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Baseball:Duell der Hauptstädte

Seltenheitswert: Elias von Garßen gelang gegen Heidenheim ein Grand Slam Homerun.

(Foto: Claus Schunk)

Die derzeit besten Bundesligisten Regensburg und Heidenheim hoffen, sich erst wieder im Finale zu treffen - doch der Playoff-Modus ist noch unklar.

Von Christoph Leischwitz

Natürlich gab es Zuschauer, schließlich handelte es sich um ein Spitzenspiel: Eine kleine Gruppe stand direkt am Odessa-Ring, von diesem Fußweg aus kann man gut hinunterblicken ins Regensburger Baseballstadion. Eine zweite Gruppe saß auf dem Balkon des hauseigenen Baseball-Internats, die Bewohner jubelten den Vorbildern zu. Zum Beispiel Elias von Garßen, als der einen seltenen Grand Slam Homerun schlug, einen Ball also, der die Umzäunung überwindet und vier Punkte einbringt, weil da schon alle anderen Bases auf dem Weg zu Home Plate besetzt waren. Von Garßen drosch den Ball für die Regensburg Legionäre gleich im ersten Inning der Partie gegen die Heidenheim Heideköpfe über 100 Meter weit, und den resultierenden Vorsprung brachte sein Team auch ins Ziel. Am Samstagnachmittag gewannen die Gastgeber 10:4. "Das war sehr, sehr wichtig", sagte Trainer Tomas Bison hernach. Vor allem deshalb, weil Heidenheim das erste Aufeinandertreffen am Freitagabend ähnlich souverän für sich entschieden hatte - und der Abstand auf Heidenheim in der Bundesliga-Tabelle nach Möglichkeit nicht zu groß werden sollte.

Die Nordstaffel startete pandemiebedingt erst am vergangenen Wochenende in die Saison

Das Duell der Regensburger gegen Heidenheim hätte eigentlich natürlich mehr Zuschauer verdient gehabt. Denn man kann ohne großes Risiko behaupten: Besseren Baseball wird man in Deutschland zurzeit nicht zu sehen bekommen, als wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen. Was freilich auch daran liegt, dass die Nordstaffel pandemiebedingt erst am vergangenen Wochenende in die Saison startete und die Schlagmänner erst noch ihren Rhythmus finden müssen. Doch auch schon im vergangenen Jahr hatte der spätere deutsche Meister Heidenheim im Halbfinale deutlich mehr Probleme mit den Regensburgern gehabt als anschließend im Finale mit den Bonn Capitals. So bedeutete der Regensburger Erfolg am Samstag nicht nur die erste Saisonniederlage für die Gäste, sondern auch die erste Niederlage seit eben jenem Halbfinale.

Das Duell der beiden Baseball-Hauptstädte entwickelt sich allmählich zu einem Klassiker. Es gewinnt zusätzlich an Brisanz, weil einige ehemalige Regensburger in Heidenheim spielen. Zwei von ihnen waren am Freitagabend hauptverantwortlich für den Heidenheimer 8:3-Erfolg: Pitcher Mike Bolsenbroek sowie Ludwig Glaser als Schlagmann. "Nicht viel", sagt Regensburgs Chefcoach Bison auf die Frage, was die beiden Teams aktuell unterscheidet. "Heidenheim hat vielleicht ein bisschen mehr Erfahrung", merkt er an, "aber alle Statistiken sprechen die gleiche Sprache." Dabei fällt auf, dass beide Mannschaften zurzeit überdurchschnittlich viele Homeruns schlagen. Regensburg kommt schon auf 20, Heidenheim auf 24 - die Mannheim Tornados bringen es gar schon auf 28; ein Indiz, dass sich die Schlagmänner schon eingegroovt haben. Die beiden Spitzenteams verfügen aber zugleich über jeweils einen Pitcher, der die Offensiven in Schach halten kann: Bolsenbroek auf der einen Seite, der US-Amerikaner Kaleb Bowman auf der anderen. Durch ihre Dominanz ist auch zu erklären, warum beide Teams je ein Spiel für sich entscheiden konnten - und warum die Frage, wer aktuell die Nase vorne hat in diesem direkten Vergleich, noch unbeantwortet bleibt. Alle anderen Werfer scheinen derzeit, im Wortsinn, schlagbar zu sein.

"Ich denke, jeder will doch, dass die Besten im Finale stehen", sagt Bison

"Unser Spieler Jonathan Heimler hat kürzlich gesagt: Wichtig ist, wer die Spiele am Saisonende gewinnt", erzählt Bison. Fraglich ist aber auch noch, wann man sich nach den beiden Rückspielen im Juni in Heidenheim eigentlich wiedersieht. "Die Daten für die Playoffs stehen schon fest, aber wie wir dort hinkommen, das ist im Moment noch das große Fragezeichen", sagt Bison. Weil der Norden nun mehrere Wochen Spielbetrieb aufholen muss, ist derzeit geplant, dass der Süden seine Viertelfinal-Partien erst einmal unter sich bestreitet. Die beiden Spitzenmannschaften werden hoffen, dass weder im Norden noch in den eigenen Gefilden zu weiteren pandemiebedingten Unterbrechungen kommt. Denn nur, wenn spätestens im Halbfinale wieder über Kreuz gespielt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, den ärgsten Widersacher auch erst im Finale wiederzusehen. Und wer weiß, vielleicht sind dann, im Spätsommer, ja auch wieder Zuschauer im Stadion zugelassen.

"Ich denke, jeder will doch, dass die Besten im Finale stehen", sagt Bison zumindest schon einmal, ohne Teamnamen zu nennen. Auch wenn der Regensburger Coach immer wieder gerne betont, wie lang so eine Saison sei, meint er wohl Regensburg und Heidenheim. Tatsächlich hat sich seine Mannschaft gegen die Haar Disciples aber schon einen Ausrutscher geleistet. Bereits am Mittwochabend und an Christi Himmelfahrt stehen die nächsten Heimspiele an, gegen den Tabellendritten Stuttgart Reds. Es sollten nach Möglichkeit auch keine weiteren Ausrutscher folgen, wenn das große Ziel erreicht werden soll: der erste Meistertitel seit dem Jahr 2013.

© SZ/lein
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