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Italienische Nationalmannschaft:Pforzheimer Junge mit Pirlo-Trikot

Firenze 11/11/2020 - amichevole / Italia-Estonia / foto Image nella foto: Vincenzo Grifo-Taijo Teniste PUBLICATIONxNOTx

Sie nennen ihn Oriundo Tedesco, ähnlich wie südamerikanische Spieler mit italienischen Wurzeln: Doppeltorschütze Vincenzo Grifo (re.).

(Foto: Gribaudi/imago)

Seit mehr als zwei Jahren sind die Azzurri ungeschlagen - Trainer Roberto Mancini experimentiert ständig. Beim Sieg gegen Estland überrascht der in Deutschland aufgewachsene Vincenzo Grifo.

Von Oliver Meiler, Rom

Vielleicht muss man die Bedeutung von Charisma einmal etwas relativieren - von dieser angeborenen Aura, die einen Leader so sagenhaft umweht, dass alle rundherum inspiriert, eingeschüchtert, jedenfalls beeindruckt sind. Braucht sie wirklich Präsenz? Von Roberto Mancini, dem Commissario tecnico der italienischen Nationalmannschaft, heißt es, er habe tonnenweise Charisma. Sein Erfolg als Trainer liefert den statistischen Beleg.

Seit mehr als zwei Jahren - oder zwanzig Spielen - sind die Azzurri ungeschlagen. Und das ist vor allem deshalb recht bemerkenswert, weil Mancini seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren fast jeden Italiener mitspielen ließ, der einem Ball etwas abgewinnen kann. Er experimentiert ständig, setzt auch Spieler ein, die gerade keinen Stammplatz haben, und solche, an die niemand vor ihm gedacht hatte. 32 gaben in seiner Amtszeit ihr Debüt. Das klappt nur, wenn einer Aura hat.

Nun saß Mancini beim Freundschaftsspiel gegen Estland am Mittwochabend aber mit Covid-19 auf dem Sofa in seiner Wohnung in Rom und steuerte alles aus der Ferne - am Telefon. "Tele-Poker", schreibt die Gazzetta dello Sport, wobei Poker natürlich ein etwas schiefes Bild ist gegen die Nummer 107 im Ranking der Fifa: Estland spielte mit seinen Besten, um einer "kolossalen Peinlichkeit" vorzubeugen, wie es ihr Coach vor der Begegnung gesagt hatte, war aber in keiner Weise auf der Höhe der Aufgabe.

"Ferngesteuertes Italien"

Italien gewann 4:0, wie es sich gehört. Interessanter noch als das Spiel war aber die Nachverfolgung der Kommandokette, vom Sofa in Rom auf den Rasen des Stadio Artemio Franchi in Florenz. Mancini war im ständigen Kontakt mit zwei Leuten vor Ort, nämlich mit seinem Assistenten Fausto Salsano, der das Spiel von der Tribüne aus verfolgte, aus der Höhe also, und mit Gianluca Vialli auf der Spielerbank, seinem früheren Kameraden zu Aktivzeiten bei Sampdoria Genua und nun Delegationschef der italienischen Nationalmannschaft. Beide mit Knopf im Ohr. Vialli redete parallel auch noch mit Salsano und gab dann die Instruktionen des Chefs auf dem Sofa zuhause weiter an Alberico "Chicco" Evani, den Vize Mancinis, der an dessen Stelle am Spielfeldrand stand.

So kam das Wort des Commissario im Home-Office zu den Spielern - ohne Blicke, ohne Stimmfarbe, ohne Charisma, nur nackte Anweisungen. "Italia telecomandata", schreibt der Corriere della Sera, ferngesteuertes Italien.

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