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Tennis:Australian Open in der Halle?

2019 Australian Open - Day 14

Sonnenuntergang in Melbourne: Beim diesjährigen Turnier könnte das Dach häufiger geschlossen werden.

(Foto: Getty Images)
  • In Australien brennen weiterhin die schlimmsten Buschfeuer der Geschichte. Das könnte auch die Australian Open betreffen, die am 20. Januar starten.
  • Novak Djokovic, siebenmaliger Sieger des Turniers und Präsident des Spielerrats bringt eine Verlegung ins Spiel.
  • Die Veranstalter erwägen, bei zu großer Luftverschmutzung Spiele in der Halle auszutragen.

Die Warnhinweise der Gesundheitsbehörde in Australiens Hauptstadt Canberra sind auch am Mittwoch in Kraft geblieben. Den Bürgern wurde dringend von längeren Anstrengungen im Freien abgeraten: "Bei heftigem Rauch in der Umgebung ist es am besten, alle körperlichen Aktivitäten draußen zu vermeiden", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Wer gefährdet ist, zum Beispiel durch Herz- und Lungenvorerkrankungen, sollte besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, etwa in der Wohnung bleiben, Türen und Fenster schließen und die Klimaanlage ausschalten. Mit anderen Worten: Unter diesen Bedingungen, in den ersten Januartagen des Jahres 2020, wäre es töricht bis unverantwortlich, unter freiem Himmel Tennis zu spielen.

Eine Verschiebung des Turniers? Für Novak Djokovic darf das im Notfall kein Tabu sein

Canberra war am Mittwoch erneut die Stadt mit dem weltweit höchsten Luftverschmutzungsgrad, vor Delhi in Indien und Nepals Hauptstadt Kathmandu. Die Rauchentwicklung der australischen Buschbrände trieb den Index auf Werte bis 223 - in eine Kategorie, die als "sehr ungesund" eingestuft wird. Für die kommenden Tage ist nun Linderung angesagt. Und auch in Melbourne, 460 Kilometer südwestlich, hat sich die Lage etwas entschärft. Aber noch am Montag drifteten die Schwaden der Brände aus Tasmanien und Victoria über die Metropole. Ein Reizklima lag über der Stadt, die vom 20. Januar an, wie jedes Jahr, die Australian Open veranstalten will, das größte Tennis-Freiluftereignis der südlichen Hemisphäre. Und spätestens seit auch hier die Menschen über Rauch in ihren Wohnungen und Büros klagten und in den Baumärkten der Absatz von Gesichtsmasken sprunghaft stieg, wie der Fernsehsender ABC berichtete, wird über Alternativszenarien für Australiens Sport-Großereignis des Jahres nachgedacht.

***BestPix*** Ashleigh Barty Media Opportunity

Ein Herz für Koalas: French-Open-Siegerin Ashleigh Barty besucht ein Krankenhaus, in dem bei den Bränden verletzte Tiere behandelt werden.

(Foto: Bradley Kanaris/Getty Images)

Nicht zuletzt Novak Djokovic, der siebenmalige Sieger der Australian Open, hat als Präsident des Spielerrats der Männertennisorganisation ATP von den Veranstaltern einen Maßnahmenkatalog und "neue Regeln" verlangt. Auch eine zeitliche Verlegung des Turniers dürfe kein Tabu sein, sagte Djokovic, der in der Vergangenheit mitunter selbst auf dem Platz unter Atemschwierigkeiten litt und 2009 in der Hitze von Melbourne sein Viertelfinale gegen Andy Roddick abgebrochen hatte: "Wenn die Gesundheit der Spieler beeinträchtigt ist", argumentierte der Titelverteidiger, müsse man eine Verlegung "in Erwägung ziehen".

