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Barcelona gegen Real:Sehnen nach Pep und Mou

FC Barcelona Real Madrid Clasico

Viel Kampf, wenig Glanz: Dani Alves (l.) vom FC Barcelona kämpft gegen Reals Marcelo um den Ball.

(Foto: AFP)

Der FC Barcelona und Real Madrid präsentieren sich beim ersten Clásico dieser Saison so uninspiriert, dass das Publikum wehmütig an die aufregenden Zeiten mit den Trainern Guardiola und Mourinho zurückdenkt. Allein Barças Neymar erreicht die Vorstufe zur Seligsprechung.

Im Fußball ist es wie im Theater: Vieles hängt vom Drehbuch ab, vom Plot, den ihm die Trainer auf der Regiebank geben. Im Clásico, dem großen Welttheaterstück dieses Sports, dem fußballerischen und immer auch politischen Kräftemessen zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, den beiden umsatzstärksten Vereinen der Erde, gibt es nur das dramatische Genre, die schnelle und schockartige Phrasierung. Komödie passt schlecht zum Kampf um die Hegemonie. Dafür leben die beiden Städte dieses Spiel auch mit allzu überdrehten Emotionen.

Und doch war beim ersten Clásico der neuen Saison, den Barça am Samstagabend in einem schier tropisch feuchten Ambiente im Camp Nou 2:1 gewann, alles etwas anders. Matt und flau, so gar nicht dramatisch. Im Publikum kam man nicht umhin, den Zeiten nachzuhängen, als die beiden Regisseure noch Pep Guardiola und José Mourinho hießen, zwei wandelnde Antagonisten in Stil und Spiel. Damals wurden die ersten polemischen Szenen schon Tage, ja Wochen vor dem Clásico in den Medien aufgeführt. Und die Spannung legte sich erst Tage, ja Wochen danach, wenn überhaupt, im stets unterhaltsamen Epilog "Pep" gegen "Mou".

Nun stehen an der Außenlinie zwei Männer, denen man einen Hang zum Phlegma nachsagt und die sich selbst dann noch höflich ausdrücken, wenn ein Gefühlsausbruch durchaus angebracht wäre: Gerardo "Tata" Martino, 50 Jahre alt, Barcelonas neuer Trainer aus Argentinien, früher Coach von Paraguays Nationalelf und von Newell's Old Boys; und der 54 Jahre alte Norditaliener Carlo "Carletto" Ancelotti, ehemals Übungsleiter beim AC Mailand, beim FC Chelsea und bei Paris Saint-Germain. Nach zehn Spieltagen suchen beide noch immer nach den richtigen Akteuren für einen ansprechenden Plot.

Von Martino erwartet man, dass er das mittlerweile etwas routinemäßig abgespulte Barça-System auffrischt, ihm eine Dosis Unberechenbarkeit injiziert. Gelungen ist das noch nicht. Er lässt zwar rotieren, wechselt auch mal Lionel Messi aus, trägt den Seinen mehr Vertikalität und eine schnellere Schussabgabe auf. Revolutionäres ist aber nicht passiert. Noch immer spielt Barcelona viel mehr seitwärts als vorwärts.

Nach dem Clásico sagte Martino mit erfrischender Selbstkritik: "Mein Einfluss auf das Team ist noch immer minimal. Ich muss mehr nachdenken, mich mehr einmischen." Es war wieder keine überzeugende Vorstellung von Barça. Kürzlich, als die ersten Kritiken laut wurden, sagte Martino mit einer Spitze Sarkasmus: "Mit mir ist man weniger nett, weil ich weder Holländer noch Katalane bin." Es war eine Anspielung auf die Spielkulturen, die den Verein in den vergangenen Jahrzehnten prägten.

Wenn Barcelona dennoch mit nur zwei Verlustpunkten und unbesiegt an der Tabellenspitze steht, nunmehr sechs Punkte vor Real Madrid, dann nur deshalb, weil das Alte oft noch immer gut genug ist und manche Spieler den Ideenmangel wenn nötig mit ihrer individuellen Klasse kompensieren. Im Clásico war das der brasilianische Zugang Neymar, der zwar seit seiner Übersiedlung nach Europa bei Körperkontakt ungebührlich oft theatralisch hinfällt, zuweilen aber auch für viel Alarm sorgt auf seiner linken Außenbahn, Gegner schwindelig dribbelt und erfreulich stark zur Mitte drängt.