Badminton Spielerisch gegen die Langeweile

Fehlt in der Relegation: Przemyslaw Szydlowski (links).

(Foto: Claus Schunk)

Nach dem Abstieg hat sich der TSV Neuhausen gleich an die Tabellenspitze der zweiten Liga gesetzt. Am Wochenende stehen zwei Derbys an.

Von Sebastian Hepp

München - Schnell und unerreichbar hoch flog der Federball über Przemyslaw Szydlowski hinweg, der Pole konnte nur hinterherschauen - doch dann gelang ihm ein Kabinettstückchen: Im Zurücklaufen mit dem Rücken zum Netz spielte er den Ball durch die Beine. Sein Partner Fabian Holzer schüttelte ungläubig den Kopf, das heimische Publikum jubelte - das Doppel des TSV Neuhausen-Nymphenburg machte tatsächlich noch diesen Punkt. Wenig später stand der 11:5, 11:8 und 11:9-Erfolg des Duos gegen die Dillinger Paarung Berchtenbreiter/Ames fest, und am Ende gewannen die Gastgeber diese Zweitligapartie vor einer Woche souverän mit 6:1.

Vergangene Saison, als die Münchner noch in der ersten Badminton-Bundesliga spielten, hätten sie so manche Punkte nicht so leicht und spielerisch einfahren können wie seit dem Saisonauftakt Anfang September eine Klasse tiefer. Neuhausen ist nach drei Spieltagen und drei klaren Siegen Tabellenführer, mit einer Matchbilanz von 20:1. Fabian Holzer, 26, genießt es, dass er als der extrovertiertere Spieler seiner Formation zwar den Ton angibt, dass sein vier Jahre jüngerer polnischer Partner inzwischen jedoch an Klasse und Reife gewonnen hat. "Ich sehe mich eher als Arbeiter auf dem Court, es sieht nur so aus, als sei ich der dominierende Spieler von uns beiden", analysiert Holzer.

Vor einem Jahr, als der Doppelspezialist und ehemalige Nationalspieler gerade zum TSV Neuhausen-Nymphenburg gewechselt war, war die Ausgangslage für ihn schwieriger. Da musste er, gerade erst mit dem TV Refrath deutscher Mannschaftsmeister geworden und ans Siegen gewöhnt, bei einem Abstiegskandidaten plötzlich mit dem Überlebenskampf klarkommen. Obwohl Holzer ein Kämpfer par excellence ist, gelang ihm im meist mit hochkarätigen Ausländern besetzten ersten Herrendoppel mit Szydlowski anfangs lange kein Sieg. Erste Erfolge im Oberhaus stellten sich erst ein, als das deutsch-polnische Duo optimal aufeinander abgestimmt war. Doch kurz darauf war das Abenteuer erste Liga für den Klub vorbei.

Dass die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Bundesliga groß sind, weiß Holzer inzwischen aus eigener Erfahrung. "Das Tempo der Bälle ist in der zweiten Liga viel geringer und Konzentrationsfehler werden hier auch viel eher verziehen", urteilt Holzer. Anders als in der ersten Liga, die auf fast allen Positionen mit Profis besetzt sei, gebe es in der zweiten zahlreiche Spieler, die ihren Sport "nur semiprofessionell" betrieben. Doch wer da meint, die Moral, die Konzentration und auch der Trainingsaufwand der Neuhauser sei entsprechend geringer geworden, wird angesichts der bisherigen Zweitligabegegnungen eines Besseren belehrt. Die Spielerinnen und Spieler wirken ebenso motiviert und durchtrainiert wie in Liga eins, auch der Teamgeist und der Spaßfaktor sind nach Holzers Worten optimal. "Jeder ist schon drei Stunden vor der Begegnung da und hilft, die Netze aufzubauen und die Spielfelder herzurichten", stellt er erfreut fest. Teammanager Philipp Blonck attestiert er ein "gutes Händchen" beim Umgang mit und der Auswahl von Spielern für seinen Kader. Deshalb will der Architekturstudent, der Ende des laufenden Semesters sein Studium abschließen wird, auch kommende Saison für Neuhausen spielen, falls sich das mit seiner beruflichen Laufbahn vereinbaren lässt.

Holzer trainiert "zwei- bis dreimal pro Woche", erzählt er, das Training mache ihm sogar noch mehr Spaß als früher, da er es sich jetzt selber freier gestalten und einteilen könne als zu seinen Erstligazeiten. An der klaren Zielvorgabe Wiederaufstieg ändere das freilich nichts. "Wir bereiten uns genauso vor wie in der ersten Liga und wollen jede Partie gewinnen", sagt er. "Für die Psyche ist es allerdings eher noch anstrengender geworden", fügt er hinzu. Denn man dürfe nicht dem Trugschluss erliegen, "dass alles jetzt von selber läuft". Vielmehr gelte es, in jede Begegnung von Neuem ehrgeizig und motiviert hineinzugehen und ein Gefühl von Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Das sollte an diesem Wochenende gelingen. Am Samstag (15 Uhr) kommt Lokalrivale TSV Neubiberg/Ottobrunn, der Nachbar steht allerdings ohne Punkt am Tabellenende. Die Fahrt am Sonntag ist kaum länger, da geht es zum Aufsteiger TuS Geretsried (12.30 Uhr).