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Australien:In den Himmel

Women's World Cup - Round of 16 - Norway v Australia

Fünf Tore bei der WM - doch den Elfmeter setzte sie in den Nachthimmel: Samantha Kerr, 25.

(Foto: Jean-Paul Pelissier/Reuters)

Nach dem Fehlschuss von Rekordschützin Samantha Kerr scheitert Australien tragisch.

Jedes große Turnier hat seine tragischen Helden. Samantha Kerr, 25, war bei der Weltmeisterschaft in Frankreich dazu auserkoren, den australischen Frauenfußball auf ein neues Niveau zu heben. Unverbesserliche Optimisten träumten sogar schon vom Titel. 52 Minuten lang hatten die Australierinnen am Samstag im Achtelfinale gegen Norwegen 0:1 hinten gelegen. Sieben Minuten vor Schluss brachte dann jedoch Elise Kellond-Knight die Matildas zurück ins Spiel, und als nach weiteren 37 Minuten keine Entscheidung gefallen war, schoss Samantha Kerr den ersten Elfmeter für Australien.

Kerr ist mit fünf Treffern die beste WM-Torschützin ihrer Mannschaft, sie ist Rekordtorschützin sowohl der US-amerikanischen Liga NWSL als auch der australischen W-League, und sie gewann in beiden Ligen zuletzt je zwei Mal nacheinander den Goldenen Schuh - doch diesen Elfmeter am Samstagabend in Nizza, der Australien seinem Titeltraum einen kleinen Schritt näher bringen sollte, den drosch Kerr in den französischen Nachthimmel. Australien verlor das Elfmeterschießen dann 1:4. Eine der größten Heldinnen des Fußballs ist raus, der WM-Traum zerplatzt.

Samantha Kerr ist keine Drama-Queen. Nach dem verschossenen Elfmeter verzog sie den Mund zu einem trotzigen Grinsen. "Wir wachsen an solchen Enttäuschungen", sagte sie hinterher. Kerr kommt zugute, dass ihr Fußballerinnen-Leben zu vollgestopft ist, als dass sie sich mit diesem dramatischen Fehlschuss allzu lange aufhalten könnte. Die durch Gehälter und Sponsorenverträge einzige Millionärin des australischen Fußballs spielte zuletzt abwechselnd in Australien und in den USA, weil sich die Spielzeiten auf beiden Kontinenten klimatisch abwechseln. Down Under war sie für Perth und in den USA für Chicago aktiv, aber momentan wird gemunkelt, dass die so erfahrene und doch immer noch so junge Stürmerin in diesem Sommer nach Europa wechseln könnte. Der FC Chelsea aus London soll ihr ein ansehnliches Angebot unterbreitet haben, die Rede ist von 800 000 Pfund für zwei Spielzeiten. Doch ihr Heimatklub Perth Glory will dagegen halten. Mit fünf Toren in vier Spielen hat Kerr bei der WM trotz des frühen Ausscheidens noch einmal Argumente für sich gesammelt.

Die 25-Jährige spielt seit zehn Jahren im Nationalteam, und wer da ins Rechnen gerät, hat tatsächlich Recht: Sie debütierte bereits mit 15 Jahren. Das Achtelfinal-Aus als Weltranglisten-Sechster war trotz ihres Debüts als Kapitänin das schlechteste australische WM-Ergebnis seit 2003, nach zuvor drei Viertelfinal-Teilnahmen in Serie. "Aber wir werden stärker zurückkommen", sagt Kerr, kämpferisch. Für die Ausrichtung der WM 2023 gilt Australien als heißer Kandidat.