Zum Beispiel der Heart Attack Burger vor dem Baseballstadion der Chicago Cubs. Oder die Meat Lovers Pizza im Laden direkt daneben: mit dem Durchmesser eines Monster-Truck-Reifens und einem Fleischgemisch von vier Tieren. Dazu ein Kübel in Regentonnengröße, mit Popcorn und zwei Litern geschmolzener Butter gefüllt. Und die Behälter für die Zuckerbrause zum Runterspülen sind sogar noch ein bisschen größer. Ja, jeder, der die USA besucht, stellt sofort fest: Alles etwas gewaltiger in diesem Land, auch die Portionen und deren Fett- und Zuckergehalt – und damit oft auch die Leute, die das alles verspeisen.
Fressen und gefressen werden, bei diesem Thema könnten einem in den USA des Jahres 2026 ein paar Gedanken kommen, die nichts mit Nahrungsaufnahme zu tun haben – bis man ein Heimspiel der Dodgers auf dem Hügel im Zentrum von Los Angeles besucht. Die neue Köstlichkeit zu Saisonbeginn: der Chow Mein Burrito für 17 Dollar. Eine riesige Portion Hühnchen-Glasnudeln chinesischer Art in einer mexikanischen Teigtasche wird in so viel kochendes Öl getunkt, dass das Endprodukt in einer Lache liegt und von Fans am Verkaufsstand, wie die New York Post notierte, als „diabolisch“, „völlig krank“ und „als Nahrung getarnter Ölwechsel“ bezeichnet wird.
Gerade hat im US-Baseball die neue Saison begonnen, „America’s Pasttime“, die liebgewonnene Zerstreuung im amerikanischen Alltag. Und damit auch die Völlerei alter Schule – aber mit neuen, immer ausgeflippteren Produkten. Zum Beispiel der Bat Flip bei den Atlanta Braves: ein 18 Zentimeter hoher Burger. Zwischen den Brötchenhälften befinden sich: zwei Pfund Hackfleischbuletten, Rippchen, Schweinebauch, vier Scheiben Käse, Zwiebeln. Oder die Machete der Miami Marlins: eine 60-Zentimeter-Durchmesser-Teigtasche, gefüllt mit Carne Asada und Käse, dann in die Form einer Klinge gerollt. Konter der Colorado Rockies: Gidzilla, ein ebenso langer Hotdog mit einer Portion Mac’n’Cheese auf dem Würstchen. Und schließlich die Variante der Arizona Diamondbacks: der 50/50 Stretch. Die eine Hälfte ist gefüllt mit 350 Gramm geräuchertem Rindfleisch, die andere mit Hühnchen in Parmesanpanade.
In allen Beispielen dient Gemüse ausschließlich für Deko in den jeweiligen Klubfarben.
Die großen Vorbilder: Schlagen und werfen wie Shohei Ohtani, völlern wie Joey Chestnut
Es gibt Süß-Salzig-Kombinationen wie Pizza-Donuts, Chicken-Churros oder das Dessert Chicken Bucket der New York Yankees: Vanilleeis mit Schokolade und Cornflakes in mit Schoko überzogener Brezel. Ohne Fleisch, sieht aber aus wie Chicken-Wings – und war am ersten Spieltag nach 20 Minuten ausverkauft. Das erstaunlichste Getränk wiederum: der Take Me Out to the Ballgame-Milchshake in Phoenix. Der Becher ist mit Karamellsoße bestrichen und der 3000-Kalorien-Shake mit Kitkat-Riegeln, Erdnuss-Butter-Cookies, Waffeln und Karamell-Popcorn verziert.
Amerikanischer geht es kaum, und sie haben das große Fressen hier ja wirklich zum Sport gemacht. Es gibt eine Major League Eating, eine Liga für Wettessen. Der Höhepunkt jedes Jahr am Nationalfeiertag: der Hotdog-Eating-Contest in Coney Island. Sieger 2025, zum 17. Mal: Joey Chestnut, der nach allgemeinem Dafürhalten, nun ja, beste Esser der Welt. 70,5 Hotdogs verdrückte er in zehn Minuten. Sein Weltrekord liegt bei 76.
Was das mit dem Essen in den Baseballstadien zu tun hat? Viel. In den USA gilt Joey Chestnut als Legende, der man gefälligst nacheifert. Beim Sport und als Sport. Deshalb gibt’s diese Saison in sechs Baseballstadien die „9-9-9-Challenge“ für 55 Dollar: In neun Innings neun Hotdogs verdrücken und mit neun Bieren runterspülen. Nicht Brot und Spiele, Brot als Spiel, mit ordentlich Wurst dazu natürlich.

