Internationaler Transfermarkt:Spanisches Transfer-Sudoku

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Zurück im Trikot von Atletico Madrid: Weltmeister Antoine Griezmann, der in Barcelona nie glücklich wurde

(Foto: Jan Huebner/imago)

Weil Saul Niguez Atlético Madrid verlässt, kann der Meister Antoine Griezmann aus Barcelona zurückholen. Barça wiederum scheitert bei dem Versuch, die Verpflichtung eines Leipzigers zu stemmen.

Von Javier Cáceres

Der Dienstagabend neigte sich schon dem Ende zu, da spitzten sich die Ereignisse auf dem spanischen Transfermarkt noch einmal zu. Zwar nahm der Emir von Katar auch das final erhöhte Angebot von Real Madrid für Kylian Mbappé, 22, das sich auf angeblich mehr als 200 Millionen Euro belief, nicht an, weshalb der französische Weltmeister noch mindestens eine weitere Saison für die Katar-Filiale Paris Saint-Germain spielen wird. Dennoch gab es in Spanien einige Aufsehen erregende Endspurt-Transfers, die teilweise voneinander abhingen und erst perfekt waren, als die Uhr kurz vor Schließung des Wechselfensters schon gen Mitternacht tickte.

Im Einzelnen: Saúl Ñíguez verlässt Meister Atlético Madrid und geht leihweise zum aktuellen Champions-League-Sieger FC Chelsea, der von Thomas Tuchel trainiert wird. Saúl, 26, galt nach seinem legendären Tor im Königsklassen-Habfinale 2016 gegen den FC Bayern auch mal als Wunschspieler der Münchner. Sein Abschied bedeutet für Atlético eine so große Gehalts-Einsparnis, dass dadurch der Weg für eine spektakuläre Rückkehr frei wurde: Weltmeister Antoine Griezmann, 30, kehrt vom FC Barcelona zu Atlético Madrid zurück. Eine andere, kaum weniger spektakuläre Volte war zuvor gescheitert: Dani Olmo, 23, erhielt bei RB Leipzig keine kurzfristige Freigabe und konnte daher nicht zu seinem Jugendklub FC Barcelona zurückkehren. Das wiederum bedeutete, dass Barça stattdessen beim FC Sevilla zugriff - und dessen Mittelstürmer Nummer drei, den früheren Bundesliga-Profi Luuk De Jong (Borussia Mönchengladbach), für kleines Geld in die katalanische Hauptstadt holte.

Antoine Griezmann war 2019 von Atlético zu Barcelona gewechselt. An seine Leistungen bei Atlético konnte er dort nie anknüpfen, im Schatten des soeben nach Paris abgewanderten Lionel Messi wirkte er meist gehemmt. Den Barça-Fans war Griezmann zunehmend ein Dorn im Auge. Denn während sie zusehen mussten, wie ihr mit 1,35 Milliarden Euro verschuldeter Klub den Vereinsheiligen Messi finanziell nicht halten konnte, zählte der Franzose Griezmann neben Spielern wie Verteidiger Samuel Umtiti oder Mittelfeldspieler Philippe Coutinho zu jenen Profis, die keinen Willen zeigten, auf Gehalt zu verzichten und damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass Barça die Vorgaben des spanischen Ligaverbandes erfüllen kann. Der pocht auf Einhaltung einer Gehaltsobergrenze.

Einem Olmo-Leihgeschäft stimmten RB und Trainer Marsch nicht zu

Die Lage bei Barcelona ist weiterhin dramatisch: Nur weil zuletzt die Kapitäne der Mannschaft - Gerard Piqué, Sergi Roberto und Jordi Alba - zu Lohneinbußen bereit waren, konnten die Zugänge dieses Sommers überhaupt für den laufenden Spielbetrieb gemeldet werden: Verteidiger Eric García, Stürmer Memphis Depay und seit Dienstagabend auch der aktuell verletzte neue Neuner Sergio "Kun" Agüero sorgen nun dafür, Barcelonas Kader zu verringerten Kosten einigermaßen wettbewerbsfähig zu halten. Griezmann war nach dem Abschied Messis mit angeblich 35 Millionen Euro netto pro Jahr der Topverdiener beim FC Barcelona. Dieser Titel gebührt nun Coutinho, der rund 25 Millionen netto verdienen soll.

Trotz der prekären wirtschaftlichen Lage feilte Barcelona am Dienstag an der Verpflichtung von Dani Olmo, zu Summen, die angesichts des ramponierten Gesamtbilds des Klubs immer noch erstaunen. Nach SZ-Informationen legte der Verein dem Ligaverband LFP in Madrid eine Art Sudoku-Rätsel vor. Die Frage war: Unter welchen Umständen könnte Olmo bei einer zu leistenden Ablöse von rund 75 Millionen Euro ins unter strenger Beobachtung stehende Gehaltsgefüge passen? Das einzig denkbare Modell wäre daher gewesen, Olmo für zwei Jahre auszuleihen und den Vertrag mit einer verpflichtenden Kaufoption zu versehen.

Für Olmo selbst, der derzeit noch im Sonderurlaub ist, war die Aussicht verlockend: Er hat sich in Leipzig und bei der spanischen Nationalelf große Lorbeeren erworben, wäre quasi als verlorener Sohn heimgekehrt und hätte das Barcelona-Trikot mit der Rückennummer 7 tragen können, das Griezmann zu groß war. Doch der Deal kam nicht zustande. Für Leipzig kam die Offerte zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt - wenige Stunden vor Ende der deutschen Transferzeit (18 Uhr). Einen Ersatz für Olmo zu beschaffen, wäre fast unmöglich gewesen.

Dennoch befasste sich RB mit der Option eines Verkaufs. Den Unterhändlern Barcelonas, mit denen Leipzig am Dienstag auch den Transfer von Talent Ilaix Moriba, 18, nach Sachsen finalisiert hatte, wurde signalisiert, dass man ein aufgebessertes Angebot für Olmo studieren würde - vorausgesetzt, der Wechsel würde keiner Leihe unterliegen; und dass man sich bei Trainer Jesse Marsch erkundigen würde, ob er sich einen Kader ohne Olmo vorstellen könnte. Am Ende kam keine Übereinkunft zustande - weil Barcelona außerstande war, sofort und cash zu zahlen, und weil Marsch dem Vernehmen nach nicht auf Olmo verzichten wollte. Ein schriftliches Angebot wurde nicht vorgelegt.

Klar ist aber auch, dass Olmo nun mehr denn je auf dem Radar von Barcelona ist. Der Krisenklub wird wohl schon im Winter einen neuen Anlauf unternehmen, um den offensiven Mittelfeldspieler wieder ins Camp Nou zu holen.

© SZ/mok/ebc
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