Axel Witsel beim BVB "Dass er Tore macht, dafür haben wir ihn eigentlich nicht geholt"

Torschütze und Antreiber: Axel Witsel bei seinem ersten Pflichtspiel für den BVB.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Zugang Axel Witsel hilft dem BVB, ein zerfahrenes Pokalspiel in Fürth zu retten.
  • Der Belgier wird eingewechselt, beruhigt die Partie und schießt sogar ein Tor.
  • Unterdessen läuft die Suche nach einem neuen Stürmer.
Von Thomas Gröbner, Fürth

Die Bewegung, mit der sich Axel Witsel im deutschen Fußball vorstellte, war eine, die sie in Dortmund zuletzt vermisst hatten: Erst ein paar kluge Schritte in einen unbeobachteten Raum hinein, dann ein wohltemperierter Sprung in die Flanke - so dass nur noch der Winkel beim Schuss stimmen musste, der den Dortmundern im Pokalduell mit dem wackeren Zweitligisten aus Fürth große Erleichterung verschaffte. Es waren die Fertigkeiten eines Strafraumstürmers, mit denen Witsel der Ausgleich in letzter Sekunde gelang und den BVB doch noch in die Verlängerung versetzte. Marco Reus erzielte den 2:1-Siegtreffer, in der 120. Minute.

Eigentlich haben sie Axel Witsel beim BVB ja für andere Aufgaben eingestellt. In Dortmund hoffen sie ein wenig, dass unter Witsels flauschiger Mähne der Kopf ihrer Mannschaft stecken könnte. Zumindest bei seinem kurzen Auftritt am Montag deutete der Belgier an, dass er den Puls der Mannschaft fühlen kann - und das in der Vergangenheit oft fahrige Spiel der Mannschaft mit wohldosierten Pässen zu beruhigen weiß. Und wenn es nötig ist, taucht er eben selbst vor dem Tor auf, um dem Spiel eine neue Wendung zu geben.

Wer stürmt künftig in Dortmund?

"Wir haben das Spiel nicht kontrolliert, es hat etwas gefehlt", murrte Dortmunds neuer Trainer Lucien Favre später. Dieses fehlende Teil könnte in Zukunft Witsel sein, der in der defensive Zentrale Regie führte, ganz nach dem Geschmack von Favre: "Er hat der Mannschaft viel gebracht. Er spielt einfach und ruhig. Und er kann die Bälle im richtigen Moment halten. Das ist wichtig für die Mannschaft." Auch Sportdirektor Michael Zorc war zufrieden mit seinem Einkauf: "Er hat das Spiel sofort an sich gerissen. Er war die Anspielstation. Nur dass er Tore macht, dafür haben wir ihn eigentlich nicht geholt."

Wer in Zukunft im BVB-Dress die Tore beschaffen soll, auch das ist gerade Teil einer längeren Debatte. Denn das wurde gegen Fürth ja wieder deutlich: In Dortmund fehlt mitunter jemand, der die durchaus ansehnlichen Offensivbemühungen vollendet. Entweder muss sich der BVB neu erfinden und spielt fortan ohne echten Torjäger - oder es gelingt noch ein Schnäppchen im Schlussverkauf, am Ende des Transferzeit. Bis spätestens zum 31. August muss sich der Champions-League-Teilnehmer entscheiden, ob er das Wagnis eingeht, ohne einen ausgebildeten Stürmer in die Saison zu ziehen.

Zuletzt hatte der BVB vor allem in Spieler investiert, die den Ball vom eigenen Tor fernhalten sollen. 20 Millionen Euro gingen für den Wellenbrecher Thomas Delaney drauf, 28 Millionen für Verteidiger Abdou Diallo, 20 Millionen für dessen Nebenmann Manuel Akanji.

Dagegen ist das Personal, dass im BVB-Kader die Arbeitsbeschreibung "Stürmer" trägt, überschaubar. Der 19-jährige Däne Jacob Bruun Larsen aus der eigenen Jugend gehört dazu, der zuletzt nach Stuttgart ausgeliehen war und den eine Fußverletzung zu einer zweiwöchigen Pause zwingt. Dazu Alexander Isak, 18, der sich bisher noch bei keinem BVB-Trainer durchsetzen konnte. Gegen Fürth bot Favre Marco Reus und Maximilian Philipp als herumstreunende Angreifer auf, eine "Neuneinhalb" nennt der zahlenbegeisterte Favre diese Position. Aus seiner Vergangenheit ist verbrieft, dass er feingliedrige Angreifer wie Reus jenen mit den Proportionen eines Kleiderschranks vorzieht.