Baseball-Bundesliga:Schwere Zeit für Favoriten

Baseball-Bundesliga: Schnell geschaltet: William Thorp von den Münchner Haar Disciples.

Schnell geschaltet: William Thorp von den Münchner Haar Disciples.

(Foto: Claus Schunk)

Außenseitern wie Haar und Stuttgart gelingt es zurzeit häufig, die Titelanwärter zumindest zu ärgern. Ein Grund könnte die gestiegene Schlagkraft sein.

Von Christoph Leischwitz

Um die Favoriten zu ärgern, dafür reicht's auf jeden Fall. Das untermauerten die München-Haar Disciples auch am Sonntag mal wieder. Im sechsten Inning bei den Heidenheim Heideköpfen, dem Titelverteidiger in der deutschen Baseball-Meisterschaft, gelang Haars Routinier Will Thorp ein ganz besonderer Trick: Sein Mitspieler David Dinski hatte gerade einen Ball ins Feld geschlagen und die erste Base erreicht, Thorp lief von der ersten zur zweiten; und dann, als alle dachten, der Spielzug sei schon beendet, lief Thorp einfach weiter zur dritten Base. Die Schiedsrichter hatten, vereinfacht gesagt, einfach keine Spielunterbrechung bekanntgegeben, die Heidenheimer hatten das nicht bemerkt. Wenig später brachte der unerwartete Zwischensprint Thorp tatsächlich noch einen Punkt ein, weil er nach einem erneuten Schlag ins Feld nach Hause laufen konnte.

Ein Favoritenschreck sind die Disciples in der aktuellen Saison schon öfter gewesen. Allerdings sind sie in der nun gestarteten Viertelfinalserie auch nicht übers Ärgern hinausgekommen. Am Samstag, im ersten Spiel der Best-of-five-Serie, hatte der Außenseiter kurzzeitig sogar 10:3 geführt, vor allem deshalb, weil Juan Infante und Nate Thomas früh im Spiel jeweils ein Homerun gelungen war. Gegen Ende konnten die Heideköpfe das Spiel aber drehen und gewannen knapp mit 11:10. "Wir erwarten einen Gegner, der total on fire ist", hatte Haars Trainer Alex Tufts angekündigt - denn die Haarer hatten dem aktuellen deutschen Meister auch schon in der Punkterunde Kopfzerbrechen bereitet. Dass seine eigene Mannschaft auch diesmal mithalten konnte, war deshalb umso überraschender. Allerdings brachte am Sonntag auch Thorps kurioser Punktgewinn wenig ein, wahrscheinlich: Die Partie musste beim Stand von 8:3 für die Heideköpfe wegen Regens im siebten Durchgang unterbrochen werden, wurde nicht wieder aufgenommen und dann auch so gewertet. Haars US-Pitcher Zac Treece hatte davor aber schon deutliche Anzeichen von Erschöpfung gezeigt.

Auch die zweite Viertelfinal-Paarung in der Südstaffel findet mit bayerische Beteilung statt - und startete ebenfalls mit einer Überraschung: Die Regensburg Legionäre, Zweiter der Hauptrunde, verloren Spiel eins gegen den Dritten Stuttgart im heimischen Stadion 5:6. Und auch am Sonntag sah es zunächst so aus, als ob ein enges Spiel ansteht, als die Stuttgart Reds 1:0 in Führung gingen. Dann aber zeigte US-Pitcher Kaled Bowman eine seiner besten Leistungen der Saison, ließ keine weiteren Punkte zu und warf zehn Strikeouts. Der Regensburger Angriff zermürbte die Stuttgarter Defensive und schlug ein deutliches 6:1 nach Hause. Am kommenden Wochenende finden also sicher zwei weitere Spiele statt, dann in Stuttgart.

Bowmans Leistung in Spiel zwei der Serie hat einen gewissen Seltenheitswert. Manche Siege der Außenseiter über die Favoriten, von denen es diesmal viele gab, mögen zwar überraschend gewesen sein. Reiner Zufall war es aber auch wieder nicht, dass sich die Favoriten aus Heidenheim und Regensburg oftmals so schwergetan haben. Aus vielen Statistiken ist abzulesen, dass die Schlagmänner gegenüber den Abwehrreihen öfter dominieren als früher. So fallen insgesamt viele Endergebnisse deutlich höher aus. Die Homerun-Statistik liest sich besonders imposant: Während in der Saison 2019 drei Spieler für die gesamte Saison zehn oder mehr Schläge aus dem Stadion verzeichneten, waren es 2021 sieben Spieler, darunter David Grimes von den Legionären. Das lässt darauf schließen, dass mehrere Vereine verstärkt an ihrer Schlagkraft gearbeitet haben, was der Regensburger Coach Tomas Bison mit Blick auf seine Legionäre auch immer wieder betont. Zweitens könnten diese Statistiken auch ein wenig pandemiebedingt sein: Schlagmänner haben weniger Probleme mit ausgefallenem oder unregelmäßigem Training als die Abwehrreihen, bei denen viele Abläufe gemeinsam eingeübt und so oft wie möglich wiederholt werden sollten. So sind auch die Viertelfinalserien noch nicht entschieden. Die Haarer werden im heimischen Ballpark versuchen, die Heidenheimer nochmal erfolgreich zu ärgern. Die Regensburger werden versuchen müssen, sich nicht noch mehr ärgern zu lassen.

© SZ
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