Das Tennis-Festival im Melbourne Park hatte im vergangenen Jahr samt den Pop-Konzerten im Rahmenprogramm eine Rekordzahl von 796 435 Besuchern an den Yarra River gelotst. Es zu verschieben oder abzusagen, stand bislang offenbar noch nicht zur Diskussion. Craig Tiley, Turnierdirektor und Geschäftsführer des Australischen Tennisverbandes in Personalunion, ist weiter optimistisch, dass der erste Aufschlag am 20. Januar, wie geplant, erfolgen kann; schon am kommenden Montag beginnt das Qualifikationsturnier. Gleichwohl betonte er, dass "die Gesundheit von Spielern, Fans und Mitarbeitern jederzeit an erster Stelle" stehe. Einer der nun vom Verband Tennis Australia vorgelegten Pläne sieht vor, die Matches zu unterbrechen und in eine Halle zu verlegen, falls der Wind erneut zu viele Rauch- und Rußpartikel über die Freiluft-Anlage treibt.

Der Melbourne Park verfügt tatsächlich über mehr schließbare Stadien als alle anderen Austragungsorte von Grand-Slam-Tennisturnieren. Sowohl die riesige Rod Laver Arena (14 820 Plätze) als auch die Margaret Court Arena (7500 Plätze) und die Melbourne Arena (10 500 Plätze) sind mit Schiebedächern nachgerüstet. Weiterhin, so heißt es von Turnierseite, ständen acht Indoor-Courts im angrenzenden Nationalen Tennisleistungszentrum zur Verfügung. Ob das ausreicht, wenn die Luftqualität über Tage die zumutbare Belastungsgrenze überschreitet, bleibt abzuwarten. "Die Wahrscheinlichkeit von Rauchunterbrechungen festzulegen, ähnelt dem Verfahren, mit dem wir Hitze und Regen vorhersagen", teilte Tiley mit: Der Verband erhebe derzeit pausenlos Messungen und stehe im Austausch mit Medizinern und Gesundheitsexperten.

Mit Scharapowa

Maria Scharapowa, frühere Weltklasse-Spielerin, wird dank einer Wildcard an den Australian Open teilnehmen. Das teilten die Veranstalter des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres mit, das am 20. Januar in Melbourne beginnt. Die 32-jährige Russin gewann die Australian Open 2008, ist momentan aber nur noch die Nummer 147 der Welt. Nach ihrer Doping-Sperre kehrte Scharapowa im April 2017 auf die Tennis-Tour zurück, hat aber nicht wieder ihr früheres Niveau erreicht. Neben häufigen Schulterproblemen hatte sie zuletzt auch an einer Viruserkrankung gelitten. dpa

Was die Athleten erwartet, wenn sich beißender Qualm auf die Stadt senkt und die Fernsicht in manchen Gegenden unter 500 Meter sinkt, war bereits in der vergangenen Woche in Melbourne zu beobachten: Im AAMI Park, direkt gegenüber der Tennisanlage, fand ein Fußballmatch der A-League, der höchsten Spielklasse Australiens, zwischen dem FC Melbourne City und Western United (3:2) statt. "Das Spiel hätte abgebrochen werden müssen", stellte Uniteds Trainer Mark Rudan anschließend in der Zeitung Herald Sun klar: "Einige Spieler kamen zurück in die Kabine und konnten kaum atmen; sie haben es in der Kehle und in den Lungen gespürt."

Tennis Australia hat unterdessen eine Solidaraktion für die Betroffenen der Feuerkatastrophe im Land ins Leben gerufen. Für jedes Ass, das ein Spieler im Januar bei den diversen Turnieren schlägt, stiftet der Verband 100 Australische Dollar. Profis wie Nick Kyrgios, in Canberra geboren, haben eigene Spendensammlungen gestartet. Und für kommenden Mittwoch wird zu einer großen Benefizgala in die Rod Laver Arena in Melbourne mit Spielern wie Roger Federer und Rafael Nadal geladen. Wenn alles gut geht, kann das Dach geöffnet bleiben.

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