Wer ist gerade der Toptorjäger Europas? Ist es Erling Haaland, der in 111 Premier-League-Spielen für Manchester City 100 Tore erzielte und damit einen neuen Rekord in der höchsten englischen Spielklasse aufstellte? Ist es Kylian Mbappé, der in seiner La-Liga-Debütsaison 31 Tore für Real Madrid erzielte? Oder ist es Harry Kane, der es in 104 Spielen – schneller als jeder andere Spieler in der Historie des FC Bayern – zu 100 Toren brachte? Nun, momentan lautet die Antwort: Ayase Ueda.
Nach seinen vier Toren am vergangenen Wochenende gegen PEC Zwolle ist der japanische Nationalspieler momentan der erfolgreichste Torjäger in den zehn besten europäischen Ligen. Mit 18 Treffern steht er vor Haaland (15 Tore), Mbappé (16 Tore) und Kane (17 Tore). Doch wer ist Ueda überhaupt und warum ist er noch ziemlich unbekannt?
Das hat unter anderem mit dem Werdegang des Stürmers zu tun. In einer Branche, in der sich Mbappé mit 19 Jahren zum Weltmeister krönte und Haaland im gleichen Alter drei Tore bei seinem Champions-League-Debüt erzielte, ist Ayase Ueda ein Unikat.
Im Alter von 19 Jahren studierte Ueda noch Ernährungs- und Sportwissenschaften in Tokio. Neben seinem Studium spielte er Fußball für die dortige Hosei Universität. Auch dank seiner Leistungen gewann die Mannschaft nach 42 Jahren ihren ersten Meistertitel in der Uni-Liga. Für Ueda ging es im Anschluss zu seiner ersten Profistation in die J-League. Bei den Kashima Antlers steuerte er dann in 103 Spielen 47 Tore bei.
„Wenn ich ein Tor geschossen habe, höre ich die Fans und ihre Freude. Das lasse ich auf mich wirken“
Erst im Sommer 2022, mit 24 Jahren, wagte der Stürmer schließlich den Schritt nach Europa, zum belgischen Erstligisten Cercle Brügge. Dort erzielte Ueda 18 Tore, ehe er nach nur einer Saison zu Feyenoord Rotterdam wechselte. Dort stockte der Aufstieg des Japaners zum ersten Mal: In der niederländischen Hafenstadt traf er auf Publikumsliebling Santiago Gimenez. Im Schatten des mexikanischen Stürmers konnte Ueda nicht an seine Zeit in Belgien anknüpfen. Auch in der Saison 2024/25 wusste der Japaner – trotz des Winterwechsels seines Sturmkonkurrenten zum AC Mailand – noch nicht wirklich zu überzeugen.
Doch in dieser Saison zeigt Ayase Ueda nun, im Alter von 27 Jahren, den besten Fußball seiner Karriere. Passend zur geduldigen Art des Stürmers ist auch seine Reaktion auf Tore. Während andere Fußballer frenetisch jubeln, genießt Ueda still die Höhepunkte einer langen Reise. „Wenn ich ein Tor geschossen habe, höre ich die Fans und ihre Freude. Das lasse ich auf mich wirken“, sagte er der niederländischen Zeitung AD.
Anlässe zum Genießen erarbeitet sich Feyenoords Nummer 9 dabei in dieser Saison reichlich. Mit jedem Treffer schleicht sich Ueda dabei an historische Höhen heran. So könnte der Japaner, sollte er seine aktuelle Torquote (1,2 Tore pro Spiel) tatsächlich aufrechterhalten, die besten Saisons von Torjägern wie Ronaldo Nazário (30 Tore), Luis Suárez (35 Tore) und Marco van Basten (37 Tore) in der Eredivisie übertrumpfen. Bis zum Saisonende ist es jedoch noch ein langer Weg.

Es ist vielleicht nicht zufällig ein ehemaliger Ausnahmestürmer, Robin van Persie, die Uedas Leistungsentwicklung in Rotterdam kontinuierlich vorantreibt. Seit Anfang 2024 ist Van Persie Cheftrainer von Feyenoord. Nach einem Doppelpack seines Torjägers gegen Volendam im November betonte der Coach, dass Ueda basierend auf den Chancen „mehr als zwei Tore hätte machen sollen“.
Ayase Ueda muss allerdings erst noch zeigen, dass er die Leistung der Hinrunde konstant über die Saison sowie darüber hinaus abrufen kann – und auch in der Europa League mehr Tore erzielen. Gegen Zwolle, Volendam oder Heerenveen trifft man halt doch etwas leichter als Haaland gegen Chelsea, Mbappé gegen Barcelona oder Kane gegen Leverkusen. Bis zum Status als Stürmer internationaler Klasse ist es für den Japaner noch ein weiter Weg. Doch mit weiten Wegen kennt sich Ayase Ueda ja bekanntlich aus.

