Verspätung bei den Australian Open Der offizielle Grund: Vogelkot

Spät nachts in Melbourne: Garbiñe Muguruza (links) und Johanna Konta verlassen endlich den Court.

(Foto: REUTERS)
  • Bei den Australian Open startet das Match zwischen Johanna Konta und Garbiñe Muguruza erst um 00.30 Uhr Ortszeit.
  • Es ist das Tennismatch mit dem spätesten Beginn der Grand-Slam-Geschichte.
  • Muguruza siegt 6:4, 6:7 und 7:5, Konta beschwert sich.
Von Barbara Klimke, Melbourne

Nachts, wenn die Menschen gehen, kommt die Stunde der Vögel. Schwärme von Möwen kreisen dann über der Anlage der Australian Open am Yarra River: Weiße tanzende Punkte am Himmel, von Scheinwerfern angestrahlt, wie eine rätselhafte Lichtinstallation. Dann lassen sie sich auf den Tennisplätzen nieder, angelockt vielleicht von der Meeresfarbe des Belags, und wenn sie wieder auffliegen, bleibt ihre Hinterlassenschaft: weiße Klekse auf dem blauen Court.

Vogelkot also. Das war der offizielle Grund für den späten Beginn der Zweitrundenpartie zwischen der Britin Johanna Konta und der Spanierin Garbiñe Muguruza (4:6, 7:6, 5:7), die am Freitagmorgen um 0.30 Uhr Ortszeit in Melbourne begann. Es ging in die Annalen ein als das Tennismatch mit dem spätesten Beginn der Grand-Slam-Geschichte.

Die Ersatzplätze standen nicht zur Verfügung

Laut Turnierplan sollte das Frauen-Duell als zweite Partie der Abend-Session in der Maragret-Court-Arena stattfinden. Weil sich das vorhergehende Spiel von Alexander Zverev gegen Jeremy Chardy wegen einer Regenpause verzögert hatte und sich dann fünf Sätze und mehr als vier Stunden in die Länge zog, ehe Zverev gewann, erwogen die Veranstalter, Konta und Muguruza auf den leeren Court Nummer drei zu bitten, der ebenfalls beleuchtet werden kann. Doch dort hätte sich zuerst ein Reinigungstrupp mit Wischmopp zu schaffen machen müssen. Die größere Rod-Laver-Arena war von Novak Djokovic besetzt. Also mussten Konta und Muguruza warten.

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Nach einer klaren Zwei-Satz-Führung und einem vergebenen Matchball muss der Deutsche in der zweiten Runde gegen Jérémy Chardy noch in den fünften Satz. Doch da bleibt er cool.

Absurd, wie Konta kritisierte, zumal kaum noch ein Zuschauer in dem 7500 Plätze fassenden Rund ausgeharrt hatte: "Ich glaube nicht, dass das gesund ist - eigentlich ist es sogar ziemlich gefährlich", sagte sie. Als Entschuldigung für ihre Niederlage wollte sie das nicht verstanden wissen, schließlich war ihre Gegnerin in derselben Situation, "und unter diesen Umständen haben wie beide ein tolles Match gezeigt". Aber sie fand es doch an der Zeit, die Logik des Spielplans zu hinterfragen nach dem Matchball um 3:12 Uhr.

Ein Match 2008 hatte ein noch späteres Ende

Des Mitgefühls der Kollegen konnte sie sich sicher sein. Wenngleich Roger Federer, der Chefdiplomat der Szene, daran erinnerte, dass die (wenigen) Zuschauer in der Halle und die (vielen) vor den Fernsehschirmen, besonders im entfernten Europa, wohl zufrieden gewesen seien: "Ist das ideal? Nein!", sagt er: "Aber was kann man machen, wenn ein Match zuvor fünf Sätze dauert?"

Federer erinnerte daran, dass Tennisspieler flexibel sein müssten: "Wir betreiben keinen Mannschaftssport mit festen Anstoßzeiten." Statistiker hatten in den Annalen sogar ein Match gefunden, das noch ein noch späteres Ende hatte - allerdings bei einem früheren Beginn: 2008 hatten Lleyton Hewitt aus Australien und Marcos Baghdatis aus Zypern ebenfalls im Melbourne Park bis 4.34 Uhr am Morgen gespielt.

Johanna Konta hat dann übrigens noch einmal Flexibilität bewiesen. Angeblich ist sie anschließend zum Frühstücken gegangen. Und die Möwen schaukelten, als sei nichts gewesen, auf dem Yarra River.

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