Barcelona-Geschacher um Griezmann "Er ist billig, das ist die Realität"

Bald in Barcelona? der Franzose Antoine Griezmann.

(Foto: AFP)
  • Das Geschacher um den Wechsel des Franzosen Antoine Griezmann nach Barcelona gibt einen Vorgeschmack auf den WM-Sommer.
  • Ein Mitspieler bezeichnet den möglichen 100-Millionen-Euro-Transfer sogar als Schnäppchen.
  • Griezmanns Klub Atlético Madrid legt bei der Fifa vorsorglich Beschwerde ein.
Von Javier Cáceres

Am Mittwoch fand der "Media Day" bei Atlético Madrid statt; eine Veranstaltung, die dem Europa-League-Finale gegen Olympique Marseille am 18. Mai in Lyon gewidmet war. Normalerweise stellen sich bei diesen Terminen die Spieler den Medien und geben Auskünfte. Doch ein Profi Atléticos - ausgerechnet ein Franzose - wurde den Journalisten vorenthalten. Sein Name: Antoine Griezmann. Der Grund: Er ist gerade in aller Munde. "Jedes Wort, das er hätte sagen können, hätte nur noch mehr Lärm produziert", argumentierten die Vertreter von Atlético.

Griezmann hat dieser Tage tatsächlich sehr viele Schlagzeilen an sich gerissen. Denn die seit Monaten schwelenden Gerüchte, er wechsele nach Saisonende zum FC Barcelona, verdichten sich. Der Radiosender Cope berichtete, Barcelona habe der Klubführung von Atlético offiziell mitgeteilt, dass man Griezmann aus seinem bis Juni 2022 laufenden Vertrag herauskaufen wolle. Dort ist man mäßig amüsiert.

Trainer Simeone tut so, als interessiere ihn nur das Europa-League-Finale

"Wir haben Barcelonas Verhalten satt", ließ Atléticos Klubboss Miguel Ángel Gil Marín per Kommuniqué wissen. Zuvor hatte Barcelonas Präsident Josep María Bartomeu via Interview zugegeben, schon im Oktober mit Griezmanns Manager gesprochen zu haben. Fast zeitgleich hieß Luis Suárez, der uruguayische Stürmer des FC Barcelona, Griezmann mittels Interview schon mal "herzlich willkommen".

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Das alles sei nicht hinnehmbar, erklärte Gil Marín. Der FC Barcelona habe gezielt versucht, Atlético im Kampf um die Meisterschaft zu destabilisieren; nun werde durch Äußerungen, die das Interesse am Franzosen untermauerten, ausgerechnet vor dem Finale gegen Olympique für zusätzliche Unruhe gesorgt. Das alles wären Gründe, sauer zu sein. Doch womöglich ist alles auch nur sauber inszeniert.

Im Kontrakt Griezmanns sind die Summen festgeschrieben, die ein interessierter Klub hinterlegen muss, will er sich die Dienste des Franzosen sichern: 200 Millionen Euro bis zum 30. Juni diesen Jahres, 100 Millionen Euro ab dem 1. Juli. Schon vor Monaten hinterlegte Atlético prophylaktisch eine Beschwerde beim Fußballweltverband Fifa: Mit einem Spieler zu sprechen, der noch einen gültigen Vertrag hat, sei nur mit dem Plazet seines Arbeitgebers möglich; Barcelona habe sich daran nicht gehalten. Eine Strafe könnte die Katalanen empfindlich treffen, immerhin wurde dem Klub schon einmal wegen eines Verstoßes gegen die Fifa-Statuten im Zusammenhang mit der Verpflichtung von Minderjährigen verboten, neue Spieler zu verpflichten.

Diesmal wähnt man sich auf der sicheren Seite: Wenn es eine Ausstiegsklausel gibt, dann ja nur, weil sie gezogen werden kann. Zudem handele es sich um einen innerspanischen Fall, der vom spanischen Verband abgehandelt werden müsse. Womöglich will Atlético den FC Barcelona auch nur durch die Drohkulisse dazu bringen, die Angelegenheit anders aus der Welt zu schaffen: mit noch mehr Geld für Griezmann. In Rede steht eine zusätzliche Zahlung von 20 Millionen Euro - exakt jener Betrag, den Atlético laut einstiger Verabredungen an Griezmanns vorherigen Klub, Real Sociedad San Sebastián, weiterreichen müsste.

25 Tore in 43 Pflichtspielen der Saison

Selbst wenn letztlich 120 Millionen Euro aufgerufen werden sollten - an der Einschätzung, die Atléticos brasilianischer Nationalspieler Filipe Luís im Lichte der Marktlage zum Besten gab, würde sich wenig ändern: "Er ist billig, das ist die Realität." Griezmann sei nicht nur "der beste Spieler Atléticos in dieser Saison", wie Filipe Luís weiter ausführte - er sei vor allem einer der aufregendsten Spieler des Marktes. Für Atlético hat er in dieser Saison 25 Tore in 43 Pflichtspielen erzielt. Und dass der noch nicht so richtig integrierte, frühere Dortmunder Ousmane Dembélé am Mittwoch bei Barcelonas 5:1 gegen Villarreal endlich mal Tore (zwei) erzielte, wurde auch darauf zurückgeführt, dass Griezmann vor der Tür steht. Und damit mittelbar Druck auf Dembélé auslöst. Der Franzose hatte im Transfersommer 2017 auf dem Weg vom BVB nach Barcelona die Hundert-Millionen-Schallmauer gerissen, nun gibt das Griezmann-Geschacher einen Vorgeschmack auf all das, was im WM-Sommer folgen könnte.

Noch ist Griezmann in Madrid, noch ist er dort Gesprächsthema. Auch deshalb versuchte einer, Desinteresse und Gelassenheit zu demonstrieren: Atléticos Trainer Diego Pablo Simeone. "Hast Du schon mal gesehen, wie die Pferde laufen?", fragte er beim "Media Day" zurück und hielt sich die Hände an die Schläfen: "Ich sehe nichts und ich höre nichts. Mich interessiert nur das Finale." Doch auch Simeone weiß: Es dürfte das letzte sein, das Griezmann im Dress von Atlético bestreitet.

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