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Zverev gegen Djokovic bei den Australian Open:"Niemand kann meinen Geist brechen"

Tennis: Australian Open

Wutausbruch: Novak Djokovic wirkt mächtig angespannt in Melbourne.

(Foto: Dean Lewin/dpa)

Körperlich angeschlagen und innerlich aufgewühlt: Der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic gibt vor dem Viertelfinale gegen Alexander Zverev ein ambivalentes Bild ab.

Von Gerald Kleffmann

Eine Frage reichte, um Novak Djokovic aus der Deckung zu bringen. Ein serbischer Journalist stellte sie auf Serbisch, wie das Portal Tennismajor.com berichtete. Er trug vor, dass bei den Australian Open vor einem Jahr der Schweizer Roger Federer den Amerikaner Tennys Sandgren nach Abwehr von sieben Matchbällen und trotz Leistenproblemen besiegt hatte. Djokovic hätte nun in Melbourne beim selben Grand-Slam-Turnier ähnliche Taten vollbracht. Trotz Bauchmuskelverletzung setzte sich ja der 33-Jährige in fünf Sätzen gegen den US-Profi Taylor Fritz und gegen den Kanadier Milos Raonic in vier Sätzen durch. Doch während Federer gefeiert wurde, löste Djokovic Debatten aus, ob er wirklich angeschlagen war. Wie er das sehe, fragte der Reporter. Und riss eine alte Wunde auf.

"Wenn wir das anfangen zu diskutieren, werden wir diesen Abend nicht fertig", sagte der 17-malige Grand-Slam-Sieger Djokovic - und legte los. Er fühle sich im Vergleich mit seinen Widersachern nicht entsprechend gewürdigt. "Ich kann nicht sagen, dass das mir nicht nahegeht", erklärte er, "natürlich trifft mich eine Ungerechtigkeit oder unfaire Darstellung in den Medien." Er sei ein Mensch, er habe Gefühle, das alles mache ihm keinen Spaß. Dass die Medien indes nicht nur von sich aus sein Verhalten beleuchten, sondern auch Protagonisten im Tennis das Thema befeuern, erwähnte Djokovic nicht. Patrick Mouratoglou etwa, Trainer von Serena Williams, meinte, Djokovic würde manchmal Beschwerden quasi simulieren, um Gegner in Sicherheit zu wiegen.

"Ich habe nur die Macht, das zu kontrollieren, was ich mache"

Die Medien wiederum spiegeln in vielen Fällen nur das Fan-Verhalten mancherorts wider. Tatsächlich wurde Djokovic schon mal im Wimbledon-Finale ausgepfiffen, aus dem Grund, weil er den dort besonders verehrten Federer besiegt hatte. Boris Becker verteidigt Djokovic, den er drei Jahre als Coach betreute, auch regelmäßig - und befeuert damit eher den Eindruck, den Djokovic nun wieder beklagte: dass er zu schlecht wegkomme im öffentlichen Urteil. Für sich selbst hat Djokovic, der schon oft in seiner Karriere mit Meinungen und Verhaltensweisen aneckte, eine Entscheidung getroffen: "Ich habe nur die Macht, das zu kontrollieren, was ich mache", sagte er, "nicht darüber, was andere über mich schreiben, wie sie mich beurteilen oder kritisieren." Sprich, er wolle sich nur auf sich fokussieren.

Der Zeitpunkt seiner Ausführungen überraschte, an diesem Dienstagabend steht sein Viertelfinalduell mit dem Weltranglisten-Siebten Alexander Zverev an, seine Bauchmuskelverletzung ist noch nicht ausgestanden. Seine Mutmaßung, dass etwas möglicherweise gerissen sei, er dann aber durchspielte, befeuerte gar Spekulationen, er habe übertrieben. Djokovic versicherte, er habe nur mit Schmerzmitteln spielen können, er wisse auch nicht, "wie weit ich mit dieser Verletzung im Turnier kommen werde". Zverev, 23, geht für sich davon aus, dass der Weltranglisten-Erste fit sein werde. In jedem Fall ist Djokovics größte Stärke revitalisiert, sein Trotz. "Natürlich tut es weh, wenn man grundlos kritisiert und anders behandelt wird. Aber in gewisser Weise ist das der Weg, den ich gewählt habe", sagte Djokovic und beschwor: "Niemand in den Medien kann meinen Geist brechen, meine Verbindung mit meiner eigenen Seele und meinem Bewusstsein ist tiefer als alle Nachrichten, die über mich geschrieben werden." Und: "Ich weiß, wer ich bin, was ich bin, wo ich bin, wo ich war und wo ich hingehe."

Alles verblüffende Aussagen so kurz vor einem wichtigen Match.

© SZ/vk
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