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Baseball:300 Millionen Dollar zur Behebung der Lustlosigkeit

Es zieht ihn in Richtung Süden: Manny Machado, hier noch im Trikot der Los Angeles Dodgers, läuft künftig für die San Diego Padres auf.

(Foto: Jae C. Hong/AP)

Manny Machado einigt sich mit den San Diego Padres auf einen Zehnjahresvertrag.

Okay, es ist nur ein Rekord zweiter Klasse, den Manny Machado und die San Diego Padres gerade aufgestellt haben. Die Baseball-Franchise hat sich mit dem 26 Jahre alten Akteur auf einen Vertrag geeinigt, der eine Laufzeit von zehn Spielzeiten und ein Gehalt von insgesamt 300 Millionen Dollar vorsieht - das ist der lukrativste Kontrakt in der amerikanischen Sportgeschichte für einen aktuell vertragslosen Spieler. Der höchstdotierte Vertrag bleibt aber weiterhin der zwischen den Miami Marlins und Giancarlo Stanton aus dem Jahr 2014 mit einem Volumen von 325 Millionen Dollar für zehn Jahre; das höchste durchschnittliche Jahreseinkommen bezieht der Werfer Zack Greinke seit 2016 von den Arizona Diamondbacks, 34,4 Millionen Dollar.

Sie haben mal wieder die Gelddruckmaschinen angeworfen in der nordamerikanischen Baseball-Profiliga MLB, und die dürften in den kommenden Wochen noch heißlaufen. Der Allrounder Bryce Harper (bislang bei den Washington Nationals), Sieger des Homerun Derbys in der vergangenen Saison, wird derzeit ebenso von mehreren Klubs umgarnt wie die Werfer Dallas Keuchel (Meister 2017 mit den Houston Astros) und Craig Kimbrel (Meister 2018 mit den Boston Red Sox). Sie alle dürften bis zum Saisonstart am 28. März noch monströs dotierte Verträge unterschreiben.

Teambesitzer Middleton will "ein bisschen dumm" sein beim Werben um prägende Akteure

In der südkalifornischen Grenzstadt San Diego finden sie, es sei an der Zeit, endlich mal eine Meisterschaft in einer der vier bedeutsamen Sportarten zu gewinnen. Nach dem Umzug der Basketballteams Rockets (nach Houston, 1971) und Clippers (nach Los Angeles, 1984) sowie der Football-Franchise Chargers (ebenfalls nach Los Angeles, 2016) gibt es nur noch ein Profiteam in der Stadt, die Padres.

Trotz einer miserablen Bilanz im vorigen Jahr (66:96 Siege) wird den Baseballern eine große Zukunft prognostiziert; sie sollen wenigstens zum ersten Mal seit zwölf Jahren die Playoffs erreichen. In der vergangenen Saison haben die Padres für ihre Spieler gerade mal 96,1 Millionen Dollar ausgegeben; zum Vergleich: Meister Boston gab mehr als 235 Millionen aus. Aber die Padres haben Eric Hosmer (2015 Meister mit den Kansas City Royals) langfristig gebunden und verfügen laut Prognose der ligaeigenen Internetseite MLB Pipeline über zehn der besten 100 Nachwuchsspieler, doppelt so viele wie jeder andere der insgesamt 30 MLB-Klubs. Was bislang fehlte: ein Baseballspieler auf dem Höhepunkt seiner Karriere, einer, der den Unterschied ausmachen kann, wie man im Sport immer sagt.

Das soll nun Machado sein, ein ordentlicher Verteidiger, der als Schlagmann Spiele entscheiden kann (er erzielte 37 Homeruns in der vergangenen Saison), der zuverlässig die erste Base erreicht, also das erste Mal, und die gegnerische Defensive so permanent unter Druck setzt. Allerdings gilt Machado nicht unbedingt als uneigennützig; während der Finalserie im vergangenen Jahr, die er mit den Los Angeles Dodgers verlor, fiel er einige Male durch Lustlosigkeit auf und erklärte danach, dass diese Hetzerei dann doch nicht seine Sache sei: "Es gibt keine Entschuldigung dafür, aber das bin ich nun mal nicht." Sagt so was einer, der für den Unterschied zwischen Finalteilnahme und Meisterschaft sorgen soll? Einer, in den man 300 Millionen Dollar für zehn Spielzeiten investiert?

Die Padres glauben dennoch, dass Machado sie anführen kann. Sein Engagement sollte nun etwas Zunder in den Markt der vertragslosen Spieler bringen, der sich überraschenderweise noch immer gemächlich bewegt, obwohl die Vorbereitung auf die kommende Saison längst begonnen hat. Besonders spannend ist, für welchen Klub sich Bryce Harper entscheiden wird. Der hat im vergangenen Jahr ein 300-Millionen-Dollar-Angebot der Nationals für zehn Jahre abgelehnt und wird nun von ebenjenen Klubs umworben, die auch an Machado interessiert waren und nun womöglich ihre Angebote erhöhen, um nicht komplett ohne Superstar dazustehen.

Im Rennen um die Dienste von Harper sind die Chicago White Sox, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und sein bisheriger Arbeitgeber. John Middleton, Besitzer der Phillies, hat bereits im November gesagt, dass er in dieser Winterpause "ein bisschen dumm" sein möchte beim Werben um prägende Akteure. Der Rekord, den Manny Machado und die San Diego Padres gerade aufgestellt haben, dürfte in ein paar Tagen wieder obsolet sein. In Gefahr sind auch die beiden anderen Höchstwerte.