer: "Damit hatten wir alle nicht gerechnet."

Die Mannschaft ist jung, und in gewisser Weise wollte sie es auch so. Denn viele, die in Regensburg aufwendig ausgebildet werden, wollten nicht schon wieder ausländische Veteranen vorgesetzt bekommen. Weil es zugleich den Etat verringert, wenn man auf Spieler aus dem eigenen Verein setzt, beschlossen die Legionäre, erst einmal keine Legionäre zu holen. Die Mannheim Tornados zum Beispiel sind aktuell gespickt mit eben solchen.

Die Regensburger versuchen, die herben Niederlagen so rational wie möglich zu verarbeiten. "Wir bewerten das jetzt nicht über. Wir haben gegen die zwei besten Gegner der Liga gespielt", sagt Zimmermann. Das Spiel am Samstag gegen Heidenheim habe schon eine erste positive Entwicklung gezeigt. Dort lag man fünf Durchgänge lang nur 0:1 zurück - was allerdings vor allem an Werfer Mike Bolsenbroek lag, einem der wenigen älteren und erfahrenen Spieler im Kader.

Hinzu kommt, dass die Mannschaft aktuell nicht nur in einer Entwicklungs-, sondern auch in einer Improvisationsphase steckt. Jonathan Eisenhuth muss derzeit als starting pitcher im jeweils ersten Spiel eines Spieltags ran, dabei ist der 24-Jährige eigentlich darauf spezialisiert, erst zu einem späteren Zeitpunkt eingewechselt zu werden. Spätestens nach fünf Innings häufen sich die Punkte für die Gegner.

Am kommenden Wochenende, wenn Regensburg bei den schwächer einzuschätzenden Bad Homburg Hornets antritt, werden zwei arg vermisste Werfer wohl wieder dabei sein: Niklas Rimmel, eines der größten deutschen Pitcher-Talente, kehrt von einem Lehrgang aus Florida zurück, Daniel Mendelsohn zudem von einer Verletzung. Auch Nationalspieler Marcel Jimenez, am Schlag besonders wertvoll, soll wieder zu Verfügung stehen. "Ich bin überzeugt, dass wir nicht in den Playdowns, sondern in den Playoffs spielen werden", sagt Zimmermann, der an zeitnahe Leistungssprünge glaubt.

Und weil es bei Tabellenletzten in vielen Sportarten schon vorgekommen sein soll, dass der Trainer vom Verein in Frage gestellt wird: Wackelt der Stuhl von Kai Gronauer? "Definitiv nicht. Da wackelt gar nichts", sagt Zimmermann. Und kann dabei trotz der aktuellen Lage sogar noch lachen.

© SZ vom 11.04.2017
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