Barça im Clásico:Millionen fürs marode Camp Nou

Asamblea General Ordinaria del Barcelona FC. En la imagen, Joan Laporta. Barcelona FC General Assembly. In this picture

"Wir würden um fünfzehn Jahre zurückgeworfen": Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona, kämpfte leidenschaftlich um die Zustimmung für neue Investitionen.

(Foto: Francesc Adelantado/imago)

Barcelona-Präsident Joan Laporta erhält von den Wahlmännern seines Klubs die Erlaubnis, einen weiteren Kredit aufzunehmen - die 1,5 Milliarden Euro sollen aber nicht in die Mannschaft fließen.

Von Javier Cáceres

Am Sonntag stand der erste "Clásico" der laufenden Saison an, das Duell des FC Barcelona mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet). Doch die Schlacht, die für die mittel- und langfristigere Zukunft wohl wegweisender war, als jedes Fußballspiel sein könnte, stieg schon am Samstag: die Beendigung der in der Vorwoche unterbrochenen Mitgliederversammlung.

Seinerzeit waren die Abstimmungen über wichtige Punkte der Tagesordnung vertagt worden, weil das Fußvolk des FC Barcelona ins Stadion wollte, um dem Spiel gegen den FC Valencia beizuwohnen. Es wurde am 17. Oktober mit 3:1 gewonnen und verschaffte dem umstrittenen Trainer Ronald Koeman etwas Luft. Am Samstag nun war es Präsident Joan Laporta, der aufatmete. Denn die Wahlmänner des Klubs gaben ihm beim zweiten Teil der Mitgliederversammlung mit der überwältigenden Mehrheit von knapp 94 Prozent die Erlaubnis, einen Kredit von atemberaubender Größenordnung auszuhandeln - ein Darlehen von bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Barcelona kämpft ums wirtschaftliche Überleben

Im Gegensatz zum jüngsten Mega-Kredit, 595 Millionen Euro über die US-Investmentbank Goldman Sachs, soll das neue Darlehen nicht der Umstrukturierung der 1,3 Milliarden Schulden und also dem aktuellen wirtschaftlichen Überleben des Klubs dienen.

Sondern der Finanzierung eines Projekts, das unter dem Schlagwort "Espai Barça" bekannt ist; dem Vernehmen nach steht Goldman Sachs wieder parat. "Espai Barça" umfasst die Modernisierung des in vielerlei Hinsicht maroden Stadions Camp Nou, die allein 900 Millionen Euro verschlingen würde; den Bau eines neuen Sportpalasts für Basket- und Handballer (420 Millionen Euro); zudem eine Reihe von städtebaulichen Modernisierungsarbeiten rund ums Stadion und und auf dem Gelände des Klubs in Sant Joan Despí (120 Millionen Euro).

Dort steht, vor den Toren der Stadt, das Trainingsgelände des Klubs, ebenso das nach der Klublegende Johan Cruyff benannte, kleine Stadion, in dem unter anderem das Frauenteam und die zweite Mannschaft der Männer ihre Spiele austragen. Die Kreditaufnahme muss noch per Referendum unter den rund 140 000 Mitgliedern bestätigt werden. Ein Datum dafür steht noch nicht fest, die Annahme des Antrags gilt aber als sicher.

Zumal Laporta den Teufel an die Wand malte. "Die Modernisierung unserer Anlagen ist notwendig, um nicht an Wettbewerbskraft gegenüber unseren Rivalen zu verlieren", sagte der seit März amtierende Präsident Joan Laporta. Das war nicht nur auf Real Madrid gemünzt, der spanische Rekordmeister baut aktuell das Bernabéu-Stadion für Hunderte Millionen Euro komplett um. Sondern auch auf ein gutes halbes Dutzend weiterer Vereine, die in den letzten Jahren ihre Stadien renoviert haben.

"Wir würden um fünfzehn Jahre zurückgeworfen." Das Projekt "Espai Barça" existiert schon seit Jahren, es wurde unter Laportas Vorgänger José Maria Bartomeu vorangetrieben und habe bereits 145 Millionen Euro verschlungen, erklärte Laporta. Wäre die neue Kreditaufnahme nicht bewilligt worden, "würden wir 145 Millionen Euro wegwerfen, von denen wir auch noch 90 zurückgeben müssen", rief er. Denn im Februar sei ein Kredit über 90 Millionen Euro fällig.

Knapp die Hälfte von "Barça Studios" wird verkauft - dazu gehört auch "Barça TV"

Der Vereinsboss konnte auch bei einer anderen Abstimmung einen wichtigen Sieg verbuchen. Dabei ging es um die sofortige Aussetzung von Artikel 67 der Vereinsstatuten, der Laporta und sein Präsidium mittelfristig zum Rücktritt verurteilt hätte. Der Grund: Artikel 67 besagt, dass ein Vereinsvorstand zurücktreten muss, wenn zwei Spielzeiten nacheinander Verluste gefahren werden. Genauer: Wenn das Verhältnis zwischen Schulden einerseits und dem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) andererseits mehr als zwei beträgt.

"Die Schulden innerhalb von zwei Jahren herunterzufahren, ist unmöglich", sagte die Vizepräsidentin Elena Fort, "nicht nur wir müssten zurücktreten, auch die Nachfolge-Präsidien", warnte sie. In der Tat dürfte eine Korrektur der Bilanzzahlen ausgeschlossen sein: Der Verlust, der für das letzte Geschäftsjahr - also unter Laporta-Vorgänger Bartomeu - verbucht wurde, belief sich auf 468 Millionen Euro.

Die Alternative zur Aussetzung des Artikels 67 wäre, so zu verfahren wie Bartomeu, sagte Elena Fort: Vermögenswerte und Spieler versilbern sowie Transfer-Tauschgeschäfte machen, "um die Bilanzen zu schminken", sagte sie, unter anderem in Anspielung auf den Wechsel des brasilianischen Nationalspielers Arthur zu Juventus und des Bosniers Miralem Pjanic in umgekehrter Richtung. Das heißt andererseits nicht, dass Barcelona nicht auch gerade ein paar Dinge verkauft.

Aktuell: knapp die Hälfte von "Barça Studios", der Firma, die alle audiovisuellen Aktivitäten des Klubs bündelt, darunter den Sender "Barça TV". Man hoffe auf Einnahmen von 40 bis 50 Millionen Euro, hieß es. "Unser Geschäft besteht nicht im Filmemachen", begründete Laporta die Entscheidung, die ebenfalls den Rückhalt der Wahlmänner Barças erhielt. Wobei: Für eine Wirtschafts-Thriller-Soap reicht das, was Barcelona in den letzten Monaten und Jahren geboten hat, allemal.

